https://www.faz.net/-gpf-10yai

Angeblicher Beschuss : Russland wirft Georgien „Provokation“ vor

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Russen und Südosseten bestreiten den Beschuss der Kolonne des polnischen und des georgischen Präsidenten in Südossetien. Russlands Außenminister Lawrow sagte, es sei eine Provokation, wenn Saakaschwili einen ausländischen Präsidenten nach Tiflis einlade und diesen dann „in einen anderen Staat bringt“.

          2 Min.

          Die georgische Regierung hält an ihrer Darstellung fest, dass am frühen Sonntagabend eine Wagenkolonne des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und des georgische Präsidenten Micheil Saakaschwili von einem russischen Kontrollposten in Südossetien beschossen worden sei. Russen und Südosseten bestreiten das. Der Pressedienst des georgischen Präsidenten teilte am Montag mit, die beiden Präsidenten hätten eine Flüchtlingssiedlung im Kreis Kaspi westlich von Tiflis besucht und danach einen russischen Kontrollpunkt an der Verwaltungsgrenze Südossetiens in der Region Alchagori in Augenschein nehmen wollen.

          Etwa dreißig Meter vor dem Kontrollpunkt nahe der Siedlung Achmadschi sei aus Maschinenwaffen das Feuer auf den Konvoi eröffnet worden. Der Feuerüberfall habe etwa fünf bis sieben Minuten angedauert. Beide Präsidenten seien sofort in Sicherheit gebracht, niemand sei verletzt und das Feuer sei nicht erwidert worden. Kaczynski bestätigte die georgische Darstellung im wesentlichen.

          Ein einzelner Schuss ist zu hören

          Der polnische Fernsehsender TV24 hat eine Videoaufnahme von dem Zwischenfall sowie ein Standfoto ins Internet gestellt. Auf letzterem ist Saakaschwili zu sehen, der in der Nähe einiger Autos hinter georgischen Bewaffneten steht, die ihre Waffen im Anschlag haben, sowie eine weitere, nicht deutlich zu erkennende Person neben dem georgischen Präsidenten, bei der es sich wohl um Kaczynski handelte. Die Videoaufnahme zeigt einige Autos in der Dunkelheit. Im weiteren Verlauf ist ein einzelner Schuss zu hören, bevor die Wagenkolonne sich in Bewegung setzt.

          Südosseten und Russen haben den Zwischenfall als eine von der georgischen Seite organisierte Provokation bezeichnet. Boris Attojew, Chef des südossetischen KGB, sagte noch am Sonntagabend, ein Konvoi aus etwa 30 Autos habe am Sonntag gegen 17 Uhr Ortszeit vor einem Kontrollposten südlich von Mosabruni gehalten. Zivilisten seien ausgestiegen und hätten gesagt, der Präsident Georgiens und der „polnische Botschafter“ befänden sich in einem der Wagen und verlangten, sie in das Gebiet Alchagori hinein zu lassen. Das habe der Posten abgelehnt und den Zivilisten bedeutet, den Bereich des Kontrollpostens unverzüglich zu verlassen. Ungeachtet dessen hätten mehrere Wagen versucht, die erste Absperrung zu durchbrechen. Nach der zweiten Verwarnung sei der Autokonvoi umgekehrt. Sowohl Russen als auch Südosseten bestritten, dass sie geschossen hätten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte am Montag, es sei eine Provokation, wenn der georgische Präsident einen ausländischen Präsidenten nach Tiflis einlade und diesen dann „in einen anderen Staat bringt“.

          Russen sollen Truppen aus Alchagori zurückziehen

          Das Gebiet Alchagori gehörte in sowjetischer Zeit zum südossetischen autonomen Gebiet innerhalb der Sowjetrepublik Georgien. Nach dem Bürgerkrieg Anfang der neunziger Jahre blieb die Region Algachori, die von Georgiern besiedelt ist, unter der Kontrolle von Tiflis. Vor dem Krieg im August waren dort keine russischen Friedenstruppen stationiert. Das weiter westlich liegende Gebiet Zchinwali wurde hingegen von den Separatisten kontrolliert; dort sollten Einheiten der gemischten Friedenstruppe aus Russen, Osseten und Georgiern für die Einhaltung des Waffenstillstands sorgen. Nach dem russisch-georgischen Krieg im August wurde das Gebiet Algachgori von russischen Soldaten besetzt. Moskau sieht Achalgori als Teil Südossetiens an, das es als selbständigen Staat anerkannt hat. Georgien fordert von Moskau, gemäß der Waffenstillstandsvereinbarung den militärischen Status quo ante herzustellen und seine Truppen aus Alchagori zurückzuziehen.

          Kaczynski hatte seine gemeinsame Fahrt – ein auf Vorschlag Saakaschwilis spontan in das Besuchsprogramm eingefügter Punkt – damit begründet, dass er selbst habe sehen wollen, dass sich russische Soldaten an Orten aufhalten, wo sie laut Waffenstillstandsvereinbarungen nicht sein dürften. Der schwedische Außenminister Carl Bildt sagte am Montag in Warschau, die EU müsse entschieden darauf dringen, dass Russland seine Soldaten aus Gebieten zurückziehe, in denen sie sich vor dem Augustkrieg nicht befunden hätten. Dies sei notwendig, um einen Frieden zu erreichen, der Bestand habe.

          Weitere Themen

          Das steht im Klimapaket der Bundesregierung Video-Seite öffnen

          Neue Gesetze : Das steht im Klimapaket der Bundesregierung

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat vor den Delegierten der UN-Klimakonferenz das Klimapaket als wesentlichen Beitrag zum Kampf gegen die Erderwärmung präsentiert. Deutschland stelle damit sicher, dass es sein Klimaziel für das Jahr 2030 erreiche.

          „Amerika ist noch dabei“

          Bloomberg und Ford in Madrid : „Amerika ist noch dabei“

          Gegen die Klimapolitik Donald Trumps: Der demokratische Präsidentschaftsbewerber und Milliardär Michael Bloomberg und der Schauspieler Harrison Ford haben den Kurs des Präsidenten scharf kritisiert.

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke Marie“

          An ihrer Stimme kam in den 90er Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.