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Angriff auf Tanker vor Oman : Vieles deutet auf Sabotage

Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (IRIB News) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie nach einem Angriff Rauch aus dem Öltanker „Front Altair“ aufsteigt. Bild: dpa

Im Golf von Oman sind offenbar zwei Tankschiffe einer deutschen und norwegischen Reederei angegriffen worden. Iran nennt den Vorfall suspekt, die Spannungen in der Region dürften zunehmen.

          Der Vorfall war kaum gemeldet, da hatte das iranische Regime schon den Wettkampf um die moralische Überlegenheit ausgerufen. „Uns ist der gemeldete Angriff auf Schiffe im Golf von Oman bekannt. Die Seestreitkräfte der Vereinigten Staaten in der Region erhielten zwei separate Notrufe um 6.12 Uhr Ortszeit (Bahrein) und einen zweiten um 7.00 Uhr. Schiffe der Marine der Vereinigten Staaten sind in der Region und leisten Hilfe“, lautete die knappe Mitteilung der amerikanischen Fünften Flotte, die in Bahrein stationiert ist, am Donnerstagmorgen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der iranische Staatssender „Press-TV“ tönte hingegen wenig später: „Während die amerikanische Marine behauptete, sie habe den Tankern geholfen, erreichte das iranische Rettungsschiff sie als erstes und rettete die Besatzung, die ins Meer gestürzt war und auf dem Wasser schwamm, um dem Feuer auszuweichen.“ Die iranische Nachrichtenagentur „Irna“ meldete, 44 gerettete Seeleute seien in einen iranischen Hafen gebracht worden. 

          Es blieb zunächst unklar, was genau geschehen war. Doch es deutet einiges auf Sabotage hin. Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BMS) teilte am Morgen nach Angaben der „Deutschen Presse-Agentur“ mit, der mit Methanol beladene Frachter „Kokuka Couragous“ sei im Zuge eines „Sicherheitszwischenfalls“ beschädigt worden. Sie machte aber keine weiteren Angaben, um was für eine Art von Zwischenfall es sich handelte.

          Die norwegische Seefahrtsbehörde meldete einen Angriff. Der unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Öltanker „Front Altair“ sei attackiert worden. Es habe drei Explosionen an Bord gegeben, das Schiff stehe in Flammen. Die Reederei bestritt Berichte, nach denen es gesunken sein soll.

          Der Vorfall erinnert stark an Sabotageakte, die in denselben Gewässern vor einem Monat verübt worden waren. Damals waren vier Frachter vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen worden. Vergangene Woche hatten die Emirate, Saudi-Arabien und Norwegen dem UN-Sicherheitsrat gemeinsam erste Ermittlungsergebnisse präsentiert und erklärt, dass wohl ein „staatlicher Akteur“ hinter den Angriffen stecke. Taucher seien von Schnellbooten abgesetzt worden und hätten Haftminen angebracht.

          Es gab schon einmal einen „Tankerkrieg“

          Auch wenn in der Erklärung nicht explizit gesagt wurde, welcher „staatliche Akteur“ gemeint war, war klar, dass es sich um Iran handelte. Der saudische UN-Botschafter sprach das auch wenig später offen aus. Zuvor hatten schon der amerikanische Nationale Sicherheitsberater John Bolton und der amerikanische Außenminister Mike Pompeo mit dem Finger auf Iran gezeigt. Teheran bestreitet, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Aber an den Beteuerungen des Regimes wird nicht nur in den Reihen seiner Gegner erheblich gezweifelt.

          Den aktuellen Fall bezeichnete das iranische Außenministerium als „suspekt“. Es ist in jedem Fall eine heikle Angelegenheit, denn die politische Lage in der Region ist extrem angespannt. Der Konflikt mit der Vereinigten Staaten und ihren Alliierten unter den arabischen Golfstaaten hat sich drastisch verschärft. Washington hat das Atomabkommen aufgekündigt, sein Sanktionsregime verstärkt und Truppen an den Golf verlegt, unter anderem einen Flugzeugträger sowie Bomber des Typs B-52.

          Es herrscht Sorge, es könnte zu einer unkontrollierbaren Eskalation kommen, die zu einer militärischen Konfrontation führt, die wiederum die gesamte Region erfassen könnte, auch wenn weder Iran, noch die Vereinigten Staaten, die Emirate oder Saudi-Arabien einen Waffengang anstreben. Über Pfingsten hatte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) versucht, die Spannungen auf dieser diplomatischen Großbaustelle zu entschärfen. Nach Einschätzung von Diplomaten und auch von irannahen Beobachtern versucht Teheran, Botschaften an seine Widersacher auszusenden, die ihnen ihre Verwundbarkeit deutlich machen – etwa durch Angriffe auf ihr Ölgeschäft.

          Der neue Vorfall im Golf von Oman, wer auch immer dahinterstecken mag, dürfte nicht dabei helfen, die Lage zu entspannen. In irannahen arabischen Nachrichtenportalen wurden schon Schlagzeilen veröffentlicht wie „Ein Krieg wird sicher stattfinden“. Es sind – politisch gesehen – verminte Gewässer: Ganz in der Nähe liegt die Straße von Hormuz, eine strategisch enorm wichtige Meerenge.

          Ein fünftel der Erdölexporte der Welt werden durch dieses Nadelöhr transportiert, etwa 19 Millionen Barrel am Tag. Die Meerenge verbindet Ölexporteure wie Saudi-Arabien mit den Schlüsselmärkten der Welt. Teheran hat gedroht, die Straße von Hormuz zu schließen. In den achtziger Jahren, als Iran und der Irak einander bekriegten und versuchten, die Ölausfuhr des jeweils anderen zu unterbinden, tobte dort schon einmal ein „Tankerkrieg“. 

          Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei nutzte den Morgen des Tanker-Vorfalls im Golf von Oman noch einmal für eine deutliche Botschaft an Amerika. Er empfing den japanischen Premierminister Shinzo Abe. Die iranische Nachrichtenagentur „Mehr“ berichtete, Abe habe gesagt, er sei gekommen, um eine Botschaft von Präsident Donald Trump zu überbringen. Chamenei habe demnach geantwortet: „Ich halte Trump nicht für würdig, Botschaften mit mir auszutauschen, und habe keine Antwort für ihn.“

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