https://www.faz.net/-gpf-9gla3

Asean-Gipfel : Gruppenbild ohne Trump

Der amerikanische Vize-Präsident Mike Pence vertrat Donald Trump auf dem Asean-Gipfel Bild: AFP

Zum Asean-Gipfel in Singapur schickt der amerikanische Präsident nur seinen Stellvertreter. Die Gastgeber sind enttäuscht. Nutznießer ist Peking.

          Für Singapur ist der Aufwand fast so groß wie bei dem historischen Gipfeltreffen zwischen Kim Jong-un und Donald Trump im Juni dieses Jahres. Rund eineinhalb Dutzend Staats- und Regierungschefs sind angereist, um an den Gesprächen der zehn südostasiatischen Länder sowie ihrer diversen Dialogpartner teilzunehmen. Der Stadtstaat verdankt seine Gastgeberrolle der alphabetischen Reihenfolge, laut der jedes Jahr ein anderes Mitgliedsland den Vorsitz der Staatengemeinschaft Asean übernimmt. Aber er sieht sich auch in der Rolle eines Vermittlers, der verschiedene Parteien in der Region zusammenbringt und aktiv nach Lösungen für die Probleme sucht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Selten hat ein Südostasien-Gipfel dabei so viel Aufmerksamkeit bekommen. Am Rand der Veranstaltung, die am Mittwoch eröffnet wurde und an diesem Donnerstag endet, treten Wladimir Putin, Chinas Ministerpräsident Li Keqiang und Indiens Regierungschef Narendra Modi auf, zudem Aung San Suu Kyi aus Burma und Malaysias neuer Regierungschef, der 93 Jahre alte Mahathir Mohamad. Auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe, der südkoreanische Präsident Moon Jae-in, die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern und Australiens Premierminister Scott Morrison sind angereist. Nur einer fehlt: Donald Trump. Der amerikanische Präsident hat Vizepräsident Mike Pence geschickt.

          Am Wochenende wird Chinas Präsident Xi erwartet

          Trump setzt sich auch damit von Vorgänger Barack Obama ab, der regelmäßig zu dem sogenannten Ostasiengipfel gereist war. Der bekannte frühere Singapurer Diplomat Tommy Koh brachte die Enttäuschung am Mittwoch auf einer Veranstaltung zum Ausdruck. „Wenn Asien den Amerikanern wichtig ist, warum ist ihr Präsident Donald Trump nicht hier?“, sagte der ehemalige Botschafter Singapurs bei den Vereinten Nationen. „Ich weiß nicht, wer Präsident Trump geraten hat, nicht an diesen Treffen teilzunehmen. Aber es war ein schlechter Rat“, sagte Koh laut der Zeitung „Straits Times“.

          Die Lücke wird wohl noch mehr auffallen, wenn am Wochenende der Gipfelreigen in dem pazifischen Inselstaat Papua Neuguinea weitergeht. Zum Jahrestreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) wird auch Xi Jinping erwartet. Chinas Staats- und Parteichef wird die Bühne nutzen, um sich als Stabilitätsanker zu präsentieren. Schon vor dem Beginn des Gipfels soll er in der Hauptstadt Port Moresby mit Politikern aus der Pazifikregion zusammentreffen. Dort soll er eine mit chinesischem Geld finanzierte Straße eröffnen.

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          China hat seinen Einfluss in den südpazifischen Inselstaaten mit Hilfe von kreditfinanzierten Infrastrukturprojekten systematisch ausgebaut. Nach Australien ist China dort das zweitgrößte Geberland für Entwicklungshilfe. Vizepräsident Pence, begleitet von Sicherheitsberater John Bolton, wird in Singapur und Papua Neuguinea dagegen versuchen, der Region das Indo-Pazifik-Konzept seiner Regierung zu erklären. Hinter dem Schlagwort steckt der Wunsch, ein Gegengewicht zu der chinesischen Dominanz zu finden. Dabei könnten andere Länder wie Indien, Indonesien sowie Japan und Australien eine wichtige Rolle übernehmen. „Die Vereinigten Staaten wollen Kollaboration, keine Kontrolle“, schrieb Pence diese Woche in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Washington Post“. Ein Ausdruck dieser Strategie ist auch die Wiederbelebung der sogenannten Quad, einer strategischen Kooperation zwischen Australien, Indien, Japan und den Vereinigten Staaten. Die Vertreter dieser Vierertruppe sollten in Singapur auch zu ihrem dritten Treffen zusammenkommen.

          Weitere Themen

          Im Handelsstreit wird wieder geredet

          China und Amerika : Im Handelsstreit wird wieder geredet

          China und Amerika haben ihre Verhandlungen wieder aufgenommen und bereiten das Treffen von Amerikas Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi in Japan vor. Die Chinesen fordern allerdings Respekt ein.

          Ein Sieg für die Demokratie Video-Seite öffnen

          Bürgermeisterwahl in Istanbul : Ein Sieg für die Demokratie

          Bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl hat der Kandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) mit 54 Prozent eine deutliche Mehrheit errungen. Die Abstimmung galt als Test, ob es in der Türkei noch einen Machtwechsel durch freie Wahlen geben kann.

          Topmeldungen

          Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Bruchteil der bis 2020 anvisierten 100.000 Ladestellen.

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?
          Demonstranten in Cottbus im Mai 2018

          Sicherheitsbehörden und AfD : Ist Frust die Ursache?

          Es gilt, alle rechtsstaatlichen Mittel anzuwenden, um Reichsbürger aus dem Sicherheitsapparat auszuschließen. Es hilft aber nicht, allen Mitgliedern der Sicherheitsbehörden pauschal ein blindes rechtes Auge zu unterstellen. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.