https://www.faz.net/-gq5-896wp

Nach Wahl in Kanada : Konservativer Parteichef tritt zurück

  • Aktualisiert am

Der konservative Parteichef Stephen Harper nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse Bild: AFP

Bei der Parlamentswahl in Kanada zeichnet sich eine deutliche Niederlage der regierenden Konservativen ab. Parteichef und Ministerpräsident Harper zieht die Konsequenzen und tritt von seinem Parteiamt ab.

          1 Min.

          Kanadas Ministerpräsident Stephen Harper wird nach der Niederlage bei der Parlamentswahl als Vorsitzender der Konservativen Partei zurücktreten. Dies kündigte seine Partei am Montag an. In einem Auswahlverfahren werde ein Nachfolger übergangsweise bestimmt werden. Der 56 Jahre alte Harper hatte die kanadische Regierung fast ein Jahrzehnt lang geführt. Ersten Prognosen zufolge schien der Vorsprung seines liberalen Herausforderers Justin Trudeau in der Nacht zum Dienstag nicht mehr einholbar. Demnach holten die Liberalen alle 32 Parlamentssitze in den Atlantikprovinzen an der kanadischen Ostküste, wie es in Fernsehberichten hieß. Auch in den wichtigen Provinzen Ontario und Québec schnitten die Liberalen offenbar gut ab.

          Die Liberalen hatten bereits in den letzten Umfragen vor der Wahl in Führung gelegen. Der 43 Jahre alte Trudeau, seit zwei Jahren Parteichef, hatte im Wahlkampf vor allem die Mittelklasse umworben und mehr Geld für neue Infrastruktur angekündigt. Der seit 2006 regierende Harper warnte dagegen, eine liberale Regierung werde die Steuern erhöhen und das Land abermals ins Defizit stürzen.

          Somit dürfte Trudeau neuer Premierminister werden - wie es bereits sein Vater mit einer Unterbrechung zwischen 1968 und 1984 war. Ob es für die Liberalen jedoch zu einer Mehrheit im Parlament reicht, für die mindestens 170 Sitze notwendig sind, war zunächst noch nicht klar. Nach dem kanadischen Wahlsystem kann sich eine Partei auch mit weniger als 40 Prozent der Stimmen der 26,4 Millionen Wahlberechtigten eine Mehrheit im Parlament sichern. Eine Minderheitsregierung könnte aber politische Instabilität mit sich bringen: Derartige Regierungen halten in Kanada selten länger als 18 Monate. Die sozialdemokratische Neue Demokratische Partei (NDP) mit Spitzenkandidat Thomas Mulcair war zunächst weit abgeschlagen.

          Ein Machtwechsel dürfte zu einem Umbruch in der kanadischen Wirtschafts- und Verteidigungspolitik führen. Die Liberalen haben wie die Neuen Demokraten eine Abkehr von Harpers Sparpolitik angekündigt. Beide Parteien wollen zudem die Angriffe der kanadischen Luftwaffe auf die Extremisten-Miliz Islamischer Staat in Syrien einstellen.

          Harper hatte den Urnengang im flächenmäßig zweitgrößten Land der Welt Anfang August ausgerufen. Mit elf Wochen war der Wahlkampf damit so lang wie seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr. In Umfragen lagen die drei wichtigsten der insgesamt 23 Parteien - die Konservativen, die Liberalen und die Neuen Demokraten - bis vor wenigen Wochen noch Kopf-an-Kopf, bevor Trudeau in Führung ging.

          Kanada : Regierungschef Harper tritt nach Wahlniederlage zurück

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erklärt im Video : Warum Trump gegen die Briefwahl kämpft

          Wurde alles angekreuzt? Stimmt die Unterschrift? Ist die Post schnell genug? Bei Briefwahl kann viel schiefgehen. Kostet das Joe Biden den Wahlsieg in Amerika? Donald Trump hat jedenfalls einen Plan. Unser Video klärt auf.
          Ist mit sich immer noch im Reinen: Jeremy Corbyn.

          Antisemitismus bei Labour : Corbyn hat nichts gelernt

          Der frühere Chef von Labour, Jeremy Corbyn, ist aus seiner Partei geflogen, weil unter ihm Antisemitismus zum Normalzustand wurde. Corbyn Reaktion zeigt, dass er seine eigene Haltung und deren katastrophale Folgen nicht ansatzweise umreißt.
          Ein bisschen Heimat: Das koreanische Restaurant „Heidekrug“ am Oberurseler Waldrand.

          Koreanische Community : Little Seoul im Taunus

          In der Rhein-Main-Region lebt eine der größten koreanischen Communitys Europas. Städte wie Oberursel, Eschborn oder Kronberg bieten fast alles, was ihr Herz begehrt. Inklusive Kieferorthopädie auf Koreanisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.