https://www.faz.net/-gpf-8l8ud

Amerika nach 9/11 : 1000 Milliarden gegen die Dämonen

  • -Aktualisiert am

Nichts soll den Behörden entgehen: Labor des Heimatschutzministeriums. Bild: AFP

Seit dem 11. September 2001 hat Amerika Riesensummen in die Sicherheit investiert, um das Land vor Terroranschlägen zu schützen. Dabei wurde nicht immer vorausschauend gehandelt.

          4 Min.

          Eine Billion Dollar haben die Amerikaner seit dem 12. September 2001 ausgegeben, um sich vor Anschlägen zu schützen – und diese Überschlagsrechnung klammert den von Pentagon und CIA geführten „Krieg gegen den Terror“ aus. Heimatschutzminister Jeh Johnson reiste am Freitag nach New York. Im neuen Wolkenkratzer „One World Trade Center“ feierte er den Umstand, dass sich jetzt auch die Bundesverwaltung wieder dort eingemietet hat, wo Al Qaida dem Land vor fünfzehn Jahren seine sichtbarste Wunde zugefügt hatte. Die Regierung kann darauf verweisen, dass es seither keine vergleichbare Attacke auf die Vereinigten Staaten mehr gab. Doch Dank kann sie nicht erwarten. „Denn gute Nachrichten heißt in unserem Geschäft: keine Nachrichten“, sagte Johnson am Donnerstag in Washington.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Viele Amerikaner halten ihr Land nach dem Aufstieg des „Islamischen Staats“ (IS) und den Massakern von San Bernardino und Orlando heute für besonders verwundbar. Zwei von fünf Amerikanern glauben laut einer Pew-Umfrage sogar, dass die Wahrscheinlichkeit einer großen Attacke heute noch höher sei als 2001. Vor allem Anhänger der Republikaner denken das. Die konservative Partei wirft Präsident Barack Obama Defätismus vor, weil er weitere plumpe Gewehr-Angriffe durch sogenannte selbst radikalisierte Extremisten als beinah unvermeidlich beschrieb.

          Obamas Vorgänger George W. Bush hatte am 12. September 2001 seinen Justizminister angewiesen, dafür zu sorgen, „dass das nie wieder passiert“. Dieses „Nie wieder“ wurde zur Rechtfertigung für den radikalen Ausbau des Sicherheitsapparats. Die für einen deutschen Politiker selbstverständliche Feststellung „Es gibt keinen totalen Schutz“ gilt amerikanischen Politikern als toxisch. Allenfalls ehemalige Amtsträger sprechen Klartext. „Demokratien sind von Natur aus weiche Ziele“, sagte Bushs erster Heimatschutzminister Tom Ridge, der am Donnerstag mit Johnson auf einer Tagung der Zeitschrift „The Atlantic“ auftrat. „Wir müssen diese Realität akzeptieren – aber wir müssen sie im größeren Zusammenhang betrachten“, forderte Ridge. Allein am Labor-Day-Wochenende Anfang September seien an die 500 Bürger im Straßenverkehr ums Leben gekommen.

          Geht es um die Sicherheit, hat alles Priorität

          Wenn es um die Sicherheit geht, hat alles Priorität. Heimatschutzminister Johnson aber muss gewichten: Welche Szenarien „sind wahrscheinlich, aber in ihrer Wirkung begrenzt, und welche wären unwahrscheinlicher, aber folgenreicher?“. Tom Ridge etwa ist der Auffassung, dass Amerika immer noch nicht auf biologische Attacken vorbereitet sei, „ob sie nun von Mutter Natur oder von Terroristen ausgehen“. Andere Fachleute können kaum glauben, dass bisher noch in keiner Großstadt eine „schmutzige Bombe“ explodiert sei.

          Andrew Bieniawski von der „Nuclear Threat Initiative“ bezeichnete solche Sprengsätze mit radioaktivem Material als „Massenverunsicherungswaffe“: Zwar würden nur wenige Personen daran sterben. Doch auf Jahrzehnte könnten die Strahlenwerte in einem großen Umkreis so hoch sein, dass die Menschen Angst hätten, dort weiter zu leben oder zu arbeiten. Das radioaktive Material müssten sich Terroristen gar nicht im Ausland beschaffen. Hunderte amerikanische Krankenhäuser, die Strahlentherapien anbieten, sicherten das gefährliche Material kaum.

          Weitere Themen

          Macron soll bei Umsturz im Libanon helfen Video-Seite öffnen

          Nach der Explosion : Macron soll bei Umsturz im Libanon helfen

          Beim Besuch von Emmanuel Macron im zerstörten Beirut hat eine aufgebrachte Menschenmenge vom französischen Präsidenten Hilfe beim Sturz der libanesischen Regierung gefordert. Macron versprach, sich für Reformen einzusetzen.

          Von Reue fehlt bislang jede Spur

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Der französische Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch bisher deutet nichts darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt.

          Topmeldungen

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Der französische Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch bisher deutet nichts darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt.

          Wirtschaftswunder Weiden : Von der Zonengrenze zu „Star Wars“

          Weiden galt lange als Oberzentrum einer strukturschwachen Region. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Oberpfalz nicht mehr „Zonenrandgebiet“. Mit Corona und Donald Trumps Abzugsplänen droht nun aber neues Ungemach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.