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Baerbock in Indien : Mobilitätspartnerschaft zwischen Berlin und Neu Delhi

Außenministerin Baerbock in einer E-Rikscha in Delhi Bild: Reuters

Außenministerin Baerbock wirbt bei ihrem Besuch um verstärkte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien. Und sie lobt die indische Haltung zum Ukrainekrieg.

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          Deutschland wirbt mit Zusagen für schnellere Visabearbeitung und mit Zuschüssen zur Förderung umweltfreundlicher Energieerzeugung um eine Verstärkung der deutsch-indischen Zusammenarbeit. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) unterzeichnete bei ihrem Besuch in Neu Delhi ein Abkommen zur Erleichterung von „Mobilität und Migration“ zwischen beiden Ländern.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Baerbock reiste zum Ende der deutschen Präsidentschaft im Kreis der wichtigsten westlichen G-7-Staaten nach Indien, das gerade den Vorsitz im größeren Kreis der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer übernommen hat. Die Ministerin bewertete Indien als einen „natürlichen Partner“ Deutschlands; sie sagte, „als aufstrebende Wirtschaftsmacht und gefestigte Demokratie“ sei es trotz aller gesellschaftlicher Herausforderungen im Inneren „sowohl Vorbild als auch Brückenbauer für viele Länder der Welt“.

          Baerbock wies auf die außenpolitischen Indopazifik-Leitlinien der Bundesregierung hin, die noch zur Zeit der Großen Koalition vor fast zwei Jahren als außenpolitische Grundlage beschlossen worden waren und die ein größeres wirtschaftliches, aber auch sicherheitspolitisches Engagement in der süd- und ostasiatischen Region anregen sollen. Diese Absichten haben durch den russischen Aggressionskrieg und den jüngsten Kurs Chinas eine höhere Dringlichkeit bekommen.

          Baerbock im Gespräch mit einer Inderin in der Küche eines Tempels in Delhi
          Baerbock im Gespräch mit einer Inderin in der Küche eines Tempels in Delhi : Bild: AP

          Baerbock verneinte nach den Gesprächen mit ihrem indischen Kollegen die Frage, ob Indien jetzt China als Partner ersetzen solle. Es gelte vielmehr, die schon lange bestehende Partnerschaft „zu vertiefen und auszuweiten“. Baerbock fügte hinzu, Indien sei allerdings nicht nur „Wirtschaftspartner, sondern auch Wertepartner“ für Deutschland.

          Schon vor ihrer Unterredung hatte Baerbock die Haltung Indiens im Ukrainekrieg gelobt. Die klarere Haltung, welche die G-20-Staaten auf ihrem jüngsten Gipfeltreffen in Indonesien zum russischen Angriffskrieg eingenommen hätten, sei letztlich auch Indien zu verdanken. Der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar wiederholte nach dem Gespräch einerseits die Formel, es sei gegenwärtig „keine Ära für Kriege“, die als Abgrenzung gegenüber dem russischen Regime ausgelegt wird; er verteidigte andererseits aber die stark gestiegenen indischen Erdöleinfuhren aus Russland. Die europäischen Länder hätten über viele Jahre hinweg weitaus mehr Energielieferungen aus Russland bezogen, als Indien es jetzt tue, sagte Jaishankar.

          Partner bei Bekämpfung des Klimawandels

          Baerbock besuchte in Delhi die Visumstelle der deutschen Botschaft als Geste der Anerkennung für die Arbeitsbelastung der dortigen Mitarbeiter. Dort hatte sich ein Rückstau in Höhe einer sechsstelligen Zahl von Anträgen aufgebaut, der in den vergangenen Monaten abzutragen war; eine weitere Steigerung der Antragszahlen wird jedoch erwartet.

          Jaishankar sagte, er hoffe, dass die „Herausforderungen“ bei der Visa-Erteilung jetzt angegangen würden, damit der Berg noch nicht beschiedener Anträge abgebaut werden könne. Die bilaterale Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland könne noch „sehr stark wachsen“.

          Baerbock beteuerte, die deutsche Regierung wolle Delhi auch als Partner bei der Bekämpfung des Klimawandels zur Seite stehen. Im nächsten Jahr stelle Berlin eine Milliarde Euro für Vorhaben zur emissionsfreien Energieerzeugung in Indien zur Verfügung, bis zum Jahr 2030 sollen es zehn Milliarden Euro sein. Das Ziel sei, Indien dabei zu helfen, die weitere Elektrifizierung des Landes direkt aus erneuerbaren Energiequellen zu bestreiten, statt zunächst fossile Brennstoffe einzusetzen.

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