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Offensive in Nordsyrien : Türkei vermeldet Einnahme von kurdischer Grenzstadt

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Eine Explosionswolke, betrachtet von der türkischen Grenze, steigt am Samstag über der syrischen Stadt Ras al Ain auf. Bild: Reuters

Ungeachtet internationaler Kritik führt Ankara die Militäroperation gegen kurdische Kräfte in Nordsyrien weiter. Für zusätzliche Spannungen sorgt Artilleriebeschuss in der Nähe amerikanischer Soldaten.

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          Die Türkei treibt ungeachtet der internationalen Kritik ihre Militäroffensive gegen die Kurden-Miliz YPG im Nordosten Syriens voran. Insbesondere die Grenzstadt Ras al Ain geriet am Samstag unter Beschuss. Einem Reuters-Reporter zufolge waren dicke Rauchschwaden zu sehen. Zudem seien Geschützfeuer aus der Stadt sowie Kampfflugzeuge über Ras al Ain zu hören. Aus türkischen Sicherheitskreisen verlautete, die mit der Türkei verbündeten Rebellen hätten das Zentrum der Stadt eingenommen. An der anderen im Mittelpunkt der Angriffe stehenden Grenzstadt Tel Abjad war die Lage einem weiteren Reuters-Reporter zufolge ruhiger.

          Seit Beginn der Offensive am Mittwoch seien 415 feindliche Kämpfer getötet worden, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte sprach von 74 Toten auf Seiten des von der YPG angeführten Rebellenbündnisses SDF und von 49 Toten auf Seiten der mit der Türkei verbündeten Rebellen. Zudem seien 20 Zivilisten ums Leben gekommen, die meisten davon in Tel Abjad. Laut den Vereinten Nationen flohen 100.000 Menschen vor den Kämpfen.

          Die Türkei will entlang der Landesgrenze auf syrischem Gebiet eine 30 Kilometer tiefe sogenannte Sicherheitszone errichten und verlangt den Abzug der Kurden-Miliz aus dem Gebiet. Dort sollen dann bis zu zwei Millionen in die Türkei geflohene meist arabische Syrer angesiedelt werden. Die Türkei befürchtet ein Erstarken der Kurden jenseits ihrer Südgrenze und damit auch der nach Autonomie strebenden Kurden auf eigenem Territorium. Die SDF-Rebellen waren im Kampf gegen die radikal-islamische IS-Miliz im Bürgerkriegsland Syrien ein wichtiger amerikanischer Verbündeter. Die Vereinigten Staaten machten mit einem Truppenabzug aus Nordsyrien dem Nato-Partner den Weg frei für die Offensive.

          Am Freitag gerieten amerikanischen Angaben zufolge auch eigene Truppen im Norden Syriens unter Beschuss türkischer Artillerie. Nach Angaben des Pentagon wurde niemand verletzt. Der Vorfall habe sich in der Nähe der Grenzstadt Kobane ereignet. Das sei eine Gegend, von der die Türkei wisse, dass dort amerikanische Soldaten anwesend seien. Das türkische Verteidigungsministerium wies die Darstellung zurück. Es sei definitiv nicht auf amerikanische Soldaten geschossen worden, sagte Minister Hulusi Akar am Samstag.

          Die Vereinigten Staaten hatten die Türkei zur Deeskalation in Nordsyrien aufgefordert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist trotz der stärker werdenden internationalen Kritik und der Androhung von Sanktionen jedoch nicht bereit, den Militäreinsatz zu beenden. „Wir werden nicht aufhören, egal, was gesagt wird“, sagte er am Freitag. Für den Fall, dass sich das türkische Militär bei seinem Vorgehen gegen die Kurden-Miliz und das von ihr geführte Rebellenbündnis SDF „nicht an die Regeln halten“ lässt US-Präsident Donald Trump Strafmaßnahmen vorbereiten. Auch EU-Sanktionen stehen im Raum. Beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag steht das Thema auf der Agenda. Die Türkei bewege sich mit ihrem Handeln nicht auf dem Boden des Völkerrechts, sagte der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger im Deutschlandfunk. Das Vorgehen der Türkei sei völlig falsch und durch nichts zu rechtfertigen. Dennoch halte die EU an dem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei fest. Man sei vertragstreu und erwarte das auch von Erdogan.

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