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Amnesty International : IS versklavt und misshandelt yezidische Frauen

  • Aktualisiert am

Im Flüchtlingslager: Eine kurdische Frau in der Türkei Bild: Reuters

Folter, Vergewaltigung, Zwangsheirat: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet, dass der Islamische Staat hunderte, womöglich tausende Yezidinnen missbraucht hat.

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          Im Irak werden nach Angaben von Amnesty International yezidische Frauen durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) versklavt. Hunderte, wenn nicht tausende Frauen und Mädchen der religiösen Minderheit würden verkauft oder als „Geschenk“ an IS-Kämpfer übergeben, zwangsverheiratet, gefoltert oder vergewaltigt, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Die Studie mit dem Titel „Der Hölle entkommen“ beruht auf rund 40 Interviews mit Frauen und Mädchen, die nach eigenen Angaben aus Gefangenschaft fliehen konnten.

          Viele dieser Sexsklavinnen seien nicht älter als 14 oder 15 Jahre, sagt Amnesty-Krisenberaterin Donatella Rovera. IS-Kämpfer benutzten Vergewaltigung in einem Ausmaß als Waffe, das man als „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnen müsse. Sie sprach von „katastrophalen“ psychischen und physischen Konsequenzen für die Opfer dieser extremen sexuellen Gewalt. „Viele von ihnen wurden gefoltert und wie Gegenstände behandelt. Selbst diejenigen, die fliehen konnten, bleiben zutiefst traumatisiert“. Einige der Frauen und Mädchen, die sich über Monate in IS-Gefangenschaft befunden hätten, seien so verzweifelt gewesen, dass sie Selbstmord begangen hätten.

          Wie es in dem Bericht weiter heißt, waren die meisten Täter Iraker oder Syrer; viele davon gehörten dem IS an, anderen gehörten zu deren Gefolge. Einige der befragten Yezidinnen hätten bei den Familien ihrer Peiniger, also mit deren Frauen und Kindern, gelebt.

          Mehr Hilfe gefordert

          Die Organisation fordert die kurdische Regionalregierung, die Vereinten Nationen und andere humanitäre Organisationen auf, ihre Anstrengungen zum Schutz und zur Versorgung der irakischen Minderheiten und der Terroropfer zu verstärken. Für Frauen seien auch besondere Behandlungen und Beratung nötig.

          Die Yeziden sind eine religiöse Minderheit unter den Kurden. Ihre Muttersprache ist das nordkurdische Kurmanji. Weltweit hat die Religionsgemeinschaft rund 800.000 Mitglieder. Sie entstand nach den Überlieferungen um 2000 vor Christus und versteht sich als Ursprungsreligion der Kurden. Allerdings traten viele Kurden später zum Islam über. Etwa 600.000 Yeziden leben im nördlichen Irak. Der yezidische Glaube vereint Elemente verschiedener nahöstlicher Religionen, vor allem aus dem Islam, aber auch aus dem Christentum. Religiöses Zentrum ist Lalisch, eine Stadt im Nordirak nahe Mossul.

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