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Angola, Brasilien und Portugal : Väterliche Hilfe einer Tochter im Mutterland

  • -Aktualisiert am

Isabel dos Santos Bild:

Investoren aus Angola sind auf Schnäppchenjagd im schuldengeplagten Portugal. Portugals ehemalige Kolonie ist über Präsidententochter Isabel dos Santos bestens an der Lissaboner Börse investiert. Ähnlich verhält es sich mit Brasilien.

          Portugals neuer Ministerpräsident Pedro Passos Coelho ist zwar in Coimbra geboren, hat aber in Angola seine Kindheit verlebt. Dort arbeitete sein Vater als Arzt, bis er nach der „Nelkenrevolution“ von 1974 und der Unabhängigkeit der ehemaligen afrikanischen Kolonie mit seiner Familie zurückkehrte. Was bei dem bürgerlich-konservativen Politiker blieb, ist die persönliche Affinität zu Angola.

          Das nützt ihm in der Stunde der portugiesischen Schuldenkrise, denn wegen seines Ölreichtums ist Angola mehr als liquide. Investoren aus dem afrikanischen Land sind auf Schnäppchenjagd im alten „Mutterland“, das lauter Staatsunternehmen privatisieren muss.

          Besonders gut schaut Isabel dos Santos hin, die 37 Jahre alte älteste Tochter des seit 1979 regierenden Präsidenten José Eduardo dos Santos. Die publizitätsscheue Geschäftsfrau, die einst in London ein Ingenieurstudium absolviert hat, zählt schon zu den größten Aktionärinnen an der Lissabonner Börse. Sie ist an portugiesischen Banken, Telekommunikationsfirmen sowie Industrie- und Energieunternehmen beteiligt. Sie gilt als die größte private Investorin Angolas neben der staatlichen Ölgesellschaft Sonangol, welche die Wirtschaft des afrikanischen Landes bestimmt. Beide, die Präsidententochter und Sonangol, haben in Portugal inzwischen Beteiligungen im Wert von etlichen Milliarden Euro.

          In Angola aufgewachsen: Portugals Präsident Passos Coelho

          100.000 kürzlich ausgewanderte Portugiesen in Angola

          Damit ist Angola in kurzer Zeit an der Seite Brasiliens, des anderen Portugal eng verbundenen Landes, als zweite Stütze für die notleidende Wirtschaft der früheren Weltmacht zur See aufgerückt. Die Kaufgelegenheiten betreffen zur Zeit unter anderem ausgeweitete Beteiligungen an der erst teilprivatisierten staatlichen Energiegesellschaft Galp oder der Handelsbank BPN, die Portugal als eine Gegenleistung für den 78-Milliarden-Euro-Kredit von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds verkaufen muss.

          Früher arbeiteten die Angolaner für die Portugiesen; während ihres langen Bürgerkriegs flüchteten sie bis zum Jahr 2002 zu Zigtausenden auf die Iberische Halbinsel. Inzwischen aber leben in Angola nach Angaben des Lissabonner Außenministeriums schon rund 100.000 in den vergangenen zehn Jahren ausgewanderte Portugiesen. Auch Brasilien, das in den glänzenden portugiesischen Wachstumsjahren nach dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1986 zuhauf Arbeitskräfte nach Portugal entsandte, ist zum Ziel portugiesischer Gastarbeiter geworden.

          Der frühere brasilianische Präsident Lula da Silva hatte noch mit Hinweis darauf, dass portugiesische Unternehmen inzwischen in seinem Land mehr als zwanzig Milliarden Euro investiert hätten, seine Wirtschaft aufgerufen, in Portugal zu investieren und das Land als Tor nach Europa und Afrika zu nutzen. Ähnliche Argumente hört man inzwischen aus Angola.

          Coelho: Wir sind europäisches Bindeglied zu Angola und Brasilien

          Die alte Debatte, ob Portugal bei seinen ausländischen Unternehmungen „zwischen Brasilien und Angola wählen“ solle, ist von den finanzpolitischen Realitäten längst überholt. Weil der Investitions- und Kapitalbedarf rapide zugenommen hat und der Export portugiesischer Waren einer der wenigen Lichtpunkte im düsteren ökonomischen Panorama ist, geht es im Blick auf den lateinamerikanischen Riesen und den aufstrebenden Afrikanern um ein entschiedenes Sowohl-als-auch.

          Der neue portugiesische Außenminister Paulo Portas war kurz nach seinem Amtsantritt schon in Luanda und wusste zu berichten, dass man dort die Lissabonner Privatisierungspläne „intensiv verfolgt“. Regierungschef Passos Coelho empfahl kürzlich bei seinem Antrittsbesuch in Berlin sein Land als „europäisches Bindeglied“ zu den rasch wachsenden Schwellenländern Angola und Brasilien.

          Portugal, das durch die Abwanderung ganzer Industriebranchen das Hauptopfer der Erweiterung der Union geworden ist, blickt besonders hoffnungsvoll nach Angola, das inzwischen schon mehr als fünf Prozent seiner Warenausfuhr abnimmt - mehr als etwa die Vereinigten Staaten. João de Freitas e Costa, ein renommierter Anwalt mit Kanzleien in beiden Hauptstädten, drückte die verkehrte neue Welt so aus: „Wir müssen im Umgang mit Angola sehr bescheiden sein. Denn es ist, ob es uns gefällt oder nicht, eine Macht und Portugal nur ein kleines Land.“

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