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Messerattacke : Angreifer von Marseille trat unter sieben Identitäten auf

  • Aktualisiert am

Polizisten vor dem Bahnhof Saint-Charles, an dem der Angreifer zwei Frauen mit einem Messer getötet hat Bild: Nogier/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Mann, der am Sonntag in Marseille zwei Frauen mit einem Messer umgebracht hat, ist polizeibekannt. Er hat wohl keine Aufenthaltserlaubnis – und wurde nur zwei Tage vor der Tat schon einmal festgenommen.

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          Der Messerangreifer von Marseille war schon zwei Tage vor der Attacke wegen eines anderen Delikts von der Polizei festgenommen worden und hat sich dabei als Tunesier ausgewiesen. Der Mann sei am Freitag wegen Ladendiebstahls in Lyon in Gewahrsam genommen worden, sagte der Antiterror-Staatsanwalt François Molins am Montag in Paris. Laut dem vorgelegten tunesischen Pass wäre er 29 Jahre alt. Die Ermittlungen seien dann aber eingestellt und der Mann am Samstag wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

          Die örtliche Präfektur sei „nicht in der Lage gewesen“, die Ausweisung des Mannes aus Frankreich anzuordnen, sagte Molins. Laut französischen Medienberichten soll der Mann keine Aufenthaltsberechtigung gehabt haben. Der prominente konservative Abgeordnete Eric Ciotti forderte vom Innenminister eine Erklärung, warum der Mann nicht festgehalten und abgeschoben wurde.

          Unter sieben Identitäten aufgefallen

          Molins Behörde hatte die Ermittlungen übernommen, nachdem der Mann am Sonntag am Bahnhof Saint-Charles zwei Frauen mit einem Messer umgebracht hatte. Die beiden Opfer waren Cousinen, wie der Staatsanwalt bestätigte. Laut Medienberichten sollen sie Anfang 20 gewesen sein.

          Der Angreifer wurde von Soldaten erschossen. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beanspruchte die Tat für sich. Ob es tatsächlich ein Terroranschlag war, blieb aber zunächst unklar. Molins begründete die Entscheidung, wegen Terrorverdachts zu ermitteln, mit dem Vorgehen des Mannes, der laut Zeugenaussagen auf Arabisch „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen hatte.

          Molins sagte, es werde nun überprüft, ob der in Lyon vorgelegte Pass echt sei. Der Mann war dem Staatsanwalt zufolge in der Vergangenheit unter sieben Identitäten aufgefallen. Den für Terrorismus zuständigen Behörden war er jedoch unbekannt. Er habe auch keine Vorstrafe gehabt. Nach der Festnahme am Freitag hatte der Mann angegeben, obdachlos in Lyon zu leben und Drogen zu konsumieren.

          Frankreich wird seit gut zweieinhalb Jahren von einer beispiellosen islamistischen Terrorserie erschüttert. 239 Menschen wurden seit Anfang 2015 ermordet, dabei ist die Attacke vom Sonntag nicht mitgerechnet.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Kondolenztelegramm an Präsident Emmanuel Macron „große Betroffenheit“. „Erneut wurden unschuldige Menschen zum Opfer einer barbarischen Attacke eines Einzelnen“, schrieb Merkel. Sie bleibe fest davon überzeugt, „dass unsere Freiheit und unsere Art des friedlichen und respektvollen Zusammenlebens stärker sind als jeder Hass“.

          Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, kündigte an, in der Nacht zum Dienstag aus Solidarität mit den Opfern der Attacken von Marseille und Las Vegas die Beleuchtung des Eiffelturms abzuschalten.

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