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Anschläge in der Türkei : Ein Land im Visier der Terroristen

  • -Aktualisiert am

Nach dem Anschlag in Istanbul vom 19. März legen Menschen in der Istiklalstraße Rosen nieder. Bild: AFP

Mindestens 41 Menschen starben am Dienstagabend bei Selbstmordanschlägen auf dem Flughafen von Istanbul. Dem Attentat in der Türkei gingen zahlreiche weitere voraus. Ein Überblick über den Terror in der Türkei in den vergangenen zwölf Monaten.

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          20. Juli 2015: Rund 300 linksgerichtete, prokurdische Aktivisten treffen sich zu einer Veranstaltung gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Suruç an der Grenze zu Syrien. Viele von ihnen sind Studenten. Dann sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft, 34 Menschen sterben. Die türkischen Behörden machen die Terrormiliz IS dafür verantwortlich. Es ist der erste Anschlag des IS auf türkischem Boden – und das verheerendste Attentat im Land seit zwei Jahren.

          10. Oktober 2015: Während einer prokurdischen Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara sprengen sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 101 Menschen mit sich in den Tod. Der Staat macht auch dafür die IS-Dschihadisten verantwortlich.

          Es sollte eine Friedensdemonstration werden – stattdessen starben 101 Menschen bei dem Anschlag am 10. Oktober in Ankara.

          12. Januar 2016: In der Altstadt von Istanbul sprengt sich ein Mann inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft. Zwölf deutsche Touristen werden getötet. Wieder schreiben die Behörden das in der Nähe von touristischen Sehenswürdigkeiten verübte Attentat dem „Islamischen Staat“ zu. Zuvor hatte der türkische Geheimdienst (MIT) die Polizei mehrmals gewarnt, dass die Terrormiliz IS Anschläge auf touristische Ziele plane. Türkische Medien bekunden nach dem Anschlag ihr Beileid mit Deutschland, die Zeitung „Habertürk“ schreibt „Im Herzen bei Euch“ auf ihre Titelseite.

          Waffenruhe mit PKK-Kämpfern reißt ab

          14. Januar 2016: Sechs Menschen sterben, als ein mit Sprengstoff präpariertes Auto vor dem Polizeikommissariat in Cina, 30 Kilometer von Diyarbakir entfernt, in die Luft fliegt. Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bezichtigt sich des Attentats und erklärt ihr Bedauern über den Tod von Zivilisten.

          Im Sommer des vergangenen Jahres eskalierte der jahrzehntelange Konflikt zwischen der Regierung in Ankara und der PKK wieder, nachdem zuvor zwei Jahre Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien geherrscht hatte. Besonders im Südosten der Türkei kommt es seit dem Sommer immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Milizen.

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          17. Februar 2016: Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in Ankara sterben 28 Menschen. Die dem Umfeld der PKK zugerechneten „Freiheitsfalken“ Kurdistans (TAK) bekennen sich dazu. Mit dem Anschlag wollten die Mitglieder der Organisation sich für die Kurden rächen, die bei Kämpfen gegen die Regierungstruppen im Südosten der Türkei gefallen seien, wie sie in ihrem Bezichtigungsschreiben erklären.. Auch kündigen die „Freiheitsfalken“ darin an, ihren „Rachefeldzug gegen den faschistischen türkischen Staat“ weiterzuführen.

          Erdogan: „Terrorismus in die Knie zwingen“

          13. März 2016: 35 Tote bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara. Wieder bekennen sich die „Freiheitsfalken“ zu dem Anschlag. Der türkische Präsident Erdogan kündigt an, den „Terrorismus in die Knie zwingen" zu wollen.

          19. März 2016: Auf einer beliebten Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen - drei Israelis und einen Iraner - mit in den Tod. Die Behörden vermuten Dschihadisten des IS hinter der Tat. Zwei Tage zuvor hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch vor Attentaten gewarnt, es hätte „sehr konkrete Hinweise“ auf geplante Terroranschläge gegeben. Die deutsche Botschaft in Ankara, das Generalkonsulat und die deutsche Schule in Istanbul waren deswegen am 17. März geschlossen.

          Die Polizei räumt eine zentrale Einkaufsstraße in Istanbul nach dem Anschlag vom 19. März 2016.

          31. März 2016: Sieben Polizisten sterben bei einem Anschlag auf einen Polizeibus nahe des Busbahnhofs in der südöstlichen Kurdenmetropole Diyarbakir. Auch viele Zivilisten werden bei der Explosion verletzt.

          Die Anschläge häufen sich

          10. Mai 2016: Drei Menschen sterben, als eine Autobombe beim Vorbeifahren eines Polizeifahrzeugs in Diyarbakir explodiert. In Teilen der Stadt liefern sich die PKK-Kämpfer und die türkischen Sicherheitskräfte regelmäßig Gefechte.

          7. Juni 2016: Durch einen Bombenanschlag auf einen Polizeibus sterben in der Altstadt von Istanbul mindestens elf Menschen: sieben Polizisten und vier Zivilisten. Wenige Tage später bekennt sich die PKK-Splittergruppe TAK zu dem Anschlag. In ihrem Bekennerschreiben warnen die „Freiheitsfalken“ Ausländer vor Reisen in die Türkei. Sie seien nicht das Ziel der Anschläge, schreiben die TAK-Mitglieder auf ihrer Internetseite.

          8. Juni 2016: Die Explosion einer Autobombe tötet sechs Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat in der Südost-Türkei. Zu der Tat bekennt sich die PKK. Midyat ist eine überwiegend von Kurden bewohnte Stadt und galt vor dem Anschlag in der umkämpften Region als sicherer Zufluchtsort.

          Ausgebrannt und eingestürzt: Das Polizeirevier von Midyat wurde am 8. Juni Ziel eines Anschlags.

          28. Juni 2016: Drei Selbstmordattentäter sprengen sich am bei Reisenden beliebten Atatürk-Flughafen in Istanbul in die Luft. Mindestens 39 Menschen sterben bei dem Anschlag, auch die drei Attentäter sind tot. Außerdem werden mindestens 147 Menschen verletzt. Die türkische Regierung vermutet den IS hinter dem Anschlag. Nähere Informationen und Berichte gibt es hier.

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