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Vereinigte Staaten : Vier Minuten Bush sein

Im George W. Bush Museum: Detailgetreue Rekonstruktion des „Oval Office“ Bild: UPI/laif

In Dallas ist die George-W.-Bush-Präsidentenbibliothek eröffnet worden. Hier ist Interaktivität alles: Besucher können sich in die Lage des 43. Präsidenten versetzen.

          4 Min.

          Mehr als vier Jahre lang hat George W. Bush beharrlich geschwiegen - jedenfalls in der Öffentlichkeit. Auch im Wahlkampf 2012. Vor allem hat er, anders als sein früherer Vizepräsident Dick Cheney, niemals auch nur ein Wort der Kritik an seinem Amtsnachfolger Barack Obama geäußert. Freilich hält Bush pro Jahr gut fünf Dutzend Vorträge bei Veranstaltungen hinter verschlossenen Türen, für jeweils sechsstellige Honorare, was dem agilen Rentner von 66 Jahren ein sehr gutes Auskommen garantiert.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Er lebt mit seiner Frau Laura im Nobelviertel Preston Hollow im Norden von Dallas, schwingt regelmäßig das Eisen im Brook Hollow Golf Club und schwitzt auf dem Mountain Bike bei Touren mit kriegsversehrten Veteranen, für die er Spenden sammelt. Jüngst hat er mit dem Malen begonnen; unter Anleitung eines Lehrers versucht er sich meist an Stillleben oder Tierporträts.

          Am Donnerstag stand der 43. Präsident zum ersten Mal seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus vom Januar 2009 wieder im Rampenlicht. Auf dem Campus der Southern Methodist University, Laura Bushs Alma Mater, wurde die George-W.- Bush-Präsidentenbibliothek eröffnet, im Beisein aller vier lebenden amtierenden und ehemaligen Präsidenten. Präsident Barack Obama und First Lady Michelle kamen ebenso wie Bill und Hillary Clinton sowie Jimmy und Betty Carter, und auch George H. W. Bush ließ es sich trotz kürzlich überstandener Lungenentzündung nicht nehmen, gemeinsam mit Barbara Bush vom Altersruhesitz in Kennebunkport in Maine nach Dallas zu kommen.

          Vor der Eröffnung: George W. Bush Library and Museum

          Der frühere britische Premierminister Tony Blair, treuester Verbündeter Bushs in schwierigen Zeiten, bekräftigte in Dallas abermals seine Loyalität. Wie die meisten der 13 Präsidentenbibliotheken ist auch jene von George W. Bush, für deren großzügige Anlage rund 250 Millionen Dollar aus privaten Spenden verbaut wurden, eine Mischung aus Museum, Forschungsarchiv und Think Tank. Das Bush-Institut, das auf einem Stiftungskapital von weiteren 250 Millionen Dollar fußt, konzentriert sich auf die Förderung der nationalen Wachstums- und Bildungspolitik, der globalen Gesundheitspolitik, der menschlichen Freiheit und der Frauenrechte in aller Welt sowie des Dienstes in den amerikanischen Streitkräften.

          Das Museum ist mit riesigen Videowänden und vielen interaktiven Elementen ausgestattet und dokumentiert die acht Jahre Regierungszeit Bushs von Anfang 2001 bis Januar 2009. Nicht ausgespart bleibt aber auch der denkwürdige Streit über den Ausgang der Präsidentenwahlen des Jahres 2000, als die wochenlange Wieder- und Wiederauszählung der Stimmzettel in Florida schließlich vom Obersten Gericht gestoppt und der Republikaner Bush zum Sieger über den demokratischen Vizepräsidenten Al Gore erklärt wurde. Einer der ominösen „Schmetterlings-Wahlzettel“ mit den nicht vollständig durchgestanzten Löchern aus dem Landkreis Palm Beach ist in einer der ersten Vitrinen zu sehen.

          Zwei Stahlträger aus dem World Trade Center

          Die Ausstellung des Museums, zu der mehr als zwei Dutzend Filme, viele Erinnerungsstücke und der unvermeidliche detailgetreue Nachbau des „Oval Office“ im Weißen Haus gehören, folgt im Wesentlichen der Chronologie der Präsidentschaft von George W. Bush. Im ersten Ausstellungsraum geht es um jene Themen, für welche der damalige Gouverneur von Texas im Wahlkampf 2000 besonders gewoben hatte. Dokumentiert werden die Steuerkürzungen für alle Amerikaner, die Bush seinerzeit gemeinsam mit einem teilweise von den Demokraten kontrollierten Kongress durchsetzen konnte.

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