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Anschläge auf Flugzeuge vereitelt : „Massenmord unglaublichen Ausmaßes“

  • Aktualisiert am

Die Anti-Terror-Aktion läuft schon länger Bild: AFP

Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben schwere Terroranschläge auf Passagierflugzeuge verhindert. Attentäter hätten mehrere Maschinen auf dem Flug nach Amerika sprengen wollen, so Scotland Yard. 21 Verdächtige sitzen in Haft. Sollte Flüssigsprengstoff eingesetzt werden?

          Britische Anti-Terror-Spezialeinheiten haben nach Regierungsangaben Sprengstoffanschläge auf zahlreiche Passagierflugzeuge verhindert. Terroristen hätten mehrere Anschläge auf Flüge in die Vereinigten Staaten geplant, teilte Scotland Yard mit.

          Die Polizei beschrieb die geplanten Anschläge als versuchten „Massenmord unglaublichen Ausmaßes“. Nach bisherigen Erkenntnissen wollten die Täter Sprengstoff im Handgepäck in die Maschinen schmuggeln und während des Fluges zünden. Bei den Anschlägen sollten „erheblich“ viele Menschen getötet werden, sagte der britische Innenminister John Reid am Donnerstag im Fernsehen.

          21 Verdächtige in Haft

          Die britische Polizei hat nach eigenen Angaben im Großraum London und in Birmingham insgesamt 25 Tatverdächtige festgenommen, von denen vier wieder freigelassen wurden. Das sagte der stellvertretende Leiter von Scotland Yard Paul Stephenson am Donnerstag. Auf die Frage, ob es sich bei den Festgenommenen um britische Muslime handele, antwortete Stephenson: „Es geht hier nicht um eine besondere Gemeinde.“ Die Fahndung und die Ermittlungen befänden sich noch „in einem sehr frühen Stadium“. Den Festnahmen waren monatelange Ermittlungen der Polizei vorausgegangen.

          Innenminister Reid sagte, die geplanten Anschläge hätten eine „bedeutende Gefahr für Großbritannien und seine internationalen Partner“ dargestellt. Die behördliche Terrorwarnung sei in der Nacht auf die höchste Stufe gehoben worden. „Wir tun alles, um jeden weiteren Terroranschlag zu verhindern.“ Reid zeigte sich zuversichtlich, daß unter den verhafteten Verdächtigen „auch die Hauptverantwortlichen sind“.

          „Potentiell Tausende Opfer“

          Zugleich rief Reid die Bevölkerung dazu auf, Ruhe zu bewahren. Im Flugverkehr seien allerdings schwere Störungen durch unbedingt notwendige zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nicht zu vermeiden. Der Londoner Flughafen Heathrow wurde für Flüge aus Europa weitgehend gesperrt, auf allen britischen Flughäfen wurden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft. Passagiere dürfen bis auf weiteres kein Handgepäck mit sich nehmen, teilte British Airways mit. Mehrere Fluggesellschaften strichen Flüge nach London-Heathrow, darunter die Lufthansa und Air Berlin. (Siehe auch: Heathrow: Nervenzehrendes Geduldsspiel für Tausende Passagiere)

          In unbestätigten britischen Medienberichten war von mehreren Flugzeugen die Rede, die Terroristen nach dem Start in Großbritannien sprengen wollten. Dabei hätten Tausende Menschen getötet werden können. Ein ranghoher Vertreter der amerikanischen Regierung sagte, die Terroristen hätten Flugzeuge der amerikanischen Fluggesellschaften Continental Airlines, United Airlines und American Airlines auf dem Weg nach New York, Washington und Kalifornien im Visier gehabt. Die Passagiere hätten noch nicht in den Flugzeugen gesessen, aber ihr Reisetermin habe sehr nahe gelegen.

          Flüssiger Sprengstoff?

          Unter Berufung auf Sicherheitsexperten berichtete die BBC, bei den geplanten Anschlägen hätten Terroristen möglicherweise Flüssigsprengstoff einsetzen wollen. Die Bestandteile dafür hätten in unverdächtigen Verpackungen wie etwa für Haarwaschmittel an Bord gebracht und dann während des Fluges zusammengefügt werden sollen.

          Der britische Premierminister Tony Blair, der zurzeit in der Karibik Urlaub macht, informierte den amerikanischen Präsidenten George W. Bush telefonisch über die Entwicklung. Das teilte Blairs Büro am Donnerstag mit. Die Vereinigten Staaten sehen sich durch die vereitelten Anschläge „direkt bedroht“. (Siehe auch: Amerika vermutet Al Qaida hinter Anschlagsplan)

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