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Angst vor Brexit : Stärkere Grenzkontrollen als geschäftliches und privates Risiko

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Er würde wohl auch mit „Nein“ stimmen: Ein Brexit-Gegner vor dem Parlament in London Bild: dpa

Die britische Industrie fürchtet Verzögerungen im Warenhandel nach dem Brexit. Derweil stellen immer mehr Briten Einbürgerungsanträge in EU-Ländern. Das Parlament in London soll nächste Woche über das Abkommen abstimmen.

          Mehr als drei Viertel aller britischen Industriebetriebe fürchten Verzögerungen im Warenhandel durch verstärkte Grenzkontrollen nach dem Brexit. 76 Prozent der befragten Firmen sähen darin ein Risiko für ihr Geschäft, teilte der Industrieverband EEF am Montag mit.

          Viele Details des EU-Austritts Ende März sind  noch immer unklar, was Unternehmen die Planung erschwert. Der Industrieverband verwies unter anderem auf stärkere Schwankungen an den Devisenmärkten sowie höhere Beschaffungskosten als konkrete Belastungen.

          Der für Ende März geplante Austritt aus der Europäischen Union verunsichert zahlreiche Briten. Sie fürchten insbesondere ökonomische Nachteile bei einem EU-Austritt ohne Abkommen.

          Run auf EU-Pässe

          Angesichts des bevorstehenden Brexits ist die Zahl der Einbürgerungsanträge von Briten in vielen EU-Ländern erheblich gestiegen. Das gilt unter anderem für Deutschland, Irland, Portugal und Schweden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Der Run der Briten auf die Pässe aus anderen Ländern setzte mit dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 ein. Die einzelnen EU-Staaten legen die Hürden für die Einbürgerungen unterschiedlich hoch.

          Die britische Premierministerin Theresa May appellierte wieder an das Parlament, für das Brexit-Abkommen zu stimmen. Andernfalls drohten wirtschaftliche Schäden und das Vertrauen in die Demokratie würde schwinden. Großbritannien stehe vor einer „tiefgreifenden  Herausforderung“, schrieb May in der Zeitung „Mail on Sunday“.

          Die Regierungschefin bestätigte am Sonntag in einem BBC-Interview,  dass die Abstimmung im Parlament voraussichtlich am 14. oder 15. Januar sein werde. Bislang war meist etwas allgemeiner von der dritten Januarwoche die Rede. Die Parlamentarier werden ab Mittwoch wieder über das zwischen May und Brüssel ausgehandelte Abkommen debattieren.

          Eine Mehrheit für das Abkommen ist aber immer noch nicht in Sicht. Ursprünglich war die Abstimmung schon am 11. Dezember geplant. May hatte den Termin aber wegen der sich abzeichnenden Niederlage verschoben. Bei einer ungeregelten Trennung von der EU am 29. März drohen Großbritannien chaotische Verhältnisse in vielen Bereichen.

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