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Angriffe in Ost-Ghouta : Ein unmenschlicher Feuersturm

Nach dem Bombenhagel: Zivilisten inspizieren am Freitag die Überreste einer Rakete in Ost-Ghouta. Bild: Reuters

Syrien bombardiert seit Tagen mit russischer Hilfe Ost-Ghouta. Krankenhäuser werden gezielt angegriffen. Und ein Angriff mit Bodentruppen könnte bevorstehen.

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          Immer mehr Verwundete, immer weniger Verbandszeug“. Auf diese Formel bringt es Dr. Abdul Kader Schami, einer der Ärzte, die in belagerten Vorstädten im Osten von Damaskus zu retten versuchen, was zu retten ist. Aber es wird immer schwierige, je länger das Bombardement andauert. „Wir hätten so viele vor dem Tod bewahren können“, sagt er am Telefon. Dann zählt er Dinge auf, die er und die anderen Ärzte dringend benötigten, auf die sie aber nicht hoffen: „Blutkonserven, Serum, Operationsbesteck, Narkosemittel.“ Auch das Verbandszeug geht aus, von Medikamenten für Krebspatient oder Inkubatoren für Frühgeborene, die unter der Erde auf die Welt kommen, ganz schweigen. Sechs Tage dauert die Offensive des syrischen Regimes schon an. „Die Menschen erleiden Verletzungen, die ich noch nie gesehen habe“, sagt ein anderer Arzt.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Zivilisten in der Ost-Ghouta genannten Gegend sind unter Dauerbeschuss mit Fliegerbomben, Granaten und geächteten Fassbomben, die ganze Häuser dem Erdboden gleichmachen und durch die ein tödlicher Hagel von Metallsplittern und Nägeln niederprasselt. Die Menschen leben unter der Erde, verbringen ihre Tage hungrig in kalten Schutzkellern, trinken schmutziges Wasser. Manche sprechen schon vom sicheren Tod, warten darauf, dass auch am Boden der Sturm beginnt.

          Luftangriffe des Regimes gehörten zum Alltag

          Früher war die Ghouta ein idyllischer Ort mit fruchtbarem Boden, bewässert vom Barada-Fluss. Dann entstanden dort triste Satellitenstädte aus klobigen Zweckbauten, in denen vernachlässigte, konservative Sunniten lebten. Viele einfache Handwerker kommen aus Orten wie Douma. Im Zuge der Herrschaft von Baschar al Assad in mehrte sich ihre wirtschaftliche Not. Sie griffen früh zu den Waffen. Seit fünf Jahren belagern die Truppen von Assad die von islamistischen Brigaden kontrollierten Vorstädte. Im August 2013 schlugen dort in mehreren Orten mit dem Nervengas Sarin bestückte Raketen ein. Alles deutete auf die syrische Armee. Der damalige Präsident Barack Obama machte seine Drohung, einen militärischen Vergeltungsschlag zu führen, nicht wahr. Luftangriffe des Regimes gehörten zum Alltag, denn sie waren Teil eines Abschreckungswettbewerbs mit ungleichen Mitteln. Immer wenn Rebellen Granaten auf Wohnviertel von Damaskus abschossen, stiegen die Bomber der syrischen Luftwaffe auf.

          Jetzt will das Regime den Aufstand im Umland der Hauptstadt offenbar mit aller Macht beenden. In Damaskus hatte der Unmut über den Granatbeschuss durch die Aufständischen immer weiter zugenommen. Viele Anhänger des syrischen Präsidenten jubeln über den Bombenhagel in den aufständischen Vorstädten.

          „Ich verspreche, ich werde ihnen eine Lektion in Kampf und Feuer erteilen“, hat Assads berühmtester Heerführer in einem Propagandavideo gedroht. Suhail al Hassan, der „Tiger“ genannt, hat seine Eliteeinheit an die Ghouta-Front verlegt. Die „Tiger Forces“ sind die wohl kampfstärkste Truppe der ausgezehrten syrischen Streitkräfte. Sie sind berüchtigt für ihre Brutalität. „Ihr werdet keinen Retter finden“, drohte Shuhail al Hassan weiter. „Und wenn ihr einen findet, dann werdet ihr mit Wasser gerettet, das kochendem Öl gleicht. Ihr werdet mit Blut gerettet.“ Einiges deutet darauf hin, dass der Sturm mit Bodentruppen nicht mehr lange auf sich warten lässt. Westliche Militärbeobachter und Sprecher von Rebellenbrigaden aus der Ghouta berichten übereinstimmend, dass das Assad-Regime Truppen von anderen Fronten abgezogen und in die Umgebung der Hauptstadt verlegt hat – Flugzeuge und Hubschrauber aus der Provinz Hama, Milizionäre aus der nordwestlichen Provinz Idlib, ebenso Kräfte aus der ostsyrischen Provinz Deir el Zor.

          Aber vor der Bodenoffensive werden die Zivilisten flächendeckend aus der Luft bombardiert. Den Feuersturm der vergangenen Tage, den die Menschen als die „Hölle auf Erden“ bezeichnen, beschreiben Assads Haussender als „Vorbereitungen“. Diese bestehen unter anderem darin, gezielt die medizinischen Einrichtungen anzugreifen. Solche zivile Infrastruktur soll zertrümmert werden, heißt es sowohl von Hilfsorganisationen, die örtliche Einrichtungen unterstützen, als auch von westlichen Diplomaten. Das ist ein wirkungsvolles Mittel, auf das Assad und seine Alliierten gerne zurückgreifen. Denn wo die Not der Zivilsten zunimmt, steigt auch der Druck auf die bewaffneten Gruppen an der Macht.

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