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Digitaler „Magacoin“ : Eine eigene Währung für Trump-Anhänger?

  • -Aktualisiert am

Mögliche Zielgruppe des „Magacoins“: Trump-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung des damaligen Präsidenten in Lansing im Oktober 2020 Bild: dpa

Anhänger von Donald Trump haben eine digitale Währung geschaffen: den „Magacoin“. Noch liegt sein Wert bei null. Der Zweck indes scheint klar. Trump-Loyalisten sollen im Wahlkampf damit unterstützt werden.

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          Die digitale Währung für Trumpisten soll es sein: „Magacoin“ ist angeblich eine neue Kryptowährung analog dem Bitcoin – nur, dass ihr einziger Daseinszweck Donald Trump und dessen Favoriten bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr sind. „Maga“ steht für „Make America Great Again“, Trumps Wahlkampfspruch. Insgesamt sollen schon 75 Millionen „Magacoin“ produziert worden sein. Kryptowährungen werden durch einen als „Mining“ (Schürfen) bezeichneten Prozess hergestellt, bei dem Computer kryptografische Aufgaben lösen. Ihr Wert entsteht durch die Kursbildung zur herkömmlichen Geldwährung. Die erste Kryptowährung war Bitcoin. Ein Bitcoin ist zur Zeit rund 28.800 Euro wert.

          „Magacoin“ ist bislang noch nicht auf einer der Tracking-Plattformen für Kryptowährungen gelistet und ist keine offiziell gehandelte Kryptowährung – ein „Initial Coin Offering“ (ICO) wurde nicht angekündigt. Deswegen kann es sich letztlich auch um einen Werbegag handeln, bei dem Spender zwar eine Bescheinigung über „Magacoins“ erhalten, aber keine wirklich Kryptowährung gehandelt wird. Eins ist sicher: „Magacoin“ soll dabei helfen, Wahlkämpfe zu gewinnen. Und die Idee einer eigenen Währung nährt für Trump-Enthusiasten die Hoffnung, sie könnten sich gleichsam unabhängig von allem machen, was außerhalb der eigenen politischen Blase passiert.

          Mehrheit soll Coins gratis erhalten haben

          Donald Trump hatte schon vor Monaten davon gesprochen, ein eigenes soziales Netzwerk aufzubauen, nachdem er von Twitter und anderen Plattformen verbannt worden war. Der Versuch namens Gettr scheiterte kläglich. Ob Trump nun die Pseudowährung unterstützt, ist unbekannt. Bitcoin hatte er kürzlich als möglichen „Betrug“ bezeichnet. Auf der „Magacoin“-Webseite heißt es, man habe die vermeintliche Kryptowährung aus „Frustration“ über den Wahlausgang 2020 ins Leben gerufen. Inzwischen seien 75 Millionen Coins produziert worden, denn diese Zahl repräsentiere die „75 Millionen Wähler, die am 3. November 2020 entrechtet“ worden seien. Die rechte Webseite „Big League Politics“ bezeichnete „Magacoin“ als eine Zahlungsmöglichkeit, mit der man Trump-treue Unternehmen und Politiker unterstützen könne „ohne ein finanzielles Instrument zu nutzen, von dem die Globalisten profitieren“.

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          Mehr als tausend Trump-Anhänger, darunter Politiker und Medienvertreter, sollen bereits „Magacoin“ geordert haben. Und es dauerte nicht lange, da hatte die angebliche neue Kryptowährung schon Probleme. Die Adressen und persönlichen Informationen hunderter Interessenten wurden durch ein Datenleck bekannt. Wie die Zeitung „The Guardian“ berichtete, wurde die „Magacoin“-Internetseite gehackt. Aus dem Leak sei ersichtlich, dass der Großteil der „Magacoins“ an Marc Zelinka gegangen sein sollen, einen Politikberater und Trump-Loyalisten, der sich als Erfinder der Fan-Währung beschreibt. Bekannte rechte Persönlichkeiten, etwa Radio-Talker, sollen laut Medienberichten Tausende Gratis-Coins erhalten haben. Wer sich für „Magacoin“ registriert, bekommt zur Zeit 100 Coins gratis – laut dem „Hacktivist“, der seine Informationen mit dem „Guardian“ teilte, sollen die Mehrheit der Kunden lediglich über diese hundert Coins verfügen, also nichts bezahlt haben.

          Trump-Gegner amüsieren sich

          Ob echte Kryptowährung oder Wahlkampf-Gimmick: Der Zweck der „Magacoins“ ist die Wahlkampffinanzierung. Reilly O'Neal, ein Trump-Enthusiast und Politikberater, rief mehrere „Political Action Committees“ (PAC) ins Leben, die er mit „Magacoin“ finanzieren will. O'Neals Firma „Tidewater Strategies“ unterstützte bereits in früheren Wahlkämpfen republikanische Kandidaten, die hinter Trump standen – er war auch an der gescheiterten Senatskampagne des ehemaligen Richters Roy Moore für die Nachwahl in Alabama im Jahr 2017 beteiligt. Die PACs sollen Trump-treue Kandidaten bei den im kommenden Jahr anstehenden Kongresswahlen unterstützen.

          Insgesamt 12 Millionen „Magacoin“ sollen inzwischen allein in den „Magacoin Victory Fund“ geflossen sein – wie viel das in Dollars wäre, ist unklar. Ob sich der Wert der „Coins“ ähnlich dramatisch vergrößern lässt wie der eines Bitcoin, muss sich erst zeigen. Bis dahin haben Trump-Gegner im Netz viel Spaß mit der Idee. „Weiß irgendjemand, ob man Anwaltskosten und Strafen für Steuerhinterziehung und das Eindringen in Bundes-Eigentum in Magacoin bezahlen kann?“ fragte ein Reddit-User.

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