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Anja Niedringhaus : Deutsche Fotografin in Afghanistan erschossen

  • Aktualisiert am

Anja Niedringhaus Bild: Wolfgang Eilmes

Die deutsche Kriegsfotografin Anja Niedringhaus ist im Osten Afghanistans erschossen worden. Eine kanadische Journalistin wurde verletzt. Beide Frauen arbeiteten für die Nachrichtenagentur AP.

          2 Min.

          Die deutsche Kriegsfotografin und Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus ist in Ostafghanistan erschossen worden. Bei dem Angriff wurde auch eine kanadische Journalistin schwer verletzt. Beide Frauen arbeiteten für die Nachrichtenagentur AP.

          Ein Polizist habe das Feuer auf das Auto eröffnet, in dem die beiden saßen, teilte AP mit. Die 48 Jahre alte Niedringhaus sei sofort tot gewesen. Die 60 Jahre alte Kathy Gannon wurde nach AP-Angaben von zwei Schüssen getroffen. Sie werde medizinisch versorgt und sei bei Bewusstsein.

          „Als sie in ihren Auto saßen und auf die Abfahrt des Konvois warteten, kam ein Kommandeur namens Nakibullah zu ihrem Wagen, rief ’Allah Akbar’ - Gott ist groß - und eröffnete das Feuer auf sie auf dem Rücksitz“, beschrieb AP den Tathergang unter Berufung auf einen freien Mitarbeiter, der den Anschlag miterlebte. Der Täter habe sich anschließend seinen Polizeikollegen gestellt und sei festgenommen worden. Die afghanischen Behörden bestätigten die Zugehörigkeit des Angreifers zur Polizei und dessen Festnahme.

          Die beiden Journalistinnen waren in der östlichen Provinz Chost unterwegs, um von dort über die Vorbereitung der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am Samstag zu berichten. Im Vorfeld des Urnengangs hatten die radikalislamischen Taliban ihre Angriffe. im Land verstärkt Sie drohten damit, die Wahl eines Nachfolgers für Staatschef Hamid Karsai zu boykottieren und gewaltsam zu stören.

          Nun wiesen die Taliban jede Verantwortung für den Mord zurück. Die Bundesregierung hat sich in den Fall eingeschaltet. Die deutsche Botschaft in Kabul sei „mit Nachdruck um Aufklärung bemüht“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.

          Pulitzer-Preis für Niedringhaus

          Niedringhaus war die wohl bekannteste deutsche Kriegsfotografin. Sie hatte seit dem Jahr 2002 für AP gearbeitet. Sie war für die Agentur unter anderem im Nahen Osten, im Irak, in Pakistan und in Afghanistan im Einsatz. Im Jahr 2005 gewann sie mit einem AP-Fotografenteam den Pulitzer-Preis für ihre Berichterstattung aus dem Irak. Neben der Kriegs- und Krisenbeichterstattung widmete sie sich zudem Sportgroßereignissen und fotografierte unter anderem bei Olympischen Spielen.

          Erst vor einigen Wochen wurde ein prominenter afghanischer Journalist der Nachrichtenagentur AFP bei einem Anschlag auf ein Luxushotel im Zentrum der Hauptstadt Kabul getötet. Im Vorfeld der Präsidentenwahl an diesem Samstag stieg die Zahl der Angriffe stark an. Seit 2002 wurden nach Angaben von Reporter ohne Grenzen mindestens 19 Journalisten in Afghanistan getötet. Vor allem im Süden und Osten des Landes seien sie gefährdet.

          Für ihre bewegenden Bilder aus dem Irak-Krieg gewann Anja Niedringhaus 2005 den Pulitzer-Preis. In dieser Slideshow für FAZ.NET erinnerte sich die Fotografin 2009 noch ihre Einsätze in dem Golf-Staat.

          Lebensgefährliche Arbeit

          Seit Beginn der ISAF-Mission im Jahr 2001 wurden in Afghanistan zahlreiche Reporter westlicher Medien getötet. Ein Überblick:

          2014

          Am Abend des 21. März wird der AFP-Reporter Sardar Ahmad bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban im Kabuler Luxushotel „Serena“ erschossen. Insgesamt sterben neun Menschen, darunter auch Ahmads Frau und zwei seiner drei Kinder.
            
          Am helllichten Tag des 11. März wird der schwedisch-britische Reporter Nils Horner im Zentrum von Kabul in der Nähe eines Restaurants von Unbekannten erschossen. Er war für den schwedischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Korrespondent in Afghanistan im Einsatz.
           

          2010

          Der britische Reporter Rupert Hamer von der Wochenzeitung „Sunday Mirror“ wird am 9. Januar bei der Explosion eines Sprengsatzes im Süden Afghanistans getötet. Er hatte zusammen mit einem Kollegen, der bei dem Anschlag verletzt wurde, eine amerikanische Patrouille begleitet.
           

          2009

          Am 30. Dezember wird die kanadische Reporterin Michelle Lang von der Zeitung „Calgary Herald“ bei der Explosion eines Sprengsatzes im südlichen Kandahar getötet. Mit ihr sterben vier kanadische Soldaten.

          2008

          Am 7. Juni wird BBC-Reporter Abdul Samad Rohani aus der südlichen Unruheprovinz Helmand verschleppt und tags darauf erschossen aufgefunden. Zu der Tat bekennt sich niemand. Die Taliban aber teilen mit, sie hätten örtlichen Gruppen dabei geholfen, den Reporter aufzuspüren.
           

          2006

          Am 7. Oktober erschießen Unbekannte im Norden von Afghanistan die beiden Deutschen Karen Fischer und Christian Struwe, zwei freie Mitarbeiter der Deutschen Welle, nachts in ihrem Zelt. Die Reporterin und der Techniker waren auf dem Weg in die Provinz Bamijan, um an einer Geschichte über die dortigen historischen Stätten zu arbeiten.
           

          2001

          In der Nacht zum 27. November wird der schwedische Kameramann Ulf Strömberg von maskierten Jugendlichen in einem Haus in Talokan im Norden des Landes erschossen, wo er mit Kollegen übernachtet. Strömberg arbeitete seit 1998 für den Sender TV4.
            
          Am 19. November werden vier Journalisten auf einer Straße zwischen Dschalalabad und der Hauptstadt Kabul angegriffen und getötet: Die italienische Kriegsreporterin Maria Grazia Cutuli von der Tageszeitung „Corriere della Sera“, der spanische „El Mundo“-Reporter Julio Funtes sowie der australische Kameramann Harry Burton und der aus Afghanistan stammende Fotograf Asisullah Haidari, die für die Nachrichtenagentur Reuters arbeiteten. Später teilte das Rote Kreuz mit, dass wahrscheinlich Taliban die Gruppe töteten. Demnach wurden sie gesteinigt und von mehreren Kugeln getroffen.
            
          Am 11. November geraten der „Stern“-Reporter Volker Handloik sowie der französische RTL-Reporter Pierre Billaud und die Reporterin Johanne Sutton von Radio France Internationale (RFI) an der Nordostfront in einen Hinterhalt der Taliban. Die drei Journalisten werden später tot aufgefunden.

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