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Unterdrückt in Kuba : Die Freiheit der Anderen

„Cuba sí! Castro no!“: Die „Damen in Weiß“ demonstrieren in Havanna. Bild: David Klaubert

Viele kubanische Dissidenten glauben nicht an den Wandel. Das Regime überwacht und schikaniert sie weiterhin. Auch wer sich arrangiert hat, fürchtet stets, alles zu verlieren.

          9 Min.

          Ángel Moya Acosta hat eine Notfalltasche. Sie ist zum Umhängen, aus festem grünen Stoff. Der Inhalt: eine Rolle Klopapier, ein langärmliges Jeanshemd, Badelatschen, zwei Liter Wasser und sechs Schmerztabletten. Vor knapp drei Wochen hatte sie ihren letzten Einsatz. Es war am 10. Dezember, dem Tag, den die Vollversammlung der Vereinten Nationen 1948 zum Tag der Menschenrechte gemacht hat.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Morgens gegen zehn brachen Moya und seine Frau Berta Soler von Alamar Richtung Havanna auf. Alamar ist eine Arbeitersiedlung, ein paar Kilometer östlich der kubanischen Hauptstadt, wo die Küste noch felsig und verdreckt ist, kurz vor den feinsandigen „Playas del Este“. Graue Plattenbauten reihen sich hier aneinander; nur die Fransenköpfe der Palmen und die bunte Wäsche auf den Balkonen verleihen ihnen etwas tropische Leichtigkeit. Die Straßen haben keine Namen. Zone 18, Gebäude 657, Wohnung 20 lautet die Adresse von Moyas Schwägerin, bei der die beiden mit ihrem Sohn, ihrer Tochter, dem neu geborenen Enkel und ihrer Hündin „Linda“ leben.

          Alamar bei Havanna
          Alamar bei Havanna : Bild: David Klaubert

          In der Nähe des „Habana Libre“, ehemals „Havana Hilton“, dann eine Zeitlang Hauptquartier der siegreichen Guerrilleros um Fidel Castro, wollten Moya und Soler an diesem Tag für die Achtung der Menschenrechte in Kuba demonstrieren. Die „Damas de Blanco“, die „Damen in Weiß“, deren Sprecherin Soler ist, und andere Gruppen hatten dazu aufgerufen. Doch Soler und Moya kamen nicht weit.

          Schon auf dem schmalen Weg vor ihrem Wohnblock fiel ihnen ein Pärchen auf, junge Leute, die sie zuvor noch nie im Viertel gesehen hatten, die dort auf einer Bank saßen. Und wenige Blocks weiter, bei der Poliklinik von Alamar, bogen plötzlich vier Autos um die Ecke. „Moderne Autos, Hyundai und eine indische Marke. Autos aus dem Kapitalismus“, sagt Soler, als sie und ihr Mann die Geschichte Tage später in ihrer Wohnung erzählen.

          „Ihr seid festgenommen“, sagte einer der Männer in Zivil, die aus den Autos stiegen. Mehr sagten sie nicht. Moya musste in ein Auto, Soler in ein anderes. Soler wurde auf eine Polizeiwache gebracht, in ein Büro mit zwei Polizistinnen. Moya in eine Arrestzelle ohne Licht, ohne Wasser, ohne Kontakt zur Außenwelt. Und ohne zu wissen, wie lange diesmal. Er war froh um seine Tasche.

          Ángel Moya Acosta und Berta Soler
          Ángel Moya Acosta und Berta Soler : Bild: David Klaubert

          Fast zehn Jahre hat Moya, geboren 1964, schon in den Gefängnissen des Castro-Regimes verbracht, weil er dessen Politik offen kritisiert. Zuletzt wurde er im „Schwarzen Frühling“ 2003 zusammen mit 74 weiteren Oppositionellen verhaftet und verurteilt: 20 Jahre Gefängnis wegen Verrats, Söldnertums, Kooperation mit den Vereinigten Staaten und Weitergabe falscher Informationen.

          Castros Überwachungs-Staat: Drangsalieren in Freiheit

          Nach langen Verhandlungen der spanischen Regierung und der katholischen Kirche mit dem kubanischen Regime kam die „Gruppe der 75“ im Frühjahr 2011 frei. 53 von ihnen wurden gezwungen, Kuba sofort zu verlassen. Moya und andere, die sich dem Exil verweigerten, durften „aus gesundheitlichen Gründen“ vor dem Ende ihrer Haftstrafe aus dem Gefängnis. Auf Bewährung. Ins Ausland reisen darf Moya nicht. Er wird ständig vom Geheimdienst überwacht. Er wird abgehört und beschattet, mal verdeckt, mal offen. Er wird bedroht. Und immer wieder wird er ohne Angabe von Gründen in Polizeizellen gesperrt.

          Seit Raúl Castro 2006 sukzessive die Macht von seinem fünf Jahre älteren Bruder Fidel übernommen hat, hat das Regime die Taktik gegenüber seinen Kritikern geändert. Sie werden nicht mehr in Prozessen verurteilt, die internationales Aufsehen erregen könnten. Stattdessen werden sie in vermeintlicher Freiheit drangsaliert.

          Martha Beatriz Roque
          Martha Beatriz Roque : Bild: David Klaubert

          Was das bedeutet, kann auch Martha Beatriz Roque erzählen. Sie erlebt es jeden Tag. Roque ist 69 Jahre alt, war einst Wirtschaftsprofessorin an der Universität von Havanna. Dann kritisierte sie in einer Vorlesung die Erschießung eines wegen Hochverrats verurteilten Generals und verlor ihre Stelle. Später setzte sie sich kritisch mit der Wirtschaftspolitik in Kuba auseinander. Mehr als drei Jahre hat sie deshalb im Gefängnis verbracht.

          In der Propaganda des Regimes ist Roque eine Kriminelle, eine Söldnerin, eine Konterrevolutionärin. Das kann sie lesen, jedes Mal, wenn sie ihre Wohnung in einem mehrstöckigen Wohnblock im Zentrum Havannas verlässt. Direkt vor ihrer Tür hängt ein Porträt Fidel Castros, ein Stück weiter die Pinnwand des CDR, des „Comité de Defensa de la Revolución“. Diese Nachbarschaftsvereinigungen gibt es in Kuba in jedem Stadtviertel, auch in großen Wohnhäusern. Ihre Anführer sind Blockwarte im Auftrag der Kommunistischen Partei.

          Hetze des Regimes - vor der Wohnungstür der Regimekritikerin
          Hetze des Regimes - vor der Wohnungstür der Regimekritikerin : Bild: David Klaubert

          Im Flur vor Roques Wohnung hat das CDR Hetzartikel aus der Staatszeitung „Granma“ aufgehängt, ein Foto von Roque und von der Staatssicherheit gehackte E-Mails, die ihre Agententätigkeit für die Vereinigten Staaten belegen sollen. Immer wieder versammelt sich vor dem Haus eine Meute, die sie im Auftrag der Behörden stundenlang beschimpft. Acto de Repudio, Akt der Ablehnung, nennen sie das. Bis zur Wohnungstür seien ihr die Aufwiegler schon gefolgt, sagt Roque, hätten sie bedrängt und geschlagen. „Ich habe hier schon so viel Feindseligkeit erlebt. Ich würde gern ausziehen.“

          Reisefreiheit und andere Rechte als Farce

          Im Rahmen der Reformen, die Raúl Castro seit seiner Machtübernahme durchgeführt hat, ist es Kubanern nun nach Jahrzehnten des Verbots wieder erlaubt, Immobilien zu kaufen. Am Prado-Boulevard im Zentrum Havannas sitzen seither Makler, die auf eingeschweißten Farbausdrucken Häuser und Wohnungen anpreisen. Sechzehnseitige Heftchen voll von Angeboten haben sie. Doch kaum ein Kubaner, dem nicht Verwandte aus Miami oder Spanien Devisen schicken, kann sich die angeschriebenen Preise leisten.

          „Es gibt keinen echten Wandel“, sagt Roque. „Es werden grundlegende Rechte wiedereingeführt – von denen aber kaum einer Gebrauch machen kann.“ Als weiteres Beispiel nennt sie die Reisefreiheit, die Castro seinem Volk seit knapp zwei Jahren gewährt: Schon die Gebühr für den notwendigen Reisepass liegt mit 100 Dollar ein Vielfaches über dem durchschnittlichen kubanischen Monatslohn. Und aus Gründen des „öffentlichen Interesses“ kann der Reisepass noch immer verweigert werden.

          Auf seinem Weg der Reformen, den er selbst als „Aktualisierung des sozialistischen Modells“ bezeichnet, hat Raúl Castro auch Hunderttausende Staatsangestellte entlassen. Im Gegenzug erhielten die Betroffenen Lizenzen, die ihnen erlauben, was in der kommunistischen Planwirtschaft zuvor verboten war: Sie dürfen Geschäfte auf eigene Rechnung machen.

          Das große Warten: Auch Rikscha-Fahrer dürfen seit den Reformen auf eigene Rechnung arbeiten. Bilderstrecke
          Kuba : Die neue Marktwirtschaft

          Und sie müssen. In den Hauseingängen Havannas drängen sich nun Tausende winzige Geschäfte, Handy-Reparaturwerkstätten, zwei Stühle, ein Tisch und fertig ist der Maniküresalon. Fliegende Händler verkaufen Krimskrams, Zahnpasta, Büstenhalter oder ziehen Obstkarren durch die Stadt. Rikscha-Fahrer strampeln sich ab. Junge Frauen und Männer prostituieren sich rund um die Touristenhotels – auch wenn das offiziell verboten ist.

          Die Gewinner der Raúlschen Reformen sind vor allem diejenigen, die das nötige Kapital für eine Anfangsinvestition hatten. Sie fahren nun ihr eigenes Taxi, vermieten Gästezimmer in ihren Wohnungen und betreiben kleine Privatrestaurants. Sie verdienen CUC, Peso Convertible, die kubanische Devisenwährung, die früher Touristen vorbehalten war. Davon können viele gut leben, viel besser als vom Einheitslohn der Staatsangestellten, der in Pesos Cubanos, der offiziellen Währung, ausgezahlt wird.

          „Die Repression ist auch eine ökonomische“

          Aus der Abhängigkeit des Staates aber kann sich keiner befreien. So bürokratisch und langwierig die Genehmigung der notwendigen Lizenzen ist, so schnell sind sie wieder entzogen. Wer sich mit dem eigenen Geschäft etwas Wohlstand erarbeitet hat, lebt ständig in der Angst, alles zu verlieren. Und wer jeden Tag ums Überleben kämpft, hat sowieso keine Zeit für Politik. „Die Repression in Kuba ist auch eine ökonomische“, sagt Vladimiro Roca Antunes.

          Vladimiro Roca Antunes
          Vladimiro Roca Antunes : Bild: David Klaubert

          Roca, geboren 1942, ist der Sohn von Blas Roca Calderio, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Kubas. Er Roca wurde in der Sowjetunion zum Kampfpiloten ausgebildet, diente zehn Jahre in der kubanischen Armee.

          Auch er war lange Kommunist – bis er sich Anfang der neunziger Jahre mit der Regierung der Castros überwarf. Er veröffentlichte kritische Analysen und verbrachte deshalb fast fünf Jahre im Gefängnis. Er gründete die Sozialdemokratische Partei Kubas – die aber wie all die anderen oppositionellen Zusammenschlüsse nicht mehr als eine Splittergruppe blieb.

          Eine echte Opposition haben die Castros in den 56 Jahren seit der Revolution nie entstehen lassen. Von den Dutzenden Gruppen, die teils zusammenarbeiten, teils zerstritten sind, haben es nur einzelne Dissidenten in Kuba zu Bekanntheit gebracht. Eine der wenigen Ausnahmen sind die „Damas de Blanco“, die Berta Soler mit anderen Ehefrauen, Schwestern und Müttern nach dem „Schwarzen Frühling“ 2003 gründete, um für die Freilassung ihrer Angehörigen zu protestieren.

          Jeden Sonntag marschieren die „Damas de Blanco“ eine Straße im Viertel Miramar in Havanna entlang.
          Jeden Sonntag marschieren die „Damas de Blanco“ eine Straße im Viertel Miramar in Havanna entlang. : Bild: David Klaubert

          Bis heute kämpfen sie für die Menschenrechte, versammeln sich jeden Sonntag in weißer Kleidung vor der Kirche Santa Rita in Havanna. Rund 300 Frauen hätten sich der Gruppe inzwischen angeschlossen, sagt Soler, überall in Kuba.

          Viele andere Dissidenten sind nur jenseits der Insel wirklich bekannt, gerade die jüngeren wie die Bloggerin Yoani Sánchez, die in sozialen Netzwerken Hunderttausende Follower aus aller Welt hat. In den staatlichen kubanischen Medien kommen diese Dissidenten nicht vor. Privaten Zugang zum Internet wird kaum einem genehmigt. Und in den Touristenhotels, in die die Kubaner erst seit kurzem überhaupt dürfen, kostet die Stunde Internet bis zu zwölf Dollar. Kritische Seiten wie „14ymedio“ von Yoani Sánchez sind überall gesperrt.

          Die Jugend verzweifelt an der Perspektivlosigkeit

          Eine soziale Bewegung nach dem Vorbild des arabischen Frühlings kann so kaum entstehen – obwohl die Unzufriedenheit auch in der jungen Generation groß ist. Deren Vertreter haben den ewigen Stillstand satt, die Isolation vom Rest der modernen Konsumwelt, die doch nur 90 Meilen vor Havanna in Florida beginnt und die sie aus den Filmen und Serien, die überall auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, bestens kennen.

          Sie verzweifeln an der Perspektivlosigkeit, der sie ausgeliefert sind. Daran, dass sie nach fünf Jahren Studium doch Taxi fahren oder Souvenirs an Touristen verkaufen müssen, weil sie nur so über die Runden kommen.

          „Embargo - Der größte Genozid der Geschichte“: Noch hängt in Havanna die kriegerische Propaganda der Castros gegen die Vereinigten Staaten.
          „Embargo - Der größte Genozid der Geschichte“: Noch hängt in Havanna die kriegerische Propaganda der Castros gegen die Vereinigten Staaten. : Bild: David Klaubert

          Die Revolutionsrhetorik und der kriegerische Antiamerikanismus des Regimes sind für die meisten jungen Kubaner längst konservierte Geschichte. Und so waren viele euphorisch, als Raúl Castro und Barack Obama am 17. Dezember eine Normalisierung der Beziehung ihrer Länder bekanntgaben. Gefangene Agenten wurden ausgetauscht. Castro kündigte die Freilassung von 53 politischen Gefangenen an (die er in seiner Ansprache nicht als solche bezeichnete, in der offiziellen Rhetorik gibt es schließlich keine politischen Gefangenen; stattdessen sprach Castro von „Personen, an denen die Regierung der Vereinigten Staaten Interesse gezeigt hat“).

          David gegen Goliath - nur ohne Kampf

          Obama kündigte im Gegenzug an, das Wirtschaftsembargo zu lockern, das Kuba seit den sechziger Jahren schwer zugesetzt und zugleich den Castros all die Jahre als Ausrede für die eigene Misswirtschaft gedient hat. „Ohne Kampf geht David lächelnd auf Goliath zu, der dabei ist, seinen Beutel voll Münzen zu öffnen“, beschrieb Yoani Sánchez am Tag der überraschenden Nachricht die Hoffnung vieler Kubaner.

          Keine Botschaft: Die „Ständige Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika“ in Havanna
          Keine Botschaft: Die „Ständige Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika“ in Havanna : Bild: David Klaubert

          Dissidenten wie Marta Beatriz Roque teilen den Optimismus nicht. „Die Amerikaner sind sehr euphorisch“, sagt sie, einen Tag nachdem sie mit anderen Dissidenten zu einem Gespräch in der „Ständigen Vertretung der Vereinigten Staaten“ unten am Malecón, der Uferpromenade Havannas, war. „Ich glaube aber, ihre Ankündigungen sind utopisch.“

          Eine Lockerung des Embargos, dank der Baumaterialien, landwirtschaftliches Gerät und allerlei Telekommunikationsgerät aus den Vereinigten Staaten nach Kuba gelangen sollten, sei nutzlos, wenn die kubanische Regierung diese Waren nicht auf die Insel lasse, sagt Roque. Ein entsprechendes Zollgesetz sei erst vor kurzem verschärft worden.

          Anzeichen für eine Lockerung seiner Restriktionspolitik hat Raúl Castro selbst den Kubanern bislang nicht gegeben – weder bei seiner Fernsehansprache am 17. Dezember noch bei seiner Rede vor dem Parlament wenig später. „Wir waren immer zu einem respektvollen Dialog bereit“, sagte er in Bezug auf Obamas Annäherung. Und fügte hinzu: „Ohne dass ein Schatten auf unsere nationale Unabhängigkeit und Selbstbestimmung geworfen wird und, wie Fidel zu sagen pflegte, ohne einen einzigen unserer Grundsätze aufzugeben.“

          Am 20. Dezember sprach Raúl Castro vor dem kubanischen Parlament - das nur alle paar Monate in einem Kongresszentrum in Havanna zusammenkommt.
          Am 20. Dezember sprach Raúl Castro vor dem kubanischen Parlament - das nur alle paar Monate in einem Kongresszentrum in Havanna zusammenkommt. : Bild: Reuters

          „Die Situation ist nebulös“, sagt Vladimiro Roca Antunes. Die Ansätze Obamas findet er gut. Sie könnten sowohl der kubanischen Opposition als auch dem Volk neue Freiräume geben, sagt er. Doch werde die kubanische Regierung alles tun, sie zu torpedieren. „Fidel ist der Bremsklotz“, sagt Roca. „Solange er lebt, kann Raúl nichts machen, was der Politik seiner Bruders widerspricht.“

          Schon vor einigen Jahren, als Fidel schwer krank war und viele ihn im Sterben glaubten, sei eine Abordnung des Militärs, das seit der Machtübernahme Raúls immer mehr Posten im Staatsapparat besetzt hat, nach China gereist. Ein Modell des Staatskapitalismus nach dortigem Vorbild, glaubt Roca, schwebe Raúl und seinen Männern letztlich vor.

          Dass sich das kubanische Regime nach dem Entgegenkommen Obamas auch in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte bessern könnte, glauben Berta Soler, die Dame in Weiß, und ihr Mann Ángel Moya Acosta nicht. In der amerikanischen Regierung sahen sie wie viele andere Dissidenten auch bislang einen verlässlichen Verbündeten – der sie durch den direkten Dialog mit Castro nun außen vor lässt. „Das kubanische Volk wird davon nicht profitieren“, sagt Soler. „Profitieren wird nur die Regierung.“

          Von den 53 politischen Gefangenen, die freigelassen werden sollen, ist bislang nichts bekannt. Auch ist völlig unklar, wie viele politische Gefangene überhaupt noch in den kubanischen Gefängnissen sitzen. Die meisten Schätzungen gehen von 80 bis 120 aus.

          „Cuba sí! Castro no!“

          Und wie sich die vermeintliche Freiheit des Castro-Regimes anfühlen kann, wissen Moya und Soler nur zu gut. Sieben Stunden lang wurden sie am Tag der Menschenrechte festgehalten – wie Dutzende ihrer Mitstreiter auch. Nur wenige schafften es in die Nähe des „Habana Libre“. Und die seien dort von Polizisten geschlagen worden, sagt Soler. Einer „Dama de Blanco“ hätten sie die Hand gebrochen.

          Am Sonntag darauf fanden sich trotzdem wieder mehr als sechzig Frauen vor der Kirche Santa Rita ein, die etwas abgelegen im Wohnviertel Miramar liegt. Mit ihren Gladiolen in Pink gingen sie in ihrer weißen Kleidung die Straße entlang. „Cuba sí! Castro no!“, riefen sie laut. Begleitet wurden sie von einer Handvoll internationaler Journalisten, die nach der überraschenden Ankündigung Obamas und Castros gekommen waren und die fotografierten und filmten. Castros Schergen ließen die „Damas de Blanco“ an diesem Sonntag gewähren. Bilder von Frauen, die ganz in Frieden demonstrieren, dürften dem Regime derzeit nicht ungelegen kommen.

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