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Amerikanische Hilfe in Haiti : Die „Marines“ übernehmen

Eine Ordnungsmacht tritt auf den Plan: Amerikanische Soldaten am Flughafen von Port-au-Prince Bild: dpa

Spät, aber nicht zu spät sind die Amerikaner eingetroffen: Die Regierung Haitis hat Washington das Kommando im eigenen Land übertragen. Nun versuchen die „Marines“, Ordnung in einem von Not gezeichneten Land zu schaffen.

          Immer wenn sich die Dunkelheit über Port-au-Prince senkt, hallen Gesänge und laute Gebete von unzähligen kleinen Kirchen in die Nacht. Sie dauern bis in die Morgenstunden, und die Halleluja-Rufe schwellen immer dann besonders an, wenn ein leicht grollendes Nachbeben am Boden rüttelt. Allenfalls zwischen ein und drei Uhr in der Frühe ist es still. Sieht man vom Dröhnen der Frachtflugzeuge, dem Wummern der Hubschrauber und von einzelnen Gewehrsalven ab.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die „Marines“ sind in Port-au-Prince angekommen. Bis zum Sonntag landeten etwa 4500 Mann in Haiti mit Frachtflugzeugen der Luftwaffe. An diesem Montag sollen weitere gut 6000 Soldaten eintreffen. Am Flughafen, wo sich bis zum Freitag chaotische Szenen vor dem einzigen Eingang in die Abfertigungshalle abspielten, derer die haitianischen Polizisten und Wachleute des Flughafens immer weniger Herr werden konnten, herrschten vom Samstag an geordnete Verhältnisse. Die Wartenden, die den Eingang belagert und fast die Glasscheiben eingedrückt hatten, um auf einen der Charterflüge nach Miami oder Santo Domingo in der Dominikanischen Republik zu kommen, wurden bestimmt, aber höflich von den amerikanischen Soldaten mit ihren geschulterten Sturmgewehren auf einen Parkplatz beordert. Dort harren sie jetzt aus, unter improvisierten Sonnendächern und im Schatten der wenigen Bäume.

          Es gibt nur wenige Plätze in den gecharterten Passagierflugzeugen, mit denen Ausländer in Sicherheit gebracht werden. Die amerikanischen, brasilianischen, französischen oder spanischen Frachtflugzeuge, die Hilfsgüter und Rettungsmannschaften gebracht haben, nehmen nur eigene Staatsangehörige mit, oder es werden erschöpfte Suchtrupps mit Spürhunden wieder nach Hause geflogen, weil es am fünften Tag nach dem verheerenden Erdbeben praktisch niemanden mehr zu retten gibt.

          Ausländische Staatsangehörige wie diese Amerikanerin werden ausgeflogen

          Die Identifizierung der Toten dauert nicht lange

          Schon am Samstag haben die Aufräumarbeiten in beträchtlichem Umfang begonnen. Die UN waren mit ihrem eigenen schweren Gerät weiter damit beschäftigt, aus den Trümmern ihres zusammengestürzten Hauptquartiers, dem früheren Hotel „Christophe“ in Pétionville, die sterblichen Überreste Dutzender Mitarbeiter ihrer Haiti-Mission Minustah zu bergen. Über dem Trümmerhaufen, der einmal ein sechsstöckiges Gebäude war, wehte an einem verbogenen Fahnenmast noch immer die blaue Flagge der UN im Wind. Wenn die chinesischen Suchtrupps, die auf dem Trümmerhaufen genau verfolgen, was der Bagger freilegt, einen Leichnam erspähen, wird ein Presslufthammer herbeigeholt, um ihn vollends freizulegen, wird der Leichnam mit Desinfektionsmittel eingesprüht, in einen Leichensack gehüllt, auf eine Trage gebettet und unter dem Schatten eins Baumes abgestellt.

          Dort wird der Tote identifiziert. Das dauert meist nur wenige Minuten, weil derzeit aus den freigelegten Trümmern des Konferenzraums vor allem die Führungskräfte der Minustah um den tunesischen Missionschef Hédi Annabi und dessen brasilianischen Stellvertreter Luiz Dacosta geborgen werden, die jedem bekannt sind. Tagelang mussten Bagger eingesetzt werden, um überhaupt an den verschütteten Konferenzraum im Erdgeschoss heranzukommen.

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