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Juan Carlos im Exil : Krise im Königshaus

Ostern 2018: Vater und Sohn in glücklicheren Tagen Bild: AFP

König Felipe wollte den Bürgern nützlich sein. Doch nicht nur die Affären seines Vaters ließen ihm keine Ruhe. Nun ist die spanische Monarchie in der Krise. Und nicht nur sie.

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          Der Zeitpunkt konnte ungünstiger kaum sein. Während der Corona-Pandemie, die Spanien so hart getroffen hat wie wenige andere Staaten in Europa, durchlebt das Königshaus eine seiner schwersten Krisen. Am Tag, an dem der Alarmzustand in Kraft trat, verzichtete König Felipe auf das Erbe seines Vaters. Auf die Nachricht vom stärksten Einbruch der Wirtschaftsleistung seit dem spanischen Bürgerkrieg folgte der Abschiedsbrief von Juan Carlos.

          So schmerzhaft es auch war: Felipe blieb nichts anderes übrig, als sich von seinem Vater zu distanzieren. Er muss alles tun, damit die Monarchie nicht im Strudel der Korruptionsvorwürfe gegen den emeritierten König versinkt. Juan Carlos hat selbst bewiesen, dass die Monarchie Spaniens in schwierigen Zeiten ein Stabilitätsanker sein kann. Ohne ihn wäre die „transición“, der Übergang von der Diktatur zur Demokratie, anders verlaufen. Mutig hielt er an seinem Weg in ein neues Spanien fest. Umso tragischer ist jetzt sein Abgang.

          Im Alter ist Juan Carlos offenbar müde geworden, hat den Weitblick und das Maß verloren. Trifft zu, was täglich an neuen Einzelheiten seines fragwürdigen Finanzgebarens bekanntwird, hat er selbst seinem Ruf am meisten geschadet. Aber es bleibt festzuhalten, dass ihn bisher kein Gericht verurteilt hat: Juan Carlos flieht nicht vor der spanischen Justiz, wie seine Kritiker ihm unterstellen, sondern ist bereit, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten.

          Zu Recht hat Ministerpräsident Pedro Sánchez am Dienstag daran erinnert, dass Spanien dringender denn je robuste und vorbildliche Institutionen benötigt. Felipe hat vor sechs Jahren bei seiner Krönung versprochen, er wolle für die Bürger Spaniens nützlich sein. Aber das Königshaus war seitdem zu oft mit sich selbst und eigenen Affären beschäftigt. Felipe muss endlich sein Haus in Ordnung bringen und zeigen, dass eine Monarchie auch für das 21. Jahrhundert taugt.

          Die großen Parteien und einen Großteil der Spanier hat er noch auf seiner Seite. Aber in Katalonien, dem Baskenland und unter den Linken hat man die Krise im Königshaus längst zum Anlass genommen, um die Staatsform in Frage zu stellen. Über Reformen ließe sich sicherlich debattieren. Aber alte politische Grabenkriege kann sich Spanien nicht leisten. Gerade bricht die zweite Corona-Welle herein.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

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