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Amerikanischer Drohnenangriff : Acht deutsche Islamisten in Pakistan getötet

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei einem amerikanischen Drohnenangriff sollen acht deutsche Islamisten in Pakistan getötet worden sein. Das berichten Medien unter Berufung auf den pakistanischen Geheimdienst. In Deutschland gebe es keine Hinweise auf bevorstehende Terrorattacken, sagte Innenminister de Maiziere.

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          In Pakistan sollen acht deutsche Islamisten bei einem Raketenangriff getötet worden sein. Zwei vermutlich von einer amerikanischen Drohne abgefeuerte Raketen seien in einer Moschee in Mirali in Nord-Waziristan eingeschlagen, in der sich die Deutschen aufgehalten hätten. Das berichten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Informationen aus der pakistanischen Regierung und dem pakistanischen Geheimdienst. Die Extremisten würden einer Gruppe namens Dschihad Islami angehören. Eine Bestätigung von anderer Stelle lag am Abend nicht vor.

          Eine offizielle Bestätigung für den Bericht des Geheimdienstmitarbeiters gab es zunächst nicht. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Abend: „Wir kennen entsprechende Agenturmeldungen und gehen ihnen nach.“

          Amerika und Großbritannien warnten vor einer erhöhten Anschlagsgefahr in Europa

          Vertreter westlicher Sicherheitsbehörden hatten in der vergangenen Woche in Nord-Pakistan operierende Extremisten mit geplanten Anschlägen in Europa in Verbindung gebracht. Am Sonntag hatten die Vereinigten Staaten und Großbritannien vor einer erhöhten Anschlagsgefahr in Europa gewarnt. In Deutschland gibt es nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière keine Hinweise auf bevorstehende Terrorattacken.

          Der mutmaßlich amerikanisch geführte Luftschlag gegen angeblich deutsche Islamisten soll mit Drohnen ausgeführt worden sein.
          Der mutmaßlich amerikanisch geführte Luftschlag gegen angeblich deutsche Islamisten soll mit Drohnen ausgeführt worden sein. : Bild: dapd

          Ein Vertreter deutscher Sicherheitsbehörden hatte vorige erklärt, die Anschlagwarnungen gingen auf Aussagen eines in Bagram in Afghanistan inhaftierten deutschen Islamisten zurück. Medienberichten zufolge soll der gebürtige Afghane aus Hamburg stammen.

          Im September so viele amerikanische Angriffe wie nie zuvor in einem Monat

          Rund 60 türkischstämmige deutsche sowie gebürtige deutsche Islamisten sollen sich in der unwegsamen Stammesregion zum Training in Terrorcamps aufhalten. Die allermeisten haben Verbindungen zur terroristischen Islamischen Dschihad-Union (IJU).

          „Die Menschen hatten sich zum Gebet versammelt, als die Raketen einschlugen“, schilderte ein Bewohner im Telefongespräch den Angriff. Die Einschlagstelle sei später von Aufständischen abgeriegelt worden.

          Die Vereinigten Staaten haben ihre Drohnen-Angriffe auf Extremisten von Al Qaida und ihrer Verbündeten im Nordwesten Pakistans verstärkt. Im September gab es 21 Angriffe - so viele wie nie zuvor in einem Monat. Der Geheimdienst CIA jagt führende Mitglieder des sogenannten Hakkani-Netzwerks.

          Die Abspaltung der afghanischen Taliban operiert aus Nord-Waziristan heraus. Die Region ist Rückzugsgebiet für verschiedene Gruppen Radikaler, die Angriffe gegen die pakistanische Regierung oder Nato-Soldaten in Afghanistan starten. Nach Ansicht westlicher Geheimdienste stellen die im Westen aufgewachsenen Extremisten ohne ein Strafregister eine der größten Gefahren dar. Für die Führung von Al-Qaida sind diese Radikalen wichtig, weil sie westliche Pässe haben und so leichter reisen können.

          Ein getöteter Deutscher soll Anschläge in Europa geplant haben

          Das Stammesgebiet im Nordwesten Pakistans gilt als Hochburg für radikal-islamische Extremisten aus dem Umkreis des Terrornetzes Al-Qaida. In der Region soll es zahlreiche Terrorcamps geben, in denen auch Islamisten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern ausgebildet werden. Erst im Juni war der deutsche Islamist Rami M. in der Gegend festgenommen worden. Zwei Monate später hatten ihn die pakistanischen Behörden nach Deutschland abgeschoben.

          „Die Raketen sind in ein Gehöft eingeschlagen, das dem Taliban-Mitglied Sher Maula Khan gehört, der es an die Deutschen vermietet hatte“, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter. Khan war zusammen mit Rami M. festgenommen worden und befindet sich weiter in Haft. Nach Angaben des Geheimdienstmitarbeiters war unter den Getöteten ein deutscher Staatsbürger, der sich Fayyaz nennt. Dieser habe Anschläge in Europa geplant.

          Britische und amerikanische Medien hatten in den vergangenen Tagen mehrfach berichtet, dass Terroristen in Pakistan Pläne für Anschläge ähnlich dem von Mumbai 2008 auch in Europa vorbereitet hätten. Damals hatten Islamisten zwei Hotels in der indischen Metropole angegriffen und mehr als 160 Menschen getötet.

          Der amerikanische Sender Fox News berichtete unter Berufung auf Geheimdienstkreise von Anschlagsplänen in Deutschland. Ein deutscher Islamist, der in Afghanistan in amerikanischem Gewahrsam sei, habe erklärt, eine Reihe von Zielen in Europa solle koordiniert angegriffen werden. In Deutschland sollten demnach Anschläge auf das Berliner Luxushotel Adlon sowie den Hauptbahnhof und den Fernsehturm der Hauptstadt verübt werden. Anschläge sollten auch auf den Pariser Eiffelturm und die Kathedrale Notre Dame stattfinden. Vorbild dafür sei der Angriff im indischen Bombay im Jahr 2008, wo 166 Menschen von einer Gruppe Extremisten getötet worden waren.

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