https://www.faz.net/-gpf-8qh1r

Amerikanischer Außenminister : Kerry nennt Trumps Äußerungen über Merkel „unangebracht“

  • Aktualisiert am

John Kerry, Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika Bild: AFP

Nach dem Trump-Interview hagelt es Kritik von allen Seiten: Der amerikanische Außenminister Kerry tadelt Trumps Kritik an Merkel, und auch aus Deutschland und Frankreich bekommt Trump ordentlich Gegenwind.

          Der scheidende amerikanische Außenminister John Kerry hat die Kritik von Donald Trump an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als „unangebracht“ bezeichnet. Es gehöre sich nicht für einen gewählten amerikanischen Präsidenten, „sich in die Politik anderer Länder einzuschalten“, sagte Kerry am Montag bei einem Besuch in London dem amerikanischen Sender CNN. „Ab Freitag ist er für diese Beziehung verantwortlich“, sagte Kerry mit Bezug auf das transatlantische Verhältnis und den Amtsantritt von Trump.

          Es sei größte Vorsicht dabei angebracht, zu suggerieren, dass eine der stärksten und wichtigsten Führungspersönlichkeiten Europas „diesen oder jenen Fehler gemacht hat“, sagte Kerry weiter. Merkel sei „äußerst mutig“ gewesen, als sie ihre Flüchtlingspolitik durchgesetzt habe. Trumps Äußerungen über die Kanzlerin träfen keinesfalls zu.

          Trump hatte Merkels Flüchtlingspolitik im Interview mit der „Bild“-Zeitung und der britischen „Times“ als „äußerst katastrophalen Fehler“ bezeichnet. Er brachte die Öffnung der Grenzen im Jahr 2015 zudem mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Dezember in Verbindung.

          Hollande: „Europa braucht keine Ratschläge von außen“

          Frankreichs Präsident François Hollande hat derweil Trumps Kritik an EU und Nato zurückgewiesen. Die transatlantische Militär-Allianz werde nur dann obsolet sein, „wenn die Bedrohungen es auch geworden sind“, sagte Hollande am Montagabend nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP in Paris. „(Europa) braucht keine Ratschläge von außen, um ihm zu sagen, was es machen soll.“

          Europa werde immer bereit sein, die transatlantische Zusammenarbeit fortzusetzen, „aber sie wird in Abhängigkeit von seinen Interessen und Werten bestimmt werden“. Hollande äußerte sich bei einer Zeremonie zur Verleihung der französischen Ehrenlegion an die amerikanische Botschafterin Jane Hartley.

          Schäuble: Kritik an Überschüssen ist falsch

          Trump hatte die Nato in dem Interview mit „Bild“ und „Times“ als „obsolet“ bezeichnet und die Erwartung geäußert, dass nach Großbritannien weitere Länder aus der EU austreten würden.

          Nachdem Trump in dem Interview auch die deutschen Außenhandelsüberschüsse angegriffen hatte, hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dazu geäußert und die Überschüsse verteidigt. Sie beruhten auf der Stärke der deutschen Wirtschaft, sagte der CDU-Politiker am Montag dem ZDF-“heute-journal“. Diese wiederum sei eine wichtige Voraussetzung, dass Europa insgesamt seinen Beitrag zur Weltwirtschaft leiste. „Insofern ist die Kritik an den deutschen Überschüssen immer falsch gewesen. Und sie wird auch durch einen neugewählten Präsidenten nicht richtiger.“

          Freihandel für mehr Wachstum

          Angesichts der Drohungen mit Schutzzöllen, die Trump in dem Interview angedeutet hatte, sagte Schäuble: „Wer auf wirtschaftliches Wachstum setzt, muss auch auf freien Handel und nicht auf Protektionismus setzen.“

          Der Finanzminister verwies zudem auf viele geltende internationale Vereinbarungen für den Welthandel. „Diese Regeln und Vereinbarungen werden nicht in Frage gestellt. Auch nicht von einer neuen amerikanischen Administration“, zeigte sich Schäuble überzeugt.

          Trump hat sich zum Ziel gesetzt, die amerikanischen Handelsdefizite zu verringern und etwa Autoherstellern mit einer „Grenzsteuer“ für importierte Wagen gedroht. Länder wie China und Deutschland verkaufen deutlich mehr Produkte in die Vereinigten Staaten als das Land selbst in die Staaten exportiert. An den deutschen Handelsbilanzüberschüssen gibt es seit Jahren Kritik.

          Weitere Themen

          Klimaproteste im Braunkohlerevier Video-Seite öffnen

          Sitzblockade an Zugstrecke : Klimaproteste im Braunkohlerevier

          Die Demonstranten wollten mit einer Sitzblockade den Braunkohletransport nahe dem Tagebau Garzweiler behindern. Auch die Brände im Amazonas waren ein wichtiges Thema für die Teilnehmer der Demonstration.

          Eiskalte Interessen

          Trumps Grönland-Idee : Eiskalte Interessen

          Manche Republikaner unterstützen die Idee von Donald Trump, Grönland zu kaufen. Schließlich könnte man so den Einfluss von China und Russland begrenzen – und riesige Rohstoffvorkommen ausbeuten.

          Topmeldungen

          Am Rande des G-7-Gipfels : Wie es Macron gelang, Trump gnädig zu stimmen

          Der französische Präsident präsentiert sich in Biarritz als Überraschungskünstler: Er hat den erwartet sperrigsten Gipfelteilnehmer vorläufig gezähmt – und scheut dabei nicht vor einem Trick zurück.

          Amazonas-Brände : Warum sind wir so passiv?

          Der Regenwald brennt. Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Ein verzweifelter Aufruf von Brasiliens bekanntestem Naturfotografen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.