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Rede an Johns-Hopkins-Uni : Merkel: Häufung extremer Wetterereignisse fordert zum Handeln auf

  • Aktualisiert am

Angela Merkel am Donnerstag bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität. Bild: AP

Am Abend trifft sich die Bundeskanzlerin mit US-Präsident Biden im Weißen Haus. Zuvor erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität und lernte Vizepräsidentin Harris kennen.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht mit Sorge auf die Häufung von Extremwetterereignissen. Merkel sagte am Donnerstag an der Johns-Hopkins-Universität in Washington, wo ihr die Ehrendoktorwürde verliehen wurde: „Wir haben zunehmend Extremwetterereignisse.“ Als aktuelles Beispiel nannte sie die Fluten, die einige Teile Deutschlands im Augenblick erlebten. Diese seien wirklich dramatisch mit den vielen tragischen Todesfällen. Merkel verwies auch auf die Feuer in Kalifornien. Im Verlauf der vergangenen Jahre habe es immer mal einen Sturm und eine Flut gegeben, sagte Merkel. „Aber die Häufung macht einfach Sorge und fordert uns zum Handeln auf.“

          Die Kanzlerin machte deutlich, dass die UN-Klimakonferenz in Glasgow im Herbst Fortschritte bringen müsse, was die Selbstverpflichtungen der Länder anbelange. Es sei eine „sehr, sehr gute Nachricht“, dass die USA wieder mit dabei seien und auch durchaus ambitionierte Ziele vorgebracht hätten. „Das verändert die Welt natürlich vollkommen, weil wieder einer der großen Emittenten jetzt auch mitmacht und weil das natürlich auch andere Länder, auch Europa, auch China, auch andere entwickelte Staaten wie Japan zum Beispiel unter Druck setzt.“

          „Beispiellose Entschlossenheit und Integrität“

          Merkel betonte die Bedeutung der Transformation Richtung Klimaneutralität. Man werde dabei viel um Akzeptanz werben müssen. „Denn wer Windenergie aus der Steckdose bekommt, der merkt den Unterschied nicht. Wer ein Windrad neben seinem Haus auf dem Land hat, der merkt den Unterschied sehr wohl“, sagte Merkel. Man müsse außerdem die soziale Balance ins Auge fassen.

          Die Bundeskanzlerin rief zudem dazu auf, in der Corona-Krise weiter wachsam zu bleiben. Das Virus sei noch nicht aus der Welt, sagte Merkel. Die Kanzlerin sagte zur Pandemie, viele sehnten ein Ende des Schreckens herbei. „Wir wollen unsere Normalität zurück.“ Man dürfe gerade jetzt aber nicht nachlassen und müsse wie am ersten Tag Zahlen, Daten und Fakten auswerten und analysieren. Merkel dankte der Johns-Hopkins-Universität, die viele Daten zur Pandemie geliefert hat.

          Kamala Harris und Angela Merkel am 15. Juli in Washington
          Kamala Harris und Angela Merkel am 15. Juli in Washington : Bild: EPA

          Die Universität würdigte Merkel als „globale Führungspersönlichkeit von beispielloser Entschlossenheit und Integrität“. Die Bundeskanzlerin habe nicht nur Deutschland geführt, „sondern war auch ein Leuchtfeuer für die Welt in Krisenzeiten, von der großen Rezession bis zur Covid-19-Pandemie“.

          Zuvor hatten Merkel und die amerikanische Vizepräsidentin Kamala Harris die Bedeutung gemeinsamer Werte ihrer beiden Länder unterstrichen. Harris sagte am Donnerstag bei Merkels Ankunft zu einem gemeinsamen Frühstück im Amtssitz der Vizepräsidentin in Washington, sie sei sehr geehrt, die Kanzlerin zu treffen. Sie verwies auf die „gemeinsamen Werte“ zwischen beiden Ländern und würdigte Merkels „außergewöhnliche“ politische Karriere. Merkel betonte zum Auftakt ihres Besuchs die Notwendigkeit, gemeinsam daran zu arbeiten, „demokratische Werte zu stärken“. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor angekündigt, dass es bei dem Treffen einen Gedankenaustausch in der Breite der Beziehungen geben werde.

          Merkel war am Vortag zu einem Abschiedsbesuch in Washington eingetroffen und wollte sich am Nachmittag (20.00 Uhr deutscher Zeit) im Weißen Haus mit dem amerikanischen Präsidenten Joe Biden treffen. Sie ist die erste Regierungschefin aus Europa, die Biden seit seiner Amtsübernahme im Januar im Weißen Haus empfängt.

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