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Amerikanische Energiepolitik : Klimawende am Fuß der Rocky Mountains

Verbrauche nicht mehr, als du produzierst: Sonnenkollektoren der NREL Bild: REUTERS

Obamas ehrgeiziges Klimaschutzgesetz wurde vor kurzem im Senat beerdigt. Dafür treiben die Bundesstaaten nun die Klimawende voran. In Denver etwa befindet sich das Vorzeige-Zentrum für den grünen Umbau der amerikanischen Wirtschaft.

          Auf ihr neues Forschungsgebäude sind sie alle mächtig stolz beim „National Renewable Energy Laboratory“ (NREL) in Golden im Bundesstaat Colorado. Golden ist ein liebens- und lebenswertes Städtchen mit gut 17.000 Einwohnern und liegt etwa 25 Kilometer westlich der Metropole Denver. Wie vielerorts in Colorado scheint auch in Golden die Sonne durchschnittlich an mehr als 300 Tagen pro Jahr von einem stahlblauen Himmel. Die Stadt liegt auf gut 1700 Metern Meereshöhe. Die Luft ist klar und frisch. Mancher Besucher, der aus tieferen Lagen auf der Hochebene am Fuß der mächtigen Rocky Mountains ankommt, braucht Stunden oder gar Tage, um sich an die dünne und trockene Luft zu gewöhnen. Man möge viel Wasser trinken und reichlich Haut-, Lippen- und auch Sonnencreme auftragen, wird den akut höhenkranken Neuankömmlingen geraten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das NREL in Golden wurde 1974 gegründet und ist die wichtigste staatliche Einrichtung zur Erforschung und Erprobung erneuerbarer Energiequellen in den Vereinigten Staaten. Sein Etat wird vom Energieministerium in Washington getragen. Joe Verrengia ist bei NREL für Öffentlichkeitsarbeit zuständig und mächtig stolz auf das neue Forschungsgebäude auf dem weitläufigen Campus des Nationalen Forschungslabors. Die Fenster blitzen im Sonnenlicht, die rötliche Fassade harmoniert mit den Farben der Berge, die sich am Horizont erheben. 800 Wissenschaftler und Techniker werden dieser Tage das 64 Millionen Dollar teure Gebäude mit gut 20 000 Quadratmetern Nutzfläche beziehen.

          „Da zählt jedes Watt“

          Der Bau in der schnörkellosen Form eines leicht gestauchten „H“ ist das derzeit größte Bürogebäude der Welt, welches das Prädikat „Net-Zero-Energy“ für sich beanspruchen kann. Das bedeutet, dass das Gebäude mindestens die gleiche Menge Energie erzeugt wie es verbraucht. Dieses Ziel erreicht das Forschungszentrum zugestandenermaßen nicht ganz ohne gewisse Rechenkunststücke: Auch die auf dem Campus des NREL durch Sonnen- und Windkraft erzeugte Energie fließt mit in die Rechnung ein, obwohl die Kollektoren und Windräder nicht alle zu dem neuen Forschungsbau gehören. Aber die ebenfalls an das Prädikat „Null-Energie“ geknüpfte Bedingung, dass pro Person nicht mehr als 250 Watt Energie verbraucht werden dürfen, erfüllt das Gebäude ohne Rechentricks. „Da zählt jedes Watt“, sagt Craig Robben, der für Informationstechnologie zuständige Projektmanager des neuen Forschungszentrums. Die zugelassene Menge Energie pro Person entspreche jener, die vier bis fünf Glühbirnen verbrauchen, sagt Robben, und darin müsse alles enthalten sein: der Strom für Computer und Server, die Energie für Heizung und Kühlung bis zum Betrieb des Fitnessraums.

          Der kleine Unterschied: Rotorblätter eines Windrades der NREL am Boden und schon befestigt in der Luft

          Die Beleuchtung der Großraumbüros wird im Wesentlichen durch die großen Fenster erreicht, die zwar das Licht hereinlassen, aber dank einer Beschichtung die Sonnenwärme im Sommer zurückstrahlen. Spezielle, vom NREL entwickelte Solarkollektoren erzeugen an den kalten Tagen im Winter warme Luft, die dann in die Arbeitsräume geleitet wird. In labyrinthähnlichen Betongängen im Kellergeschoss wird in Sommernächten die kühle Nachtluft gespeichert und tags darauf ins Gebäude gepumpt, im Winter wird die Abwärme des Rechenzentrums zur Heizung der Büros und Labore genutzt. Die Zahl der Drucker, Faxgeräte und Kopierer wurde radikal reduziert und durch leistungsstarke Multifunktionsgeräte ersetzt, die großen Desktop-Computer durch Laptops ersetzt, telefoniert wird energiesparend über Internetprotokoll. Und so weiter.

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