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Angriff auf Separatisten in Slawjansk : Moskau: Armeeeinsatz führt Ukraine in Katastrophe

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Ukrainische Soldaten am Freitag auf der Straße vor Slawjansk Bild: AP

Russland wirft der Regierung in Kiew vor, der Einsatz der Armee gegen die Separatisten in der Ost-Ukraine werde von rechtsextremen Terroristen unterstützt. Verteidigungsministerin von der Leyen ist in großer Sorge um die in Slawjansk festgehaltenen OSZE-Militärbeobachter.

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          Der russische Präsident Wladimir Putin hat der ukrainischen Regierung vorgeworfen, mit dem Einsatz gegen prorussische Aktivisten die „letzte Hoffnung“ auf die Umsetzung des Genfer Abkommens zu vernichten. Die Führung in Kiew habe in den Kampfmodus geschaltet und greife friedliche Siedlungen an, sagte Putins Sprecher Dmitrij Peskow am Freitag nach Angaben russischer Agenturen. Er sprach von einer „Strafaktion“ der Regierungstruppen.

          Putin habe gewarnt, eine solche Operation sei ein Verbrechen. „Leider bestärkt die Entwicklung seine Einschätzung völlig“, sagte Peskow. Die Regierung in Kiew werde die „Verantwortung dafür unweigerlich tragen“, sagte Peskow weiter. Das russische Außenministerium sprach von einer Beteiligung von „Terroristen vom rechten Sektor und anderer ultra-nationalistischer Parteien“ bei dem „Vergeltungseinsatz“ gegen die prorussischen Milizen. Der Einsatz gegen das eigene Volk führe das Land in die „Katastrophe“.

          Separatisten melden mehrere Tote

          Unterdessen haben Regierungseinheiten nach Attacken auf Militärhubschrauber Angaben vier mutmaßliche Schützen festgenommen. Das Verteidigungsministerium in Kiew veröffentlichte Fotos von vier gefesselten Männern in Zivilkleidung mit über den Kopf gestülpten Säcken. Ein Bild zeigte eine Pistole und einen Ausweis der „Volksrepublik Donezk“, die moskautreue Kräfte in der russisch geprägten Region ins Leben gerufen haben. Nahe der ostukrainischen Stadt Slawjansk waren am Freitag zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen worden. Zwei Besatzungsmitglieder wurden getötet und weitere verletzt. Eine Maschine vom Typ Mi-8 wurde getroffen, konnte aber sicher landen.

          Ratlosigkeit angesichts der Eskalation in Slawjansk Bilderstrecke

          Die ukrainischen Regierungstruppen sollen bei ihrer Offensive in Slawjansk nach Angaben prorussischer Aktivisten nur wenige Straßen in Vororten der Großstadt eingenommen haben. „Den von Kiew kontrollierten Einheiten ist es nicht gelungen, die Stadt zu erobern“, sagte ein Sprecher der „Selbstverteidigungskräfte“ der Agentur Interfax. Die „Volksmiliz“ kontrolliere weiter die Stadt mit etwa 125.000 Einwohnern. Es seien ab und an noch Schüsse zu hören, aber groß angelegte Operationen gebe es nicht mehr. Zuvor hatte „Bürgermeister“ Ponomarjow noch gesagt, die Regierungstruppen hätten den Bahnhof eingenommen.

          Ukrainische Regierungstruppen hatten am frühen Morgen einen Angriff auf die prorussischen Milizen bei den Städten Slawjansk und Kramatorsk im Osten des Landes begonnen. Einheiten von Armee, Nationalgarde und Innenministerium hätten mehrere Kontrollpunkte der Separatisten unter ihre Kontrolle gebracht, schrieb Innenminister Arsen Awakow bei Facebook. Die „aktive Phase“ der antiterroristischen Operation habe um 4.30 Uhr morgens (Ortszeit) begonnen. Einsatzkräfte des Innenministeriums hätten neun Straßensperren von den prorussischen Aktivisten eingenommen und umstellten die Stadt nun in einem engen Ring. Die von Awakow als Terroristen bezeichneten Separatisten hätten gegen die Einsatzkräfte das Feuer eröffnet. Sie sollen nach seinen Angaben aus schweren Waffen und Granaten schießen.

          Offenbar wurden auch mehrere Separatisten getötet. Es gebe „mehrere Tote“ auf ihrer Seite, sagte ein Sprecher der moskautreuen Kräfte einem Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Genaue Zahlen nannte er nicht.

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