https://www.faz.net/-gq5-7ws9b

Todesschütze nicht angeklagt : Ferguson-Proteste breiten sich auf ganz Amerika aus

  • Aktualisiert am

Demonstranten beschädigen in Ferguson einen Wagen der Polizei. Bild: dpa

Nicht nur in Ferguson ist es in der Nacht erneut zu Protesten gekommen. In insgesamt 170 Städten und Gemeinden demonstrieren Menschen gegen die Entscheidung einer Jury, den Todesschützen des schwarzen Teenagers Michael Brown nicht anzuklagen.

          Nach der ausgebliebenen Anklage des Todesschützen von Michael Brown ist es in den Vereinigten Staaten landesweit zu Protesten gekommen. In New York gingen in der Nacht zum Mittwoch Hunderte auf die Straße. „Schickt den rassistischen Polizisten ins Gefängnis“, riefen die Menschen. Auch in Los Angeles gab es Proteste, nach Angaben lokaler Fernsehsender wurden drei Menschen festgenommen. Die Demonstrationen verliefen zunächst aber überwiegend friedlich.

          In der Kleinstadt Ferguson, wo der unbewaffnete schwarze Teenager vor drei Monaten von dem weißen Polizisten Darren Wilson niedergeschossen worden war, versammelten sich zwischen 200 und 300 Menschen vor der Polizeistation. Als die Polizei die Menge aufforderte, die Straße zu räumen, kam es nach Angaben eines dpa-Reporters zu mindestens zwei Festnahmen. Amerikanische Medien berichteten von überwiegend friedlichen Protesten in 170 Städten und Gemeinden landesweit - von Oakland und Seattle an der Westküste bis Atlanta, Philadelphia und Baltimore an der Ostküste.

          Am Montagabend (Ortszeit) hatte eine Geschworenenjury nach mehr als drei Monate langen Beratungen entschieden, Wilson nicht anzuklagen. In Ferguson brachen daraufhin schwere Unruhen aus. Es gab Plünderungen, Häuser wurden in Brand gesetzt. Um erneute Unruhen in Ferguson zu verhindern, wurde die Nationalgarde in der Kleinstadt massiv verstärkt. Es würden 2200 Soldaten in der Kleinstadt und Umgebung stationiert, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon. Am Vortag waren es lediglich 700. „Die Gewalt, die wir gesehen haben, darf sich nicht wiederholen“. Bei den Ausschreitungen wurden 61 Menschen festgenommen.

          Fahrzeuge der Nationalgarde fahren in der Nacht durch Ferguson. Bilderstrecke

          Der Todesschütze Wilson meldete sich erstmals öffentlich zu Wort. Er bedauere den Tod Browns, würde aber nicht anders handeln, sagte er dem Fernsehsender ABC. Es war das erste Mal, dass sich Wilson öffentlich zu dem tödlichen Vorfall vom 9. August äußerte. Er habe im August um sein Leben gefürchtet und nur seinen Job getan. Er beschrieb den Teenager als „kräftigen“ Typen.

          „Er wollte mich töten“, sagte der Polizist. Er habe befürchtet, dass Brown ihm seine Dienstwaffe entreißen und sie auf ihn richten könnte. Dass ihn die Tat verfolge, glaube er nicht, sagte Wilson. Der Vorfall werde etwas bleiben, das ihm nun einmal passiert sei. Er habe ein „reines Gewissen“, weil er wisse, dass er seinen Job „richtig gemacht“ habe. Er blieb dabei, dass er in Notwehr gehandelt habe. Danach gefragt, ob er auch so gehandelt hätte, wenn Brown weiß gewesen wäre, sagte der Polizist: „Ja, (...) keine Frage.“

          Amerikas Präsident Barack Obama hat die gewaltsamen Proteste in der Kleinstadt Ferguson verurteilt. Gebäude und Autos in Brand zu setzen und Menschenleben zu gefährden, sei keine konstruktive Antwort, sagte Obama am Dienstag nach den Ausschreitungen im Bundesstaat Missouri. „Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören“, sagte Obama. Solche Taten müssten bestraft werden. Der Präsident räumte aber auch ein: „Dieses Problem ist kein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem.“

          In Ferguson blieben derweil die Schulen und Einrichtungen der Stadt geschlossen. Um Randalen und Plünderungen zu vermeiden, hat der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, weitere Mitglieder der Nationalgarde in die Kleinstadt beordert.

          Der Bürgermeister von Ferguson, James Knowles, sagte, es sei noch keine Entscheidung zur beruflichen Zukunft des Polizisten gefällt worden. Der 28 Jahre alte Wilson ist seit August beurlaubt, wird aber weiterhin bezahlt.

          Weitere Themen

          Auch Merkel wurde überrascht Video-Seite öffnen

          Irans Außenminister bei G-7 : Auch Merkel wurde überrascht

          Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif war am Sonntag überraschend beim G7-Gipfel in Biarritz eingetroffen, um Lösungen im Streit über das Atomprogramm seines Landes zu sondieren.

          Topmeldungen

          Proteste gegen China : Hongkong ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft

          Chinas innenpolitischer Konflikt bedroht die ohnehin schon trübe Weltkonjunktur. Auch Pekings Vorgehen gegen die Fluggesellschaft Cathay sollte deutschen Unternehmen eine Warnung sein – denn auch Daimler und Lufthansa gerieten schon mal ins Fadenkreuz.

          TV-Kritik: Anne Will : Wiederbelebung der Neiddebatte

          Die SPD hatte bisher das einzigartige Talent, die Probleme ihrer Konkurrenz zu den eigenen zu machen. Bei der Debatte um den Solidaritätszuschlag scheint das anders zu sein, wie bei Anne Will zu beobachten war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.