https://www.faz.net/-gpf-vynd

ANC : Ein Sturm über Südafrika

  • -Aktualisiert am

Die Hoffnungen sind groß: Ein Kind vor einem Wahlplakat Zumas Bild: AP

Nach Jacob Zumas Sieg im Kampf um die ANC-Führung gilt der amtierende Präsident Thabo Mbeki schon als „lahme Ente“. Dem Land steht nun ein Linksruck ins Haus. Zuma selbst droht zunächst jedoch eine Korruptionsklage.

          4 Min.

          Mit der Wahl von Jacob Zuma zum neuen Vorsitzenden der Regierungspartei „African National Congress“ (ANC) stehen Südafrika politisch stürmische Zeiten bevor. Rund 60 Prozent der 3900 stimmberechtigten ANC-Delegierten hatten sich auf der 52. Nationalkonferenz des ANC in Polokwane am Dienstagabend für den ehemaligen stellvertretenden Präsidenten des Landes und gegen den als arrogant gescholtenen Amtsinhaber Thabo Mbeki ausgesprochen. Damit gilt Zuma als voraussichtlicher Spitzenkandidat des ANC in den Präsidentschaftswahlen 2009 und als künftiger Staatschef, weil der ANC regelmäßig Wahlergebnisse von 70 Prozent erzielt.

          Mbeki führt die Partei seit 1997 und hatte sich um ein drittes Mandat bemüht. Jetzt hat er kein führendes Amt in der Partei mehr und muss bis zu den Wahlen 2009 noch 18 Monate gegen sie regieren. Prompt bezeichneten ihn südafrikanische Zeitungen am Mittwoch als „lahme Ente“. Zuma hatte zwar vor der Konferenz bekräftigt, er befürworte, dass Mbeki seine Amtszeit zu Ende bringe. Der aber hatte ebenso wie die Umgebung Zumas vorgezogene Wahlen in Erwägung gezogen.

          Ein Linksruck steht ins Haus

          In Polokwane eroberten die ANC-Delegierten ihre Partei zurück von einer Führung, die den Kontakt zum Alltag der meisten Südafrikaner verloren zu haben scheint. Zudem hat der ANC mit der Abwahl Mbekis vermieden, Führungspersönlichkeiten zu lange auf ihren Posten zu belassen und damit jede Erneuerung von innen heraus im Keim zu ersticken. Bezeichnenderweise verkündeten Zumas Anhänger unmittelbar nach dessen Wahlsieg bereits sein Verfallsdatum: Zwei Amtszeiten wolle man ihm zugestehen, dann müsse auch er gehen. Der ANC hat sich damit von einer durch Kadavergehorsam geprägten ehemaligen Befreiungsbewegung hin zu einer politischen Partei gewandelt.

          Inoffizielle Zahlen sehen 40 Prozent Arbeitslosigkeit
          Inoffizielle Zahlen sehen 40 Prozent Arbeitslosigkeit : Bild: AP

          Gleichwohl steht Südafrika nun ein deutlicher Linksruck ins Haus. Sichtbarstes Zeichen dafür ist die neue Besetzung des insgesamt sechsköpfigen Politbüros des ANC, in dem unter anderem der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Gwede Mantasha, zum Generalsekretär des ANC gewählt wurde. Die Kandidaten für das neue Politbüro waren zuvor vom Gewerkschaftsdachverband Cosatu und der Kommunistischen Partei, die mit dem ANC eine Koalition bilden, aber seit langer Zeit eine Abkehr von der neoliberalen Wirtschaftspolitik Mbekis fordern, gutgeheißen worden.

          Die Schere zwischen Arm und Reich weit geöffnet

          Zuma hatte zwar vor Polokwane versichert, unter ihm als Präsident werde es keine Abkehr von dem wirtschaftsliberalen Kurs der Regierung Mbeki geben. Doch der Mann aus KwaZulu-Natal wurde mit den Stimmen derjenigen zum ANC-Vorsitzenden gewählt, die 14 Jahre nach Ende der Apartheid endlich bessere Lebensbedingungen sehen wollen. Die Schere, die sich hier selbst innerhalb des ANC auftut, wurde nirgends so sichtbar wie in Polokwane: Während die „Fat Cats“ in Luxuslimousinen mit Blaulicht bis vor das Tagungszelt in Polokwane fuhren, wurde die Mehrzahl der Delegierten mit Bussen aus ihren Schlafsälen zur Abstimmung gekarrt.

          Die Erwartungen an Zuma sind groß. Schon jetzt leben zwölf Millionen Südafrikaner und damit 25 Prozent der Bevölkerung von staatlicher Unterstützung. Mit 15 Prozent am Gesamthaushalt ist Fürsorge nach Bildung der zweitwichtigste Posten. Die Ursachen für die hohe Arbeitslosigkeit (25,5 Prozent offiziell, 35 bis 40 Prozent inoffiziell) aber liegen nicht in mangelnden Arbeitsplätzen, sondern mangelhafter Ausbildung der Bewerber begründet. Der Anteil von Akademikern an der Gesamtbevölkerung in Schwellenländern liegt im internationalen Durchschnitt bei neun Prozent. In Südafrika sind es drei Prozent.

          Weitere Themen

          Extrem lange Leitung

          FAZ Plus Artikel: Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

          Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

          Topmeldungen

          Schlagende Verbindungen : „Das Fechten gehört bei uns dazu“

          Finn Götze studiert Theologie, und er ist in einer schlagenden Verbindung. Im Interview erzählt er, warum er nicht Burschenschafter wurde, wie er Vorurteilen begegnet und warum Frauen auch weiterhin außen vor bleiben müssen.
          Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern liegen unter einer Hochspannungsleitung

          Stromtrasse SuedLink : Extrem lange Leitung

          Der SuedLink soll Deutschlands wichtigste Stromtrasse sein. Seit einem Jahrzehnt wird geplant, geredet und protestiert – aber nicht ein Kilometer des Kabels ist bisher verlegt. Warum dauert das alles so lange?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.