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Waffenrecht : Die Ruhe nach dem Sturmgewehr

  • -Aktualisiert am

Polizeieinsatz nach einem Amoklauf im Juli 2012 in einem Kino in Aurora Bild: dpa

Das Entsetzen hält selbst nach Massakern in Schulen mit Kindern als Opfer nicht lange an. Der amerikanische Präsident Obama sucht jetzt in Colorado Verbündete für ein neues Waffenrecht.

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          Im Kino „Century 16“ in Aurora in Colorado ist das Tragen von Kapuzenpullovern inzwischen verboten, selbst wenn die Kapuze nicht über den Kopf gezogen ist. So jedenfalls steht es auf Warnschildern, die an den Eingangstüren angebracht sind. Doch an den kalten Abenden am Fuß der Rocky Mountains ist der „Hoody“ fester Bestandteil der Kleidung der Jugendlichen von Aurora - und in Wahrheit wird im Kino auch kein Kapuzenpulloverträger abgewiesen. An den Kassen stehen die Leute geduldig in der Warteschlange und freuen sich auf die Teenie-Komödie „Spring Breakers“ oder den Katastrophenschinken „Olympus Has Fallen“. Es riecht nach Popcorn. Nichts erinnert an den furchtbaren Amoklauf, der das Kino in der Vorstadt von Denver im Sommer des vorigen Jahres zu trauriger Berühmtheit gebracht hat.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der offenbar geistesgestörte James Holmes war am 20. Juli mit Maske, Helm und schusssicherer Weste in die Mitternachtspremiere des „Batman“-Films „The Dark Knight Rises“ gestürmt und hatte mit einem Schnellfeuergewehr wahllos in die dicht besetzten Zuschauerreihen geschossen. Zwölf Menschen starben, 58 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Nach dem Massaker ließ sich Holmes auf dem Parkplatz vor dem Kino von der alarmierten Polizei festnehmen. Vor Gericht soll nun geklärt werden, in welchem Umfang der 25 Jahre alte ehemalige Student der Universität von Colorado schuldfähig ist. Das Verfahren tritt in dieser Woche in die entscheidende Phase. Holmes’ Anwälte wollen erreichen, dass er im Gegenzug für ein Schuldbekenntnis zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt wird. Die Ankläger haben am Montag die Todesstrafe gefordert.

          Minimalkonsens in Fragen auf Leben und Tod

          Das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien hält sich in Grenzen. Die einschlägigen Fernsehsendungen und Illustrierten sind voller Berichte über den Prozess gegen eine gewisse Jodi Arias, die ihren einstigen Geliebten mit 29 Messerstichen, einem tiefen Schnitt durch die Kehle und einem Kopfschuss zu Tode gebracht hat - in Notwehr, wie die Angeklagte in dem Sensationsverfahren beteuert. An den Amoklauf von Aurora wurden die Amerikaner zuletzt erinnert, als sich an der fernen Ostküste die nächste Horrortat ereignete: Adam Lanza richtete in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown in Connecticut ein Blutbad unter Erst- und Zweitklässlern sowie unter Lehrern und Angestellten an; zwanzig Kinder und sieben Erwachsene starben, ehe der Täter beim Eintreffen der Polizei die Waffe gegen sich selbst richtete.

          Schon hat Präsident Barack Obama wieder Mühe, die Öffentlichkeit für seinen Plan zu interessieren, das Waffenrecht zu verschärfen. In dem aufgeheizten Streit über von Kugeln durchsiebte Kinderkörper einerseits und das Verfassungsrecht zum Erwerb und Tragen einer Waffe andererseits beschränkt sich der Konsens darauf, dass Bluttaten geistig verwirrter junger Männer kaum je werden verhindert werden können. Daraus ergibt sich die Frage, ob wenigstens die Folgen der Massaker minimiert werden könnten, zum Beispiel durch das Verbot von Schnellfeuerwaffen und Magazinen mit Dutzenden Schuss Munition.

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