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Angriff auf Kreuzfahrtschiff : „Es war wie im Krieg“

  • Aktualisiert am

Piraten haben das Kreuzfahrtschiff „MS Melody” angegriffen Bild: ddp/ MSC Kreuzfahrten GmbH

Im Golf von Aden ist es Piraten gelungen, abermals den Frachter einer deutschen Reederei in ihre Gewalt zu bringen. Bei einer weiteren Attacke im Indischen Ozean auf das Kreuzfahrtschiff „MS Melody“ fielen Schüsse. An Bord sind auch 38 deutsche Passagiere.

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          Ein Piratenangriff auf hoher See im Indischen Ozean auf ein italienisches Kreuzfahrtschiff ist am Samstagabend durch Sicherheitskräfte an Bord des Schiffes vereitelt worden. Die „MS Melody“ mit rund 1000 Passagieren an Bord, darunter 38 Deutsche, und etwa 500 Besatzungsmitgliedern konnte ihre Fahrt in Richtung Jordanien fortsetzen, inzwischen im Schutz der internationalen Marinekräfte.

          Zuvor wurde im Golf von Aden ein Getreidefrachter eines deutschen Reeders von Piraten gekapert. Unter den Besatzungsmitgliedern des Frachters „Patriot“, der unter maltesischer Flagge fuhr, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes kein Deutscher. Er wurde rund 300 Kilometer südöstlich der jemenitischen Küstenstadt Muqalla überfallen.

          Piraten verlegen Angriffe aufs offene Meer

          Der Vorfall mit dem Kreuzfahrtschiff, das auf dem Weg von Südafrika nach Jordanien war, ereignete sich knapp 300 Kilometer nördlich der Seychellen. Er belegt, dass die - mutmaßlich somalischen - Piraten auf die Präsenz internationaler Kriegsschiffe am Horn von Afrika reagieren, indem sie ihre Angriffe immer weiter hinaus aufs offene Meer verlegen. Sie nutzen meist ihrerseits gekaperte hochseefähige Schiffe als „Mutterschiffe“. Von denen aus werden die kleinen Motorboote zu Wasser gelassen, mit denen sie ihre Angriffe dann durchführen.

          Die Deutsche Marine im Golf von Aden

          Der Kapitän der „MS Melody“, Ciro Pinto, sagte im staatlichen italienischen Rundfunk, er habe israelischen Sicherheitsleuten an Bord befohlen, zurückzuschießen, als sechs Piraten in einem kleinen Boot sein Passagierschiff angriffen. „Es war wie im Krieg“, sagte Pinto. Von der Brücke seien die Passagiere aufgefordert worden, in ihre Kabinen zu gehen und die Lichter zu löschen. Die Piraten hätten etwa 200 Schüsse aus ihren Kalaschnikow-Maschinenpistolen abgefeuert. Als sie versuchten, mit Hilfe einer Leiter an Bord zu klettern, hätten die Sicherheitsleute auch Feuerlöscher eingesetzt. Nach etwa fünf Minuten hätten die Piraten aufgegeben. Am Schiff entstand leichter Schaden; verletzt wurde niemand.

          Der Vorsitzende des Verbands Deutscher Reeder, Nöll, wurde von der Deutschen Presse-Agentur mit der Forderung zitiert, dass Marinekräfte schon tief im Indischen Ozean Begleitschutz anbieten. „Wir sehen, dass die Piraten ausweichen, dass sie flexibel sind. Wir sehen es als notwendig an, dass der Schutzschirm erweitert wird“, sagte Nöll. Außerdem müssten die Marineeinsätze der verschiedenen internationalen Organisationen und Staaten besser koordiniert werden. Ein Reedereivertreter sprach sich dafür aus, dass Piratenstützpunkte an der somalischen Küste direkt blockiert werden.

          Bundeswehr bestätigt Angriff auf Frachter

          Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam bestätigte, die Besatzung des gekaperten Getreidefrachter „Patriot“ habe der EU-Mission Atalanta am frühen Samstagmorgen (Ortszeit) gemeldet, ihr Schiff sei angegriffen worden. Seitdem sei der Kontakt abgebrochen. Es werde nach dem Frachter gesucht. Das Auswärtige Amt hatte die Angaben zunächst nicht bestätigt.

          Die „Patriot“ gehört der Hamburger Reederei Johann M.K. Blumenthal, wie aus der Website des Unternehmens hervorgeht. Ein Sprecher des ostafrikanischen Seefahrerhilfsverbandes in der kenianischen Hafenstadt Mombasa erklärte, es handle sich um einen Getreidefrachter mit 17 Besatzungsmitgliedern an Bord. Es war jedoch zunächst unklar, aus welchem Land die Matrosen stammten. Auch Ladung oder Route des Frachters waren nicht bekannt.

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