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Wahl in Argentinien : Nach dem großen Schlachten

Das isst der Gaucho: Ein Rinderhirte grillt in der Pampa bei Buenos Aires. Bild: David Klaubert

In Argentinien endet die Regierungszeit von Cristina Fernández de Kirchner. Wie sehr ihre Politik der Wirtschaft des Landes geschadet hat, zeigt die kriselnde Rinderzucht.

          Sechsundsechzig Bullen und 91 Kühe, prächtige Angus-Rinder, sollen an diesem Nachmittag auf der Estancia Casamú versteigert werden. Doch vor der Auktion wird erst einmal gegessen. Seit 7.30 Uhr liegt das Fleisch über der Glut, mehrere Kilo schwere Brocken. Es brutzelt, Pampa-Wind bläst den Rauch über die benachbarte Weide. Dort reihen sich Geländewagen aneinander.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Gut 150 Rinderzüchter aus dem ganzen Land sind zu der Auktion zwei Autostunden nordwestlich von Buenos Aires gekommen. Die Züchtung von Casamú gilt als eine der besten Argentiniens: geringes Geburtsgewicht, schnelles Muskelwachstum und Fettschwarten, die das Fleisch auf dem Grill besonders saftig und geschmackvoll machen. Serviert wird es von großen Platten, dazu gibt es Sekt und Rotwein. Mitten im Festzelt ist ein Gatter aufgebaut, in dem vor dem Nachtisch die Zuchtrinder versteigert werden. Es herrscht Jahrmarktstimmung. „Wir kommen aus einer langen Nacht. Jetzt spüren wir frischen Wind“, sagt der Tierarzt Pancho Fattorini, der in den Familienbetrieb Casamú eingeheiratet hat. „Schlimmer kann es ja kaum werden.“

          Rindfleisch, das war neben Fußball einst der Stolz der Argentinier, eines der wichtigsten Exportprodukte und Grundnahrungsmittel. Nach zwölf Jahren „Kirchnerismus“ aber, zunächst unter Präsident Néstor Kirchner, dann unter seiner Frau Cristina Fernández de Kirchner, ist es zum Symbol geworden für Misswirtschaft. Ihre Ära, die mit der Wahl am kommenden Sonntag zu Ende geht, war geprägt von Protektionismus und dirigistischen Eingriffen, die auf kurzfristig positive Effekte setzten, langfristig aber enorme strukturelle Probleme aufgebaut haben.

          Boina-Mütze und hoch zu Ross: Gauchos auf der Hacienda Casamú Bilderstrecke

          Als Néstor Kirchner 2003 an die Macht kam, war Argentinien bankrott. Armut und Arbeitslosigkeit stiegen in die Höhe, wütende Demonstranten füllten die Straßen. Ein Präsident war im Hubschrauber aus dem Regierungssitz geflohen, vier weitere lösten sich innerhalb von Monaten ab. Kirchner gelang es, einen Schuldenschnitt durchzusetzen. Er führte Argentinien in eine Phase der Stabilität und brachte dank steigender Rohstoffpreise einen wirtschaftlichen Aufschwung. Auch der Export von Rindfleisch boomte. 2005 verkaufte Argentinien 771.000 Tonnen und war damit drittgrößter Rindfleisch-Exporteur der Welt.

          Kirchner hatte aber auch versprochen, den „Tisch der Argentinier“ mit günstigen Lebensmitteln zu füllen. Als die Preise für Rindfleisch im Inland stiegen, griff seine Regierung ein. Für mehrere Wochen verbot sie den Export vollständig, danach ließ sie ihn nur stark eingeschränkt wieder zu. Und tatsächlich fielen dank des plötzlichen Überangebots die Preise in den argentinischen Metzgereien. Doch die Freude darüber hielt keine drei Jahre lang. Für viele Viehzüchter lohnte sich das Geschäft nicht mehr. Sie schlachteten ihre Herden, der Bestand sank von 59 Millionen auf unter fünfzig Millionen. Auf dem Weltexportmarkt fiel Argentinien auf den zwölften Platz zurück und liegt nun noch hinter dem kleinen Nachbarn Uruguay. An den argentinischen Kühltheken aber stiegen die Preise bald wieder, ungeachtet immer neu diktierter Höchstgrenzen.

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