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IS-Hochburg im Irak : Kampf um Mossul unterbrochen

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Ehemalige Bewohner der zerstörten Häuser eines Viertels von Mossul transportieren Tote, die aus den Trümmern geborgen wurden, ab. Bild: dpa

Wegen zu vieler ziviler Opfer soll der Kampf um die letzte IS-Hochburg Mossul zunächst unterbrochen werden. Und das, nachdem die amerikanische Anti-IS-Koalition einen fraglichen Angriff zugab.

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          Die irakischen Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben die Rückeroberung der letzten IS-Hochburg Mossul wegen vieler ziviler Opfer unterbrochen. Aufgrund der Verluste unter der Zivilbevölkerung in der Altstadt würden die Vormarschpläne überarbeitet, sagte ein Sprecher der Polizeikräfte am Samstag. „Zurzeit finden keine Kampfeinsätze statt.“

          Das US-Militär erklärte, eine Überprüfung habe ergeben, dass es von der amerikanisch geführten Koalition auf Bitten irakischer Sicherheitskräfte am 17. März an dem fraglichen Ort in Mossul ein Luftangriff auf IS-Kämpfer und -Ausrüstung gegeben habe. Eine Untersuchung wegen des Vorwurfs ziviler Opfer sei eingeleitet worden.

          Was genau geschah, ist zunächst noch offen

          Anwohner hatten berichtet, bei Luftangriffen der Anti-IS-Koalition in dem dicht besiedelten Gebiet seien etliche Menschen unter einstürzenden Häusern begraben worden. Rettungsteams haben nach irakischen Angaben 40 Tote geborgen. Deren genaue Zahl und die Zahl der Verletzten ist noch offen. Gleichwohl sprachen auch die Vereinten Nationen von vielen Opfern. „Wir sind bestürzt über diesen schrecklichen Verlust an Menschenleben“, sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak, Lise Grande.

          Was genau am 17. März in dem von der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Stadtteil al-Dschadidah geschah, ist noch offen. Mitarbeiter des Zivilschutzes und Anwohner sagten, nach einem Luftangriff habe es eine heftige Explosion gegeben. Ein örtlicher Politiker und zwei Anwohner erklärten, möglicherweise sei ein Lastwagen des IS getroffen worden, der mit Sprengstoff beladen gewesen sei.

          Bis zu 600.000 Zivilisten sitzen noch fest

          Nach Angaben von Hilfsorganisationen sitzen im westlichen Teil der umkämpften Metropole noch bis zu 600.000 Zivilisten fest. Aus Angst vor Heckenschützen des IS würden viele Menschen nicht flüchten. Regierungstruppen haben mit Unterstützung von amerikanischen Luftangriffen bereits den Osten der Stadt und über die Hälfte des Westens unter Kontrolle gebracht.

          Der Vormarsch der Regierungstruppen steckt allerdings in den engen Straßen der Altstadt fest. „Es ist an der Zeit, neue Offensivpläne und Taktiken zu erwägen“, sagte der Sprecher der Sicherheitskräfte vor Ort. Es müsse sichergestellt werden, dass die

          Vertreibung des IS nicht zu unerwünscht vielen Opfern unter der Bevölkerung führe. Nötig seien „chirurgisch präzise“ Schläge gegen den IS. Am Freitag hatte Brigadegeneral John Richardson der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, überlegt werde unter anderem, die Altstadt vom Rest der Stadt zu isolieren.

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