https://www.faz.net/-gpf-74iz7

Amerikanische Nahostpolitik : Netanjahus Verbeugung

  • -Aktualisiert am

Bleiben aufeinander angewiesen, mit gleichbleibend geringer Begeisterung: der amerikanische Präsident Barack Obama und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Weißen Haus, aufgenommen im September 2010. Bild: dpa

Der mit neuer Macht ausgestattete amerikanische Präsident Obama hat seine Position der Stärke gegenüber dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu vorerst nicht ausgespielt. Dieser bedankte sich mit der Zustimmung zur Waffenruhe.

          1 Min.

          Der am Mittwoch vereinbarte Waffenstillstand zwischen Israel und der palästinensischen Hamas ist ein erster Teilerfolg der „neuen“ Nahostpolitik Präsident Barack Obamas. Physisch mochte er sich auf der ersten Auslandsreise nach seiner Wiederwahl in Südostasien aufgehalten haben, doch politisch war er in Jerusalem und in Kairo präsent. Der Präsident telefonierte während des Raketen- und Bombenkrieges im Gazastreifen mehrmals täglich mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu und mit dem ägyptischen Präsidenten Mursi. Außerdem schickte er Außenministerin Hillary Clinton zur Vermittlungsmission nach Israel, zu den Palästinensern nach Ramallah und nach Ägypten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Nahostpolitik Obamas nach dessen Wiederwahl ist vor allem durch das verschobene Kräfteverhältnis zwischen ihm und dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu gekennzeichnet, deren persönliches Verhältnis der langjährige amerikanische Nahostvermittler Aaron David Miller als „das schlechteste seit je“ zwischen politischen Führern Amerikas und Israels beschrieben hat. Obama hat seine gestärkte Position nach seinem Wahlsieg gerade nicht dazu genutzt, Netanjahu öffentlich zu kritisieren; er unterstützte im Gegenteil die Haltung Netanjahus und das Recht Israels zur Selbstverteidigung uneingeschränkt. Außerdem sagte er Israel weitere Unterstützung beim Ausbau des Raketenabwehrsystems „Iron Dome“ zu.

          Zwei unfreiwillige Verbündete

          Netanjahu, der aus seiner Unterstützung für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney kein Geheimnis gemacht hatte, revanchierte sich seinerseits mit einer Verbeugung vor Obama: Er pries dessen Unterstützung für Israel in der Krise und ließ wissen, er habe auf ausdrücklichen Wunsch Obamas der von Ägypten vermittelten Waffenstillstandsvereinbarung zugestimmt.

          Vieles spricht dafür, dass Obama keine politische Vergeltung gegen Netanjahu üben und sich nicht in den Wahlkampf zur israelischen Parlamentswahl im Januar einmischen wird. Denn er weiß, dass Netanjahu gute Chancen hat, in seinem Amt bestätigt zu werden. Obama und Netanjahu dürften wohl auf der Suche nach einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten aufeinander angewiesen bleiben.

          Der amerikanische Präsident hat seine neue Position der Stärke vorerst noch nicht ausgenutzt, um Druck auf den israelischen Regierungschef auszuüben. Vielmehr hat Obama seine politische Munition trocken gehalten, um sie später im langwierigen und komplizierten israelisch-palästinensischen Friedensprozess und im Streit über das iranische Nuklearprogramm einzusetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Allein joggen gehen? Unsere Autorin macht das nur bei Tageslicht (Symbolbild).

          Der Moment.... : ...in dem ich mich nicht mehr sicher fühlte

          In der Pandemie gibt es für unsere Autorin einen Zufluchtsort: den Weiher ums Eck. Dort ist sie fast täglich joggen oder spazieren. Und genau dort ist nun eine Frau vergewaltigt worden. Der Täter ist auf der Flucht, und das Joggen unserer Autorin? Ist ausgesetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.