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Putin-Kommentar : Uhrenvergleich in Sotschi

Angela Merkel und Wladimir Putin am Freitag bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz in Sotschi Bild: EPA

Putin geht es nicht um die Energiesicherheit Deutschlands – es geht ihm um die Spaltung des freien Westens.

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          Einen „Uhrenvergleich“ hatte der Kreml das Treffen Putins mit Merkel vorab genannt. Das war kein schlechtes Bild. Denn die Uhren in Moskau gehen schon seit geraumer Zeit anders als im Westen. Putin versucht, sie mit aller Gewalt zurückzudrehen, um jene Zeiten wiederaufleben zu lassen, in denen die Sowjetunion eine Macht war, vor der die Welt zitterte. Putins Feldzüge in Syrien und auf der Krim, wohin der gute Zar Wladimir eigenhändig einen Lastwagen steuerte, sollen die Russen nicht zuletzt davon ablenken, dass ihr Land auch im Inneren der Sowjetunion immer ähnlicher wird, deren Untergang für Putin „die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ war.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

          Wenig hätte die politische Ungleichzeitigkeit, die auch Berlin und Moskau trennt, besser illustrieren können als der Besuch Assads, der einen Tag vor der Kanzlerin seinen Schutzherrn in Sotschi besucht hatte, um Rapport zu erstatten; der Stuhl könnte noch warm gewesen sein. Trotz der „schweren“ und „grundsätzlichen“ Differenzen, von denen die Kanzlerin offen sprach, hat Deutschland ein von Merkel ebenfalls hervorgehobenes „strategisches“ Interesse an möglichst guten Beziehungen zu Russland. Das war schon vor Donald Trump und seinem Rückzug aus dem Iran-Abkommen so.

          Moskaus strategisches Interesse besteht freilich nicht darin, Deutschlands Arbeitsplätze und seine Energieversorgung zu sichern, wie Putins Ausführungen nahelegten. Ihm geht es um die Spaltung und Schwächung des freien Westens, dessen Grundprinzipien eine Bedrohung seines Regimes darstellen. Demokratie und Rechtsstaat am Vordringen nach Osten zu hindern war und ist der Hauptgrund für die Intervention in der Ukraine. Wenn eine Blauhelm-Mission in Putins Konzept der Abriegelung passt, wird es eine solche Mission geben; wenn nicht, dann nicht.

          Auch die Ankündigung, Moskau werde bei einer Inbetriebnahme von Nord Stream 2 weiter Gas durch die Ukraine leiten, war mit der Bedingung versehen, dass dies „wirtschaftlich gerechtfertigt“ sein müsse. Klingt das nicht wunderbar unpolitisch? Die Entscheidung wird dennoch im Kreml getroffen, nicht in Kiew. Putin vergaß auch nicht, daran zu erinnern, dass „Donald“ auch deswegen vehement gegen Nordstream 2 sei, weil Amerika dann in Deutschland sein teureres Gas besser verkaufen könne. Bei allem, was man über Putin sagen kann und muss – er weiß, wie’s geht. Merkel aber auch.

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