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Angela Merkels erster G-8-Gipfel : Als deutsche Kanzlerin unter Führern

  • -Aktualisiert am

Gut beschirmt: Angela Merkel in St.Petersburg Bild: dpa

Eine Frau, die sich gegen Alpha-Tiere wie Kohl, Schäuble, Stoiber und Schröder durchgesetzt hat, läßt sich auch von Männern wie Bush und Putin nicht einschüchtern. Von Angela Merkels erstem G-8-Gipfel berichtet Nikolas Busse.

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          Dem Essen wird überraschend viel Aufmerksamkeit geschenkt auf Weltwirtschaftsgipfeln. Der französische Präsident Chirac schaffte es im vergangenen Jahr, ganz Schottland gegen sich aufzubringen, als er kurz vor Beginn des Treffens, das in einem Schloßhotel in den Highlands stattfand, bemerkte, nur finnisches Essen sei noch schlechter als schottisches. Die deutsche Bundeskanzlerin ist seit dem Wochenende auch um so eine Erfahrung reicher.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Im prachtvollen Konstantin-Palast bei Sankt Petersburg wurde ihr und den anderen Staats- und Regierungschefs am Sonntag abend ein fürstliches Diner gereicht: „Kobe Beef“, bestes japanisches Rindfleisch, stand auf dem Menü, ein Fest für jeden Feinschmecker. „In der Mitte war dann aber ein Frankfurter Würstchen. Das hat den Geschmack etwas relativiert“, berichtete die Bundeskanzlerin hinterher und lachte über ihr Erlebnis.

          Kein Grund, sich einschüchtern zu lassen

          Wahrscheinlich hilft die Beschäftigung mit der Speisefolge, die Anspannung abzubauen. Mit einer Berliner Kabinettssitzung ist ein G-8-Gipfel schließlich nicht zu vergleichen, nicht einmal mit einem EU-Treffen. Hier treten acht Politiker zusammen, die sich nicht ohne Grund „Führer“ nennen lassen. Sie vertreten die reichsten und mächtigsten Staaten der Erde, sie beschäftigen sich mit den großen Fragen der Menschheit: Kriege, Klimawandel, Armut, Handel. Wer hier reden darf, hat es geschafft.

          Bitte um Beistand? Gastgeber Putin und die Kanzlerin
          Bitte um Beistand? Gastgeber Putin und die Kanzlerin : Bild: REUTERS

          Angela Merkel war mit einer entspannten, abwartenden Haltung zu ihrem ersten G-8-Gipfel gefahren. Sie kannte die anderen Teilnehmer von früheren Begegnungen, den amerikanischen Präsidenten hatte sie gerade erst in Stralsund zu Besuch. Eine Frau, die sich gegen Alpha-Tiere wie Kohl, Schäuble, Stoiber und Schröder durchgesetzt hat, läßt sich auch von Männern wie Bush und Putin nicht einschüchtern. Außerdem kennt die Bundeskanzlerin die Dossiers der Außenpolitik gut. Schon lange vor ihrem Amtsantritt hat sie sich in internationale Zusammenhänge eingearbeitet, hat Kontakte geknüpft in die wichtigen Hauptstädte.

          Kraftdemonstration wegen der Krise im Nahen Osten

          Die deutsche Debütantin wirkte in Sankt Petersburg gleich an einer Kraftdemonstration der G 8 mit, die in der Geschichte dieses gut vierzig Jahre alten Zusammenschlusses einmalig ist. Die Gewalteskalation in Nahost veranlaßte die Staats- und Regierungschefs, eine UN-Truppe zur Stabilisierung des Südlibanon anzubieten - kein Diplomat konnte sich daran erinnern, daß auf einem Weltwirtschaftsgipfel schon einmal eine solch konkrete Reaktion auf eine aktuelle Krise vereinbart wurde. Die G-8-Runden standen lange im Ruf, viel Papier und wenig Substanz zu produzieren.

          Den Staats- und Regierungschefs war Nahost sehr wichtig. Am Sonntag nachmittag schlug jemand vor, die amerikanische Außenministerin Rice und ihr russischer Kollege Iwanow sollten doch die Abschlußerklärung zu diesem Thema aushandeln - eine Aussicht, die die Diplomaten schaudern ließ, weil die beiden zusammenarbeiten wie Katz und Hund. Die „Chefs“ übernahmen die Arbeit am Schluß selbst. Dabei gelangten Begriffe wie „extremistische Elemente“ (für Hamas und Hizubullah) in die Erklärung. (Siehe auch: G8 erwägen UN-Truppe für den Libanon)

          Zweite Front Teherans?

          So etwas gehört nicht gerade zur Standardwortwahl der deutschen Außenpolitik. Aber die hatte in den vergangenen Tagen schon zu lernen, daß ein Land wie Iran ohnehin wenig Rücksicht nimmt auf schöne Worte und Angebote aus dem Westen. Die Eskalation im Libanon las sich in Sankt Petersburg für manche wie die Eröffnung einer zweiten Front durch Teheran, dem im Atomstreit wieder Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat drohen.

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