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Merkel in der Ukraine : Erstaunliche Treue

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel und Wolodymyr Selenskij am Sonntag in Kiew Bild: AFP

An Unterstützung für die Ukraine im Konflikt mit Russland hat es die Kanzlerin nie fehlen lassen. Komisch nur, dass sie auch Putins Projekt Nord Stream 2 unerschütterlich die Treue hält.

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          Es ist gut, dass sich die Bundeskanzlerin kurz nach ihrem Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin auch in die Ukraine begeben hat. An ihrer Unterstützung für Kiew in dem durch Russland verschuldeten Konflikt im Osten der Ukraine hat sie nie Zweifel aufkommen lassen. Dass trotz allem eine Lösung so weit entfernt ist wie eh und je, ist nicht ihre Schuld.

          Ihr Vorschlag eines weiteren Gipfeltreffens im „Normandie“-Format, also unter Einbeziehung der beiden Konfliktparteien sowie des französischen Präsidenten, mutet deshalb wie eine weitere Gelegenheit an, ihren Abschied von der weltpolitischen Bühne zu vollziehen. Putin, der sich in seine geistige Wagenburg zurückzieht und nur noch Feinde ringsum sieht, wird keine Zugeständnisse machen. Er wird vielmehr versuchen, die Gelegenheit des Regierungswechsels in Deutschland und die nahende Präsidentenwahl in Frankreich zu nutzen, um politisch-propagandistisch weitere Geländegewinne zu erzielen.

          Ein solcher Geländegewinn ist und bleibt Nord Stream 2. Es ist erstaunlich, wie unerschütterlich Merkel an dem Projekt festhält. Mittlerweile dämmert es sogar manchen von denen, die immer vom „rein wirtschaftlichen“ Projekt sprachen, dass da Geopolitik reinster Sorte betrieben wird. Die Pipeline erschwert die Unterstützung für die Ukraine, die das Land so dringend braucht. Eine Unterstützung, die hoffentlich auch unter Merkels Nachfolger oder Nachfolgerin weitergeht.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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