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Washington : Neuer Amoklauf, alte Fragen

  • -Aktualisiert am

Trauer: Vor dem Kapitol in Washington weht die amerikanische Flagge nach dem Amoklauf auf halbmast Bild: dpa

Nach dem Massaker auf einem Marine-Stützpunkt diskutiert Amerika über die Sicherheitsüberprüfungen beim Waffenkauf. Zu einer Verschärfung der Waffengesetze wird es wohl trotzdem nicht kommen.

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          Kaum hatten die amerikanischen Sender am Montag ihre Live-Berichterstattung vor den Toren der Marinewerft in Washington begonnen, stand die Frage wieder im Raum: In welche Liste amerikanischer Katastrophen gehört das Washingtoner Massaker, bei dem ein 34 Jahre alter schwarzer Amerikaner zwölf zivile Mitarbeiter eines Marine-Kommandos erschoss und weitere verletzte?

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Ist das Land Monate nach dem Anschlag auf den Bostoner Marathonlauf und Wochen nach Verhängung der Todesstrafe gegen den Soldaten Nidal Malik Hasan, der im Jahr 2009 auf dem texanischen Stützpunkt Fort Hood 13 Armeeangehörige erschoss, wieder das Opfer eines selbsterklärten Rächers der Taliban geworden? Oder gehört Aaron Alexis, als den die Polizei den durch ihre oder seine eigenen Kugeln umgekommenen Täter später identifizierte, in eine Reihe mit den Amokläufern von Aurora in Texas und Newtown in Connecticut?

          Die Beweggründe bleiben im Dunkeln

          Auch am Dienstag liegen die Beweggründe des Schützen im Dunkeln. Ein islamistischer Hintergrund kann immerhin ausgeschlossen werden, seitdem bekannt ist, dass der Thai lernende Alexis in den vergangenen Jahren regelmäßiger Gast in einem buddhistischen Tempel in der texanischen Großstadt Fort Worth gewesen ist. Aber dafür drängt sich der Vergleich zu einem ganz anders gelagerten Fall auf, der die amerikanische Justiz beschäftigt.

          So wie der des Geheimnisverrats bezichtigte Edward Snowden als Angestellter einer Computerfirma Zugang zu einer großen Masse von heiklen Geheimdokumenten hatte, war auch Aaron Alexis als externer IT-Mitarbeiter für die Marine tätig. Obwohl er bei dem Unternehmen The Experts, das zum Hewlett-Packard-Konzern gehört, offenbar nur stundenweise beschäftigt war, hatte er eine Zugangsberechtigungskarte mit mittlerer Sicherheitsstufe.

          Sie erlaubte es ihm nicht nur, am Montag mit drei Feuerwaffen im Auto auf das Gelände der Werft im Südosten des Hauptstadtbezirks zu fahren, sondern gewährte ihm auch den ungehinderten Zugang in das Gebäude 197. Dort arbeiten etwa 3.000 Marineangehörige und Zivilisten für das Kommando der Seestreitkräfte, das für die Weiterentwicklung der Flotte und ihrer Waffensysteme zuständig ist. Alexis ging in eine der oberen Etagen und schoss von dort aus nach unten ins Atrium, wo sich die Cafeteria befindet.

          Wenig Hoffnung auf einen Sinneswandel im Kongress

          Als Präsident Barack Obama am Montag im Weißen Haus „die nächste Massentötung“ beklagte und über die „unvorstellbare Gewalt bei uns zu Hause“ sinnierte, durchkämmten noch Hunderte Polizeikräfte das historische Marinewerft-Gelände in der Sorge, es könne bis zu zwei weitere Schützen geben. Obama wird sich wenig Hoffnung machen, dass die neuerliche Bluttat seine Gegner im Kongress umstimmt, die sich gegen schärfere Waffengesetze stemmen. Der Präsident und viele Demokraten hatten vor Weihnachten darauf gesetzt, dass die entsetzlichen Bilder aus Newtown, wo ein Amokläufer 20 Grundschüler und sieben Erwachsene erschossen hatte, das Land zum Umdenken bewegen würden.

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