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Anschläge : Das blutige Ende der marokkanischen Idylle

  • -Aktualisiert am

Das Restaurant des „Spanischen Hauses” ist verwüstet Bild: dpa/dpaweb

Obwohl Marokko bislang von Terroranschlägen blieb, fanden fundamentalistische Gruppen immer mehr Zulauf. König Mohammed VI. muß sich an den bei seiner Thronbesteigung gemachten Versprechungen messen lassen.

          Die marokkanische Idylle schien vollkommen. Eine ganze Woche dauerten im Mai die Festlichkeiten nach der Geburt des Thronfolgers. Der junge König Mohammed VI. und seine schöne Frau Salma bewegten sich behutsam zwischen Tradition und Moderne. Zwei Lämmer wurden geschlachtet, als Prinz Mulay Hassan in den Kreis der "Rechtgläubigen" aufgenommen wurde. Für die Geladenen gab es Milch und Datteln. Zugleich erlaubte der König es aber wider alle fotoscheuen Gewohnheiten aus der Herrscherzeit seines Vaters, daß das Familienglück - und damit auch das Gesicht der "Mutter des Prinzen" - zum Zeichen symbolischer Offenheit aufgenommen werden durften. Der Fortbestand der Dynastie war gesichert. Eines Tages soll dieses Kind als Hassan III. und neunzehnter Monarch der Alawiden das nordafrikanische Königreich regieren.

          Nun ist die marokkanische Idylle erschüttert. Das Blutbad in Casablanca, der hundert Kilometer von der Hauptstadt Rabat entfernten Wirtschaftsmetropole des Landes hat nicht nur den "Dschihad" bis an den westlichen Eingang zum Mittelmeer getragen. Es hat zugleich den König, der am 21. August vierzig Jahre alt wird, drei Jahre nach der Thronbesteigung herausgefordert. Der saudische Extremist Usama Bin Ladin soll Marokko in seiner letzten Botschaft vor dem Irak-Krieg noch selbst auf die schwarze Liste jener islamischen Länder gesetzt haben, die verabscheuungswürdige "Häretiker" und, weil "von Amerika versklavt", ein legitimes Angriffsziel seien - so wie sein Heimatland Saudi-Arabien, dessen Hauptstadt Riad nur wenige Tage vor Casablanca von schweren Anschlägen erschüttert wurde.

          Verbündete der Amerikaner

          Daß die Anschläge von Riad und Casablanca von Angehörigen des von Usama Bin Ladin geleiteten Netzwerks Al Qaida ausgeführt, gar auf seinen direkten Befehl verübt worden sind, ist bisher freilich nur gemutmaßt, nicht nachgewiesen worden. Offenkundig ist nur, daß die Taten in beiden Fällen zeitlich koordinierte Selbstmordanschläge waren und damit dem Vorbild der von Bin Ladins Al Qaida ausgeführten Attentate vom 11. September 2001 auf New York und Washington gefolgt sind. Daß die Anschläge von Riad und Casablanca durch dieselben ideologischen Vorstellungen motiviert sind, gilt jedoch als sicher.

          Beiden Ländern gemeinsam ist, daß ihre Monarchien enge Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Die Anschläge lassen sich daher sowohl als Angriffe auf die eigenen Regimes als auch auf die mit ihnen verbündeten westlichen Länder, namentlich Amerika, verstehen, auch wenn in Marokko keine amerikanischen Ziele getroffen worden und keine Amerikaner zu Schaden gekommen sind. Die politischen Systeme der beiden Monarchien unterscheiden sich freilich stark voneinander: In Marokko gibt es leidlich demokratische Parlamentswahlen, für die das Land und sein König in Washington schon offiziell belobigt worden sind.

          Höchste Alarmbereitschaft in der Straße von Gibraltar

          Fast zehn Jahre war Marokko von Terroranschlägen verschont geblieben. Während im benachbarten Algerien die Auseinandersetzung zwischen der Regierung und radikalen Islamisten Tausende von Opfern forderte, Touristen verschleppt wurden und im vorigen Jahr auch in Tunesien zahlreiche Deutsche bei einem Anschlag auf eine Synagoge getötet wurden, war einer tödlichen Schießerei in zwei Hotels in Marrakesch im Jahr 1994 nichts Vergleichbares mehr gefolgt. Die marokkanische Polizei paßte auf und zerschlug im Frühling vergangenen Jahres auch eine nach ihren Angaben aus Saudis und Einheimischen zusammengesetzte Al-Qaida-Zelle, die Angriffe auf amerikanische und britische Schiffe in der Straße von Gibraltar geplant haben soll.

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