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Asean-Gipfel : Gruppenbild ohne Trump


Der amerikanische Präsident verpasst durch seine Abwesenheit eine Gelegenheit, diejenigen Länder, die Chinas Vordringen ebenfalls mit zunehmendem Argwohn betrachten, enger an Amerika zu binden. So schickt sich der Malaysier Mahathir Mohamad an, die zuletzt enge Bindung seines Landes an Peking zu lockern. Ohne China direkt zu nennen, warnte er in seiner Rede in Singapur vor einem „neuen Kolonialismus“. Unter anderem geht die Sorge um, dass chinesische Handels- und Infrastrukturprogramme in eine Abhängigkeit führen könnten. Darüber hinaus wird es auch in Singapur bei multilateralen Initiativen, bei denen die Kooperation Chinas gefragt ist, wie dem Handelsbündnis RCEP und einem Verhaltenskodex für das Südchinesische Meer, nicht zum Durchbruch kommen. Während der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang den Abschluss des Handelspakts für das kommende Jahr ankündigt, sprach er bei dem Verhaltenskodex in Singapur nun sogar von einer Zeitspanne von drei Jahren.

Über den Umgang mit China sind die Länder sich uneinig

Tatsächlich kann China sich Zeit lassen. Denn die Region ist in der Frage, wie mit dem Riesen umzugehen ist, in sich gespalten. Ein Beispiel dafür ist der philippinische Präsident Rodrigo Duterte. Er hat seit Amtsantritt sein Land von dem traditionellen Bündnispartner Amerika abgerückt und es stärker China zugewendet. Gegenüber Journalisten gab er am Mittwoch nun sogar dem Westen die Schuld daran, dass es Spannungen in den Beziehungen zwischen China und den südostasiatischen Ländern gebe. „Alles läuft hervorragend zwischen China und den anderen asiatischen Ländern. Außer, dass es Reibungen zwischen den westlichen Ländern und China gibt“, sagte Duterte. Er schien sogar Chinas Besitzansprüche im Südchinesischen Meer anerkennen zu wollen. „Ihr seid da, ihr habt den Besitz übernommen, ihr habt sie besetzt, aber sagt uns, welchen Weg wir gehen, wie wir uns verhalten sollen“, sagte Duterte.

Doch auch auf den Philippinen hat sich mittlerweile so etwas wie Ernüchterung über den chinafreundlichen Kurs des Präsidenten breit gemacht. Die Lage im Südchinesischen Meer ist zwar etwas entschärft, aber an den chinesischen Ansprüchen, die fast das gesamte Meeresgebiet umfassen, hat sich nichts geändert. Viele der groß angekündigten chinesischen Investitionsprojekte lassen zudem auf sich warten. Im Hintergrund sollen Mitglieder der Duterte-Regierung deshalb ihre Fühler wieder verstärkt in Richtung der Vereinigten Staaten ausstrecken. Diese Entwicklung hätte ein Treffen zwischen Duterte und Trump womöglich gefördert. Doch nun kommt es anders: Im Anschluss an den Apec-Gipfel wird Chinas Staatschef Xi Jinping zum ersten Mal Manila besuchen.

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