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Andreas Ross (anr.)

Amerikanische Geheimdienste : Mahnungen aus der echten Welt

  • -Aktualisiert am

Trump ist sich uneins mit den Geheimdiensten. (Archivfoto) Bild: AP

Es gibt nur einen Grund, warum die amerikanischen Geheimdienste mit ihren Feststellungen Schlagzeilen machen: Donald Trump. Im Volk dürfte dessen Weltdeutung mehr Anklang finden. Ein Kommentar.

          Nordkoreas Diktator Kim Jong-un betrachtet seine Atomwaffen als Lebensversicherung und macht keine Anstalten, sie aufzugeben. Die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ hat noch Tausende Kämpfer und würde jede Atempause im Antiterrorkrieg nutzen, um sich neu zu formieren. Russland dürfte seine Cyber-Methoden verfeinern, um gesellschaftliche Konflikte in Amerika anzuheizen. Es gibt nur einen Grund, warum die amerikanischen Geheimdienste mit diesen nicht eben neuen Feststellungen Schlagzeilen machen: Donald Trump. Während der Präsident nach Laune Russland in Schutz nimmt, den IS für besiegt erklärt oder die vermeintliche Beilegung des Nordkorea-Konflikts bejubelt, halten sich die Geheimdienste seiner Regierung an Tatsachen und echten Erkenntnissen fest. Immerhin.

          Säße jemand anders im Weißen Haus, dann würde ein anderer Befund der neuen Bedrohungsanalyse die verdiente Aufmerksamkeit erhalten: Stärker denn je seit den fünfziger Jahren sehen die amerikanischen Analysten China und Russland auf einer Linie. Vor allem in der Energiepolitik, im Technologiesektor und militärisch werde die Kooperation enger. Von universellen Menschenrechten und Demokratie halten beide Mächte nichts. Trump hat dieses Phänomen nicht verursacht, aber verstärkt.

          Sein Amerika reißt die Lücken etwa in den Vereinten Nationen, in denen sich China und Russland leicht entfalten können. Dass die Geheimdienste in diesem Sinne mehrere Absätze auf die in Amerika sonst gern verächtlich gemachte Weltorganisation verwenden, spricht Bände. Noch mehr tut das die Warnung, dass „Verbündete und Partner“ der Vereinigten Staaten auf Distanz gehen – wegen „ihrer Wahrnehmung veränderter amerikanischer Sicherheits- und Handelspolitik“. Sie trachten nach Autonomie, werden aber auch empfänglicher für Umarmungen aus Peking oder Moskau. Dass die Europäer jetzt eine Gesellschaft zur Abwicklung von Handel mit Iran gründen, um Trumps Sanktionen zu umgehen, ist nur ein Beispiel.

          Plötzlich sind auch Kongress-Republikaner wieder etwas forscher in ihren Versuchen, Trump in der Außenpolitik Leitplanken zu setzen. Man kann nur hoffen, dass sie sich den Schneid nicht wieder abkaufen lassen, sobald der Wahlkampf in Fahrt kommt. Denn im Volk dürfte Trumps Weltdeutung mehr Anklang finden als die düsteren Prognosen der misstrauisch beäugten Geheimdienste.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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