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Amerikas Plan : Obama will Afghanistans Armee massiv verstärken

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Soldaten, auch amerikanische Zivilisten sollen beim Aufbau des Landes helfen Bild: REUTERS

In Washington laufen die Vorbereitungen zu einer neuen amerikanischen Afghanistan-Strategie. Amerika will nach Medienberichten die afghanischen Sicherheitskräfte massiv verstärken und vermehrt amerikanische Zivilisten beim Aufbau des Landes einsetzen.

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          Amerika plant, die afghanischen Sicherheitskräfte massiv zu verstärken. Außerdem will Washington vermehrt amerikanische Zivilisten beim Aufbau des Landes einsetzen sowie den Vereinten Nationen eine stärkere Rolle bei der Verwirklichung nichtmilitärischer Maßnahmen zubilligen. Das berichten amerikanische Zeitungen über die Vorbereitungen für eine neue amerikanische Afghanistan-Strategie. Präsident Obama habe diese zwar noch nicht abschließend gebilligt. Mit seiner Entscheidung sei aber zu rechnen, ehe er Anfang April zum Nato-Gipfel nach Straßburg fliege. Zuvor soll in Den Haag noch eine internationale Afghanistan-Konferenz stattfinden.

          Obamas Sicherheitsberater planen nach einem Bericht der „New York Times“, dass die Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte zur Stabilisierung Afghanistans auf rund 400.000 erhöht wird. Gegenwärtig beträgt die Truppenstärke 90.000. Hinzu kommen rund 80.000 afghanische Polizisten. Die Regierung Bush hatte im vergangenen Sommer die Zielvorgabe gesetzt, das afghanische Heer innerhalb von drei Jahren auf eine Stärke von 134.000 Mann zu bringen.

          Weitere Stärkung der Extremisten befürchtet

          Die Kosten dafür waren auf zwölf Milliarden Dollar geschätzt worden. Nach den Plänen der Regierung Obama, so die „New York Times“, sollen 260.000 Afghanen zu Soldaten ausgebildet werden. Zwar gebe es in der Regierung Bedenken, dass eine derart verstärkte Armee zu einer Gefahr für die weitgehend als unfähig und korrupt betrachtete Zentralregierung in Kabul werden könne. Aber die amerikanischen Militärs, die sich für die Truppenverstärkung ausgesprochen hätten, argumentierten, dass sonst eine weitere Stärkung der Extremisten zu befürchten sei.

          Nach den amerikanischen Plänen sollen außerdem Zehntausende zusätzliche Polizisten und Grenzbeamte für Sicherheit im Land sorgen. Die Kosten für die Verstärkung der Sicherheitskräfte werden auf 10 bis 20 Milliarden Dollar über die kommenden sechs bis sieben Jahre veranschlagt. Der jährlich zu zahlende Preis dafür wäre damit etwa doppelt so hoch wie das gesamte Jahresbudget der Regierung von Präsident Karzai, das zu einem großen Teil von den Vereinigten Staaten finanziert wird.

          Zivilisten nach Afghanistan

          In den Berechnungen sind noch nicht die laufenden Kosten für die Unterhaltung der aufgestockten Streit- und Sicherheitskräfte enthalten. Der demokratische Senator Carl Levin, der den Vorsitz im Streitkräfteausschuss führt, welcher die Ausgaben für die Verstärkung der Sicherheitskräfte billigen müsste, bezeichnete die Kosten gleichwohl als „relativ gering, verglichen mit den Kosten, nichts zu unternehmen, also Afghanistan zerfallen oder in die Hände der Taliban fallen zu lassen“.

          Einige europäische Staaten haben die Einrichtung eines Fonds vorgeschlagen, in den vor allem die Ölländer am Persischen Golf einzahlen sollten, um die Ausgaben für afghanische Sicherheitskräfte zu decken. Europäische Bündnispartner Amerikas erwarten seit längerem, dass die neue Regierung in Washington vor allem mit finanziellen Erwartungen auf sie zukommen werde.Die amerikanische Regierung plant nach einem Bericht der „Washington Post“ weiter, die Rolle der UN in Afghanistan zu stärken und die Abstimmung zwischen den UN, den amerikanischen Kräften und anderen zivilen Akteuren in Afghanistan zu verbessern. Darauf ziele auch die Ernennung des amerikanischen Diplomaten Peter Galbraith zum Stellvertreter des UN-Sonderbeauftragten in Afghanistan und Leiters der UN-Mission Unama, Kai Eide.

          Nach Angaben eines UN-Vertreters in New York will Generalsekretär Ban Ki-moon Galbraiths Ernennung „in den kommenden Tagen“ bekanntgeben. Außerdem plane die Regierung Obama, bis zu 300 zusätzliche Zivilisten nach Afghanistan zu entsenden. Die Pläne, die dazu im Weißen Haus vorbereitet würden, sähen vor, den Mitarbeiterstab an der Botschaft in Kabul zu verstärken und Projekte zur Bildung demokratischer Strukturen und zum Wiederaufbau in den afghanischen Provinzen stärker zu unterstützen.

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