https://www.faz.net/-gpf-9aase

Putin-Kommentar : Uhrenvergleich in Sotschi

Angela Merkel und Wladimir Putin am Freitag bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Sotschi Bild: EPA

Putin geht es nicht um die Energiesicherheit Deutschlands – es geht ihm um die Spaltung des freien Westens.

          Einen „Uhrenvergleich“ hatte der Kreml das Treffen Putins mit Merkel vorab genannt. Das war kein schlechtes Bild. Denn die Uhren in Moskau gehen schon seit geraumer Zeit anders als im Westen. Putin versucht, sie mit aller Gewalt zurückzudrehen, um jene Zeiten wiederaufleben zu lassen, in denen die Sowjetunion eine Macht war, vor der die Welt zitterte. Putins Feldzüge in Syrien und auf der Krim, wohin der gute Zar Wladimir eigenhändig einen Lastwagen steuerte, sollen die Russen nicht zuletzt davon ablenken, dass ihr Land auch im Inneren der Sowjetunion immer ähnlicher wird, deren Untergang für Putin „die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ war.

          Wenig hätte die politische Ungleichzeitigkeit, die auch Berlin und Moskau trennt, besser illustrieren können als der Besuch Assads, der einen Tag vor der Kanzlerin seinen Schutzherrn in Sotschi besucht hatte, um Rapport zu erstatten; der Stuhl könnte noch warm gewesen sein. Trotz der „schweren“ und „grundsätzlichen“ Differenzen, von denen die Kanzlerin offen sprach, hat Deutschland ein von Merkel ebenfalls hervorgehobenes „strategisches“ Interesse an möglichst guten Beziehungen zu Russland. Das war schon vor Donald Trump und seinem Rückzug aus dem Iran-Abkommen so.

          Moskaus strategisches Interesse besteht freilich nicht darin, Deutschlands Arbeitsplätze und seine Energieversorgung zu sichern, wie Putins Ausführungen nahelegten. Ihm geht es um die Spaltung und Schwächung des freien Westens, dessen Grundprinzipien eine Bedrohung seines Regimes darstellen. Demokratie und Rechtsstaat am Vordringen nach Osten zu hindern war und ist der Hauptgrund für die Intervention in der Ukraine. Wenn eine Blauhelm-Mission in Putins Konzept der Abriegelung passt, wird es eine solche Mission geben; wenn nicht, dann nicht.

          Auch die Ankündigung, Moskau werde bei einer Inbetriebnahme von Nord Stream 2 weiter Gas durch die Ukraine leiten, war mit der Bedingung versehen, dass dies „wirtschaftlich gerechtfertigt“ sein müsse. Klingt das nicht wunderbar unpolitisch? Die Entscheidung wird dennoch im Kreml getroffen, nicht in Kiew. Putin vergaß auch nicht, daran zu erinnern, dass „Donald“ auch deswegen vehement gegen Nordstream 2 sei, weil Amerika dann in Deutschland sein teureres Gas besser verkaufen könne. Bei allem, was man über Putin sagen kann und muss – er weiß, wie’s geht. Merkel aber auch.

          Weitere Themen

          Sind die Figuren aus Sand? Video-Seite öffnen

          Faszinierende Kunstaktion : Sind die Figuren aus Sand?

          Im bolivianischen Oruro haben Künstler Figuren zum Thema Noahs Arche geformt. Die Bilder aus Sand sind zwar nicht für die Ewigkeit, dafür aber eine österliche Attraktion in der Gegend im Westen Boliviens.

          Historischer Sieg für Selenskyj

          Wahl in der Ukraine : Historischer Sieg für Selenskyj

          In der Ukraine hat der Komiker und Politneuling Wolodymyr Selenskyj laut Prognosen die Präsidentenwahl am Sonntag in der zweiten Runde mit rund 73 Prozent der Stimmen klar für sich entschieden. Sein Sieg ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

          Islamisten sollen verantwortlich sein Video-Seite öffnen

          Anschläge in Sri Lanka : Islamisten sollen verantwortlich sein

          Die Regierung von Sri Lanka hat eine einheimische Islamistengruppe für die verheerenden Anschläge auf Kirchen und Hotels verantwortlich gemacht. Regierungssprecher Rajitha Senaratne sagte, hinter den Anschlägen mit fast 300 Toten stehe die Gruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ).

          Topmeldungen

          Anschläge in Sri Lanka : Massenmord an Ostersonntag

          Die Anschläge von Sri Lanka fügen sich ein in das Bild einer neuen terroristischen Internationale, die ihre Taten „ankündigt“. Das müssen die Sicherheitsbehörden ernst nehmen, um der schieren Mordlust zu begegnen.
          Theo Waigel in seinem Haus in Seeg im Allgäu, Heimatdorf seiner Frau, der Skirennläuferin Irene Epple

          FAZ Plus Artikel: Theo Waigel wird 80 : „Da war nichts gut in der DDR“

          Theo Waigel zieht zum 80. Geburtstag Bilanz. Im Interview spricht er über die Wendezeit, erklärt, warum Europa die Finanzkrise ohne den Euro nicht überstanden hätte – und meint: „Wir leben heute in der besten aller Zeiten.“

          Witze über Schwangere : Der Gag des Fleischlichen

          Darf man über wachsende Bäuche Witze machen? Die schwangeren Comedians Amy Schumer und Ali Wong tun es auf der Bühne. Es geht natürlich um mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.