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Verhandlungen mit Farc : Land in Sicht

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Der Verhandlungsführer der Farc: Iván Márquez. Bild: AFP

Kolumbiens Regierung redet seit vorigem Jahr in Havanna mit den Farc über Frieden. Ein Abkommen über eine Agrarreform feiern beide nun als Erfolg. Doch sie steht unter Vorbehalt und markiert nur eine erste Etappe.

          Mit einem Mal scheint in Havanna der Durchbruch gelungen zu sein. Euphorisch verkündeten die Delegationen der kolumbianischen Regierung und der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) nach einem halben Jahr der Friedensgespräche in Kuba, sie hätten sich in einem der heikelsten Verhandlungspunkte geeinigt: der Agrarreform. Die ungleiche Landverteilung und -nutzung ist immerhin der Hauptanlass gewesen, weshalb sich die Guerrilla in Kolumbien etabliert und ein halbes Jahrhundert lang das Land terrorisiert hat.

          Beide Seiten haben sich nun auf Regeln zum Zugang und zur Nutzung von Ländereien, den Umgang mit Brachflächen, die Bildung von Landbesitz, den Ausbau der ländlichen Infrastruktur, die soziale Entwicklung und andere Aspekte geeinigt. „Integrale Landreform“ nennt sich die Vereinbarung. Sie sei der „Beginn radikaler Veränderungen der ländlichen Realität“, bestimmt von „Gleichheit und Demokratie“, hieß es am Verhandlungstisch.

          Doch die Übereinkunft behandelt nur den ersten von fünf Themenkomplexen, die bei den Friedensgesprächen auf der Tagesordnung stehen. Und endgültig festgezurrt scheint auch sie noch nicht zu sein. Der Verhandlungsführer der Farc, Iván Márquez, wies jedenfalls darauf hin, dass es immer noch einige „Vorbehalte“ gebe und über die eine oder andere Ausnahme noch gesprochen werden müsse. Bei früheren Kontakten zwischen Regierung und Guerrilla bot gerade die Diskussion über das Kleingedruckte den Anlass, den Dialog scheitern zu lassen.

          Fünf vergebliche Einigungsversuche

          Zuvor hatte es mindestens fünf vergebliche Versuche gegeben, über das Agrarthema eine Einigung zu erzielen. Inzwischen haben beide Seiten jedoch offenbar so viel Vertrauen zueinander gefasst, dass sie sich zum Erfolg der Gespräche verurteilt fühlen. Sie sind sich aber auch einig, dass erst dann ein Friedensschluss möglich ist, wenn bis zum allerletzten Punkt eine Übereinkunft erzielt worden ist. „Es wird keine teilweise Anwendung der Vereinbarungen geben“, erläuterte der Leiter der Regierungs-Delegation, der frühere Vizepräsident Humberto de la Calle.

          Das Übereinkommen zur Agrarreform konzentriert sich vor allem darauf, den Kleinbauern Zugang zu Land zu verschaffen, den Kleinlandbesitz zu fördern und die Armut unter der Landbevölkerung zu bekämpfen. Die Vereinigung der kolumbianischen Viehzüchter, in der vor allem Großgrundbesitzer organisiert sind, hat postwendend die Vereinbarung kritisiert und sie als „unglücklich“ bezeichnet. Allerdings gehörte sie von Anfang an zu den wenigen Organisationen in Kolumbien, die sich grundsätzlich gegen den Friedensprozess aussprachen. Sie hatte sich auch nicht an dem von den UN und der Nationaluniversität organisierten Sozialforum beteiligt, das Vorschläge der Zivilgesellschaft zur Agrarreform zusammentrug und an den Verhandlungstisch in Havanna weitergab.

          Humberto de la Calle: „Es wird keine teilweise Anwendung der Vereinbarungen geben.“

          Der Großgrundbesitz ist trotz der Übereinkunft weiterhin ein Zankapfel und Gegenstand der noch ausstehenden Gespräche. Während die Regierung darauf beharrt, dass jede Form von privatem Landbesitz weiterhin möglich sein müsse, verlangt die Guerrilla, dass die Veränderungen, die der Friedensprozess bringen werde, auch den Großgrundbesitz tangieren müsse. Zwischen beiden Seiten herrscht auch Uneinigkeit über die Zahl der Bauern, die durch den mit Waffengewalt ausgetragenen Konflikt vertrieben und ihrer Ländereien beraubt wurden. Während die Regierung glaubt, es seien 250000 Personen, glauben die Farc, die selbst zu einem nicht geringen Teil die Vertreibungen verursacht haben, dass sechs bis acht Millionen Bauern betroffen seien, denen neues Land zugeteilt werden müsse.

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