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Treffen der Kreml-Apologeten : Wenn sich Putins Speichellecker in Washington versammeln

  • -Aktualisiert am

(Rohrabacher war der einzige gewählte Abgeordnete, der bei der Veranstaltung auftauchte. Lozansky sagte, dass der Raum für die Veranstaltung von Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota  reserviert worden sei – eine seltsame Beziehung zu Minnesota deckte er damit auf: Beim World Russia Forum im vergangenen Jahr, das nur wenige Monate nach der Annexion der Krim stattfand, sprach sich Minnesotas Staatssekretär gegen Sanktionen aus, er beschwerte sich auch darüber, dass ein „Amerikanisch-Russisches Innovationsforum“, das in St. Paul (Hauptstadt des Bundesstaates Minnesota - Anm. d. Red.) stattfinden sollte, auf Anordnung des Außenministerium abgesagt werden musste.)

Als nächstes sprach der gefürchtete Stephen Cohen, Amerikas berüchtigtester Kreml-Apologist. Während er den Ukraine-Konflikt fälschlicherweise als „Bürgerkrieg“ bezeichnete, sprach sich Cohen für eine „neue Entspannungspolitik“ zwischen Russland und den Vereinigten Staaten aus. Das könnte Cohen so passen, denn die alte Entspannungspolitik führte im Endeffekt dahin, dass die Sowjets über Osteuropa herrschten – genau das verlangt Cohen heute vom Westen. Cohen beklagte, dass vor nicht langer Zeit, „beide Seiten eine legitime Einflusssphäre hatten“ (oder wie er es nennt, „Zonen der nationalen Sicherheit“), und dass dennoch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunionen Amerika und seine Verbündeten das „Konzept der Parität“ missachteten und „Russland als eine geschlagene Nation behandelten“.

Washingtons Beziehung zu Moskau bezeichnete er als „konstante Einmischung in Russlands innere Angelegenheiten“, und das Problem habe sich dadurch nur verschlechtert. „Diese Verunglimpfung einer russischen Macht“ habe in nichts anderem resultiert als in „einer Krankheit“. Cohen wäre es wohl lieber, dass alle diese Homosexuellen, Journalisten und Liberalen – im wahren Sinn des Wortes, und nicht in dem Sinn, den Cohen und andere „Progressive“ seines Schlags es pervertiert haben –endlich ihre Klappe hielten.

Beschwatzt, erpresst und bedroht

Nach dieser Schimpftirade stellte ich Cohen eine Frage: Lassen Sie uns feststellen, dass die Vereinigten Staaten eine „Interessensphäre“ in Europa haben, sie nennt sich Nato. Sie ist ein Verteidigungsbündnis, das aus demokratischen Nationen besteht, die ihre souveränen Entscheidungsbefugnisse einsetzen, um freiwillig einer Gruppe beizutreten. Die russische Interessensphäre, so wie vor ihr die sowjetische, besteht aus Ländern, die beschwatzt, erpresst und bedroht wurden, und dann – wenn diese Taktiken nichts geholfen haben – von den sowjetischen Truppen besetzt wurden. Das war der Fall 1956, als die Ungarn sich mutig gegen den von Sowjetseite oktroyierten Kommunismus wehrten, und es ist jetzt nicht weniger der Fall, als die Ukraine beschlossen hat, sich am Westen zu orientieren, und eine andauernde Annexion ihres Gebiets und ein blutiger Krieg die Konsequenzen sind. Die russische „Sicherheitszone“ produziert genau das Gegenteil von dem, was ihr Name verspricht: Unsicherheit, denn sie ist durch brutale Invasion etabliert worden und wird durch gewalttätige Unterdrückung erhalten.

Es war nicht viel Zusammenhang aus Cohens mäandernder Antwort zu hören; allein seine Behauptung, dass „die eigentliche Intention der Nato verloren ist“; jetzt, da die Sowjetunion nicht mehr besteht. Vor Februar 2014 hätten dem wohl viele zugestimmt, doch ich würde Cohen einfach darum bitten, eine Umfrage unter den Bewohnern in Polen oder den Staaten des Baltikums zu machen, wo die Nato noch immer eine wichtige Aufgabe hat. Indem er sich dann die Kappe eines Nato-Strategen aufsetzte – eine bizarre Pose für ihn, bedenkt man, wie sehr er das Bündnis verabscheut – behauptete Cohen, dass das „einzige Kriterium“ für einen Beitritt sein sollte, „ob das Hinzufügen weiterer Länder die Sicherheit“ in Europa erhöhe.

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