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Treffen der Kreml-Apologeten : Wenn sich Putins Speichellecker in Washington versammeln

  • -Aktualisiert am

„Zwanzig Jahre sind Beweis genug, um zu zeigen, dass das nicht der Fall war“, behauptete er. Dann formulierte er wörtlich die Kreml-Argumente, dass „die Ukraine-Krise eine direkte Auswirkung der Expansionsentscheidung der Nato ist“. Dabei beklagte er die „Unsicherheit, die durch die rücksichtslose Nato-Erweiterung herbeigeführt“ worden sei. Das Gegenteil ist der Fall: Wären die Staaten des Baltikums und ehemaligen Mitglieder des Warschauer-Paktes nicht der Nato beigetreten, wäre die Sicherheitslage in Europa noch fragiler als sie heute sowieso schon ist. Vor der Mitgliedschaft war der Status dieser Nationen vis à vis Russlands zweideutig und bildete eine sicherheitspolitische Grauzone. Heute haben sie alle – zumindest theoretisch – eine felsenfeste Sicherheitsgarantie als Mitglieder der stärksten Militärallianz der Welt.

Der frühere CIA-Analyst Ray McGovern nennt den amerikanischen Außenminister einen „notorischen Lügner“

Doch das ganze Gerede über die Nato und ihre Rolle lenkt von der grundlegenden moralischen Frage ab: Wer ist Stephen Cohen eigentlich, dass er über das Schicksal von Millionen Menschen in Mittel- und Osteuropa entscheidet? Was Cohen wirklich ärgert ist, dass nach dem Fall der Sowjetunion niemand mehr übrig ist, der Amerikas Status als einzige Supermacht herausfordert. Diese Unipolarität können Linke wie Cohen nicht akzeptieren. Deshalb sind sie gewillt, jeden Verbrecher und Tyrannen zu unterstützen, der sich Amerika in den Weg stellt – ganz egal wie illiberal er ist.

Es sagt einiges über Cohens intellektuelle Glaubwürdigkeit als Russland-Wissenschaftler aus, wenn die einzigen Publikationen, die seine Arbeiten veröffentlichen, „Russia Today“ und „The Nation“ sind – ein Magazin, das Cohens Gattin herausgibt. Während ihrer Ansprache beim Forum lobte Herausgeberin Katrina van den Heuvel ihre Publikation als eine, die „immer wieder Ideen vertritt, die als ‚häretisch‘ verschrien sind, nur um sie wenig später als konventionelle Weisheiten verfochten zu sehen.“ Menschen, die die konventionellen Weisheiten über die Situation in der Ukraine herausfordern, würden in den Vereinigten Staaten „an den Rand gedrängt und verunglimpft“, beschwerte sie sich.(Das steht wohl im Gegensatz zu denjenigen, die „häretische“ Ideen in Russland vertreten, und dort im Gefängnis landen- wenn ihnen nicht gleich vier Mal in den Rücken geschossen wird wie Boris Nemzow.)

Wie ihr Ehemann zuvor kritisierte van den Heuvel die „Dämonisierung“ Putins, als wenn die Kritiker dieses Mannes sich Fakten über seine furchtbaren Taten ausdenken müssten. Überraschenderweise schlug sie verbal auf die „Washington Post“ ein, in der sie eine Kolumne schreibt, und nannte sie „Prawda am Potomac. Eine Zeitung des Regimewechsels“ (Was wohl mehr ist als man über „The Nation“ sagen kann, denn das ist die „Prawda“, nur auf Englisch.)

Kanalisierte Verbitterung

Van den Heuvel führte eine Gesprächsrunde der Ehemaligen ein, „ehemalige“ wohin man nur sah: der ehemalige AP-Reporter Robert Parry, der ehemalige UPI-Redakteur Martin Sieff, der ehemalige Asien-Büroleiter der „International Herald Tribune“ Patrick Smith und der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern, der jetzt Inhaber der international renommierten Nachrichtenquelle RayMcGovern.com ist. Wie alle Gäste kanalisierten die Männer ihre Verbitterung über geschlagene Karrieren in Kritik der „Mainstream Medien“.

Parry beschuldigte die amerikanische Regierung, Informationen zurückzuhalten über den Abschluss des Malaysia-Airlines-Fluges 17 über der Ukraine; er beschwerte sich darüber, dass ihn niemand aus dem Außenministerium zurückrufe. McGovern sprach über Russlands „so genannte Aggression“ in der Ukraine und fragte dann: „Wie kann Russland überhaupt einem notorischen Lügner trauen? Und damit meine ich John Kerry.“ Irgendwo in der Mitte von Sieffs Geschichte darüber, dass die Westmächte uns zurück in das Blutbad des ersten Weltkriegs führten, beschloss ich, dass ich bessere Dinge zu tun habe.

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