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Mexiko : Ein Land aus dem Lot

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Eine Gruppe von Lehrern demonstriert vor der Nationalen Wahlbehörde in Mexiko-Stadt. Aus Protest gegen die Regierung boykottieren viele Mexikaner die Regionalwahlen vom kommenden Sonntag. Bild: dpa

Vor den Wahlen in Mexiko fordern Banden und Parteien den Staat heraus. Der Krieg gegen die Drogenmafia eskaliert. Die Mexikaner halten ihre Politiker für zutiefst korrupt - ihnen bleibt nur der Boykott.

          Héctor López Cruz wollte sich am kommenden Sonntag in den Gemeinderat von Huimanguillo wählen lassen. Doch vor drei Wochen, als er in der Kleinstadt des südmexikanischen Bundesstaats Tabasco gerade sein Haus verließ, kam ein Auto angerast. Drei schwerbewaffnete Männer streckten den Lokalpolitiker mit 16 Schüssen nieder. Im Staat Michoacán wurde am selben Tag Enrique Hernández Salcedo auf einer Kundgebung erschossen, auf der er sich für das Amt des Bürgermeisters von Yurécuaro anpreisen wollte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Reflexhaft sprach seine Partei, die linkspopulistische Morena, von einem „Staatsverbrechen“, da die Polizei den Politiker nicht beschützt habe. Im Nachbarstaat Guerrero war Aidé Navan González, der das Örtchen Ahuacotzingo im Hochgebirge regieren wollte, schon im März enthauptet aufgefunden worden.

          Höchste Alarmstufe in sieben Bundesländern

          Auch Politiker, die ins nationale Parlament strebten, wurden in den vergangenen Wochen entführt, gefoltert, getötet. Siebzig Angriffe und 19 Morde verzeichnet eine Statistik zu den diesjährigen Kommunal-, Regional- und Parlamentswahlen. Einige traf es, weil sie beim organisierten Verbrechen nicht mitmachen wollten. Andere sind schon lange in Rauschgifthandel oder Schutzgelderpressung verstrickt und fallen Bandenkriegen zum Opfer.

          In sieben Bundesstaaten herrscht höchste Alarmstufe. Soldaten und hochgerüstete Bundespolizisten patrouillieren in Städten und auf Landstraßen. Doch sie kommen gegen die mafiöse Hydra nicht an. Präsident Enrique Peña Nieto wollte den von seinem Vorgänger ausgerufenen „Krieg gegen die Drogen“ nicht mehr auf offener Bühne ausfechten.

          Doch gerade erleben die Mexikaner die Geburt eines neuen Monsters im Staat Jalisco. Dort hat sich das Kartell „Neue Generation“ zu einer paramilitärischen Regionalmacht verwandelt. Vor wenigen Wochen schoss sie einen Armeehubschrauber ab. Um die nächtliche Schießerei kurze Zeit später, in deren Verlauf Sicherheitskräfte des Bundes 42 Mitglieder der Bande töteten, ranken sich Fragen. Schon weil bei der Aktion nur ein einziger Polizist umgekommen sein soll, argwöhnen Menschenrechtler, dass es sich eher um widerrechtliche Tötungen als um ein Feuergefecht gehandelt haben könnte. Im vergangenen Jahr hatten Soldaten in Tlatlaya ein Massaker angerichtet. Die Justiz hielt sich mit Ermittlungen in der Sache sehr zurück.

          Tricksereien und Manipulationen gehören zum Wahlkampf

          Mexikaner in friedlicheren Landesgegenden sind derweil mit grünen Rucksäcken beschäftigt. Denn die Partei der Grünen verschenkt seit Wochen Schultaschen mit Stiften, Heften, Thermoskanne, Hemd oder Bluse, Armbanduhr - und einer Kopie des Wahlzettels, die zeigt, wo die Kreuze zu setzen sind. Wer keine Kinder hat, kann bei den Grünen gratis eine Guthabenkarte fürs Handy bekommen. Niemand bestreitet, dass das illegale Wahlwerbung ist. Doch die populistische Partei, die mit Ökologie wenig am Hut hat, aber in unverbrüchlicher Treue zur Regierungspartei PRI steht, fordert die Nationale Wahlbehörde heraus.

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