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Wikileaks-Informant : Keine „Unterstützung des Feindes“ durch Bradley Manning

  • -Aktualisiert am

Eine Unterstützerin von Manning vor dem Militärgericht in Fort Meade Bild: AFP

Der Wikileaks-Informant Bradley Manning ist von einem Militärgericht in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Freigesprochen wurde er vom Vorwurf der „Unterstützung des Feindes“. Damit droht ihm keine Todesstrafe.

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          Im Verfahren vor einem Militärgericht ist am Dienstag im Heeres-Stützpunkt Fort Meade nahe Washington der Geheimnisverräter Bradley Manning in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Die Vorsitzende Richterin, Heeres-Oberst Denise Lind, sprach den 25 Jahre alten Heeres-Obergefreiten allerdings frei vom schwersten Vorwurf der „Unterstützung des Feindes“. Die Anklage hatte schon zuvor davon abgesehen, die Todesstrafe zu fordern.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Verhandlungen über das Strafmaß beginnen noch in dieser Woche. Manning hatte darauf verzichtet, das Verfahren vor Militärgeschworenen abzuhalten, und sich zu Beginn des Verfahrens am 3. Juni in zehn der 21 Anklagepunkte schuldig bekannt. Manning hat gestanden, während seiner Stationierung im Irak in den Jahren 2009 und 2010 etwa 700.000 geheime Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks übergeben zu haben. Eines der Videos zeigt einen Hubschrauberangriff auf eine Menschenmenge in Bagdad aus dem Jahr 2007. Unter den Opfern des offenbar irrtümlichen Angriffs waren auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Mehrzahl der von Manning weitergegebenen Dokumente des Pentagons und des State Department beziehen sich auf die Kriegführung und die Stabilisierungsbemühungen im Irak, 90.000 Dokumente betreffen die Lage in Afghanistan.

          „Held“ oder Verräter

          Nach Überzeugung der Militärstaatsanwälte ist Manning ein Verräter, der den Vereinigten Staaten und seinen Kameraden bei den Streitkräften, über die er sich abfällig geäußert habe, durch seine Enthüllungen Schaden zufügen wollte. Er habe auch gewusst, welche Bedeutung seine Enthüllungen für den Feind haben würden, argumentierte Chefankläger Ashden Fein in seinem Schlussplädoyer. Zudem habe Manning aus Eigennutz gehandelt, um die Gunst von Wikileaks-Gründer Julian Assange zu gewinnen.

          Bradley Manning (r.) auf dem Weg zum  Militärgericht in Fort Meade

          Mannings Verteidiger David Coombs porträtierte seinen Mandanten dagegen als naiven Idealisten, der die Öffentlichkeit über Kriegsgreuel informieren wollte, um Leben zu retten. Assange bezeichnete Manning im Sender CNN als „Helden“. Mannings Handeln habe niemandem geschadet, der Prozess gegen ihn sei Teil „des Krieges gegen investigativen Journalismus“, den die Vereinigten Staaten führten.

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