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Drohungen aus Nordkorea : Es wird wieder gefährlich

Selbstinszenierung in weiß: Das Foto, das von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellt wurde, soll Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un auf dem höchsten Berg des Landes zeigen. Bild: dpa

Nordkorea baut an seiner Drohkulisse: Mit Raketentests und einer neuen strategischen Ausrichtung sorgt Machthaber Kim Jong-un für Spekulationen – und setzt Amerika unter Druck.

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          Im Atomkonflikt mit Nordkorea stehen die Zeichen auf Eskalation. Seit Tagen sendet das Regime in Pjöngjang immer neue Signale an Washington, die auf ein mögliches Ende des Testmoratoriums für Atomwaffen und Interkontinentalraketen hindeuten – oder zumindest damit drohen sollen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der jüngste Wink mit dem Zaunpfahl war am Sonntag eine Mitteilung der Akademie für nationale Verteidigungsforschung. Nordkorea habe auf einem Testgelände für Raketenantriebe einen „sehr wichtigen Test“ durchgeführt, verkündete die Akademie laut der Nachrichtenagentur KCNA. Die Ergebnisse seien dem Zentralkomitee der Arbeiterpartei übermittelt worden und hätten „entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der strategischen Position“ des Landes, die „in naher Zukunft einmal mehr“ erfolgen werde, sagte der Sprecher der Akademie.

          Eine Sitzung des Zentralkomitees zur Besprechung „wichtiger Angelegenheiten“ ist für die zweite Dezemberhälfte angekündigt. Mit einem symbolisch aufgeladenen Ausritt auf den Berg Paektu hatte Kim Jong-un in der vergangenen Woche die Erwartung genährt, dass er bald eine strategische Neuausrichtung bekanntgeben könnte.

          Ein persönliches Signal für Trump

          Der Test fand nach nordkoreanischen Angaben auf dem Militärgelände Sohae an der Westküste statt. Es hat zwei zentrale Funktionen für das Raketenprogramm des Landes: Zum einen diente das Gelände 2012 und 2016 als Rampe für drei Satellitenstarts. Zum anderen befindet sich hier eine Testanlage für Antriebe, die in Nordkoreas modernsten Interkontinentalraketen verbaut wurden. Südkoreas Militär zufolge wurde am Sonntag von Sohae aus kein Geschoss abgefeuert.

          Denkbar wäre, dass im überdachten Teil des Geländes ein neuer Antrieb getestet wurde, der beim Abschuss einer Interkontinentalrakete zum Einsatz kommen könnte. Nordkorea verstieße damit nicht nur gegen UN-Resolutionen, sondern auch gegen das von Kim Jong-un im April 2018 verkündete Moratorium. Damit drohte eine Rückkehr zu der Eskalationsspirale von 2017, die die Region an den Rand einer militärischen Konfrontation gebracht hatte. Ein Ende des Moratoriums setzte Donald Trump unter Zugzwang. Er hatte den Teststopp für Atomwaffen und Langstreckenraketen stets als wichtigsten Erfolg seiner Atomdiplomatie dargestellt.

          Die mutmaßlichen Aktivitäten in Sohae sind auch ein Signal an den amerikanischen Präsidenten persönlich: Die Anlage war im vergangenen Jahr kurzzeitig Gegenstand der Atomgespräche. Trump hatte nach seinem ersten Treffen mit Kim Jong-un im Juni 2018 berichtet, dieser habe die Zerstörung einer „bedeutenden Raketenantriebstestanlage“ zugesagt. Tatsächlich waren anschließend auf Satellitenaufnahmen Abbaumaßnahmen in Sohae zu sehen, die jedoch später rückgängig gemacht wurden.

          Die jüngsten Drohbotschaften stehen alle im Zusammenhang mit einem Ultimatum, das Kim Jong-un im April gestellt hatte. Darin hatte er die Amerikaner nach dem ergebnislosen Gipfel von Hanoi aufgefordert, bis Ende des Jahres ein neues Verhandlungsangebot vorzulegen. Andernfalls werde es „gefährlich“. Um den Druck zu erhöhen, verkündete Nordkoreas UN-Botschafter Kim Song am Samstag, man habe kein Interesse mehr an „länglichen Gesprächen mit den Vereinigten Staaten“. Auch sei eine atomare Entwaffnung Nordkoreas „schon vom Verhandlungstisch verschwunden“.

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