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Baerbock trifft Colonna : „Ihr seid euch ja auch nicht immer einig mit eurer besten Freundin“

Annalena Baerbock mit der französischen Ministerin für auswärtige und europäische Angelegenheiten, Catherine Colonna (links), und Teilnehmern eines deutsch-französischen Schulprojekts. Bild: dpa

Bei einem Treffen mit Schülern betonen Annalena Baerbock und Catherine Colonna die guten Beziehungen ihrer Länder – trotz verschiedener Positionen, zum Beispiel zur Atomenergie.

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          Nein, sie hätten keine Scherben aufzukehren, sagen Annalena Baerbock (Grüne) und Catherine Colonna wie im Chor. Die beiden Außenministerinnen weisen den Eindruck weit von sich, dass in den vergangenen Wochen deutsch-französisches Porzellan zerschlagen wurde. Vergessen die kurzfristige Absage des Deutsch-Französischen Ministerrats in Fontainebleau, jetzt bereite man sich intensiv auf die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages vor, um diesen „würdig“ zu begehen, wie Ministerin Colonna betont. Verhallt auch die Mahnungen Präsident Macrons, dass „Deutschland sich isoliert“.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Ministerin Baerbock sagt, wie wenig es Wladimir Putin gelungen sei, Europa zu spalten und das gelte besonders für Paris und Berlin: „Wir stehen so eng zusammen wie nie zuvor.“

          Die beiden Außenministerinnen sind am Montagmorgen die Treppenstufen in die oberste Etage des Pariser Lycée Montaigne hinaufgestiegen, um die deutsch-französische Freundschaft zu feiern. Zwischen den beiden Frauen funktioniert die Kommunikation ganz offensichtlich, Baerbock spricht von „meiner Freundin Catherine“, Colonna bedauert, dass sie aus Angst vor der Konjugation der deutschen Verben („so schwierig!“) nie Deutsch gelernt hat.

          Schüler beschäftigen Meinungsverschiedenheiten

          Im Klassenzimmer warten schon Schüler der Abi-Bac-Klassen, die vormachen, dass es auch anders geht. Das Deutsch-Franözische Jugendwerk (DFJW) hat den Austausch im Rahmen eines Begegnungstages vorbereitet. Die Schüler stellen ihre Fragen abwechselnd in beiden Sprachen. Aber auch sie umtreibt die Frage, wie schlecht es um das deutsch-französische Verhältnis steht.

          Baerbock erläutert, dass die Meinungsverschiedenheiten zum Alltag gehören, „ihr seid euch beim Klamottenkauf ja auch nicht immer einig mit eurer besten Freundin“. Die Außenministerin findet, dass es für die Stärke der Demokratien spricht, dass Differenzen offen angesprochen werden. Zur Atomkraft gebe es „unterschiedliche Kulturen“, und es sei nicht sinnvoll, diese zu verschweigen.

          Aber dennoch ziehe man in der Energiepolitik an einem Strang. Colonna schildert, dass sie zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Ägypten gewesen ist, Baerbock war zum Abschluss dort. „Wir tauschen uns ständig aus“, sagt sie. „Wo warst du, wo war ich“, sie seien eigentlich ständig im Dialog, pflichtet Baerbock bei. Die Außenministerin beschreibt, dass Deutschland derzeit Gas aus Frankreich bezieht, während Deutschland Strom nach Frankreich liefere.

          Als sie sich direkt an die Schüler richtet und fragt, wo diese Verbesserungsbedarf in der deutsch-französischen Beziehung sehen, fällt ihnen zunächst nichts ein. Eine Schülerin meint, die Zusammenarbeit sei sehr eng und sehr gut. Etwas zögerlich verweist eine andere Schülerin auf den fehlenden Nachwuchs bei den Deutschlehrern, mehr als 70 Prozent der ausgeschriebenen Stellen sind in diesem Jahr in Frankreich unbesetzt geblieben. Colonna rät dazu, mehr für die deutsche Sprache zu werben, „je mehr Nachfrage es gibt, umso mehr Lehrer werden auch ausgebildet“.

          Baerbock äußert den Wunsch, dass die Schulen in beiden Ländern wieder mehr Schüleraustäusche organisieren. Denn wer glaubte, dass die Verständigung irgendwie „altmodisch“ sei, dem werde durch den Krieg jetzt bewusst, wofür Europa eigentlich da sei. „Und es schweißt natürlich mehr zusammen, wenn man sich gemeinsam auf eine Klassenarbeit vorbereitet hat, als wenn man Stunden zusammen bei einem EU-Ministerrat gemeinsam verbringt“, sagt sie. Die Frage von Krieg und Frieden sei wieder ein Thema für die junge Generation.

          Es ist auch das Thema des Tages für die beiden Ministerinnen, die sich bei einer internationalen Unterstützerkonferenz konkrete Winterhilfen für Moldau organisieren wollen. Die erste Hilfskonferenz wurde in Berlin organisiert, jetzt hat Paris die Initiative übernommen.

          Die Hilfe für die Republik Moldau sei deshalb so wichtig, weil Putin in dem nur etwa 2,6 Millionen Einwohner zählenden Land die europäische Widerstandsfähigkeit an der Ost-Flanke teste. Ziel sei es zu verhindern, dass der EU-Beitrittskandidat Moldau unter dem Druck Moskaus nachgeben müsse. Deshalb wollen Deutschland und Frankreich gemeinsam mit dem Nachbarland Rumänien konkrete Hilfen bei der Energieversorgung organisieren.

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