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Vereinigte Staaten : Obama bezeichnet Schützen von Dallas als verrückt

  • Aktualisiert am

Polizisten und Demonstranten stoßen aufeinander. Bild: AFP

Der amerikanische Präsident rief seine Mitbürger zur Ruhe auf und sagte, man dürfe die Taten eines Einzelnen nicht verallgemeinern. Das Land kommt jedoch nicht zur Ruhe. Auch in der Nacht gab es wieder Angriffe auf Polizisten.

          Nach den Polizistenmorden in Dallas sind in mehreren Städten erneut Polizeibeamte angegriffen worden. In der Stadt Saint Paul im Bundesstaat Minnesota kam es in der Nacht zum Sonntag zu Krawallen am Rande einer Bürgerrechts-Demonstration. In Dallas schreckte ein neuer Sicherheitsalarm Polizei und Bewohner auf. Ein Teil des Polizeihauptquartiers wurde nach einer anonymen Drohung abgesperrt, später folgte Entwarnung. Präsident Barack Obama beschwor die Einheit der Nation und rief seine Landsleute auf, nach vorn zu blicken.

          Wie die Polizei über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, wurden in Saint Paul mindestens fünf Beamte verletzt. Die Polizisten seien mit Steinen, Flaschen, Böllern und Molotowcocktails beworfen worden. Die Sicherheitskräfte nahmen zahlreiche Personen fest.

          Fotos der Zeitung „Star Tribune“ zeigen, wie ein Pulk von Demonstranten auf einer abgesperrten Schnellstraße einer Polizeikette gegenübersteht. Über der Straße steigt eine dichte Rauchwolke auf. Nach Informationen der Zeitung hatten die Sicherheitskräfte Rauchbomben eingesetzt, um die gegen Polizeigewalt demonstrierenden Anhänger der Bewegung „Black Lives Matter“ auseinanderzutreiben.

          Sympathien für Extremisten

          In der Metropole San Antonio im Bundesstaat Texas wurden anscheinend mehrere Schüsse auf das Polizeihauptquartier im Stadtzentrum abgefeuert. Polizisten zufolge wurden das Gebäude getroffen und mindestens eine Patronenhülse gefunden, wie der örtliche Sender KSAT berichtete. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden.

          Bei einer Demonstration in Baton Rouge ist der prominenter Aktivist für die Rechte der Schwarzen in den Vereinigten Staaten DeRay McKesson von der Bewegung Black Lives Matter, festgenommen worden. Er streamte seine eigene Festnahme am Samstagabend live im Internet, als er die Proteste in Baton Rouge im Bundesstaat Louisiana mit seiner Handykamera filmte.

          McKesson lief am Samstagabend in Baton Rouge am Straßenrand und filmte Demonstranten. "Polizisten haben den ganzen Abend lang provoziert", sagt er in dem Video. „Wir haben die Straße nicht blockiert oder so etwas.“ Plötzlich wird das Video unterbrochen, eine Stimme ist zu hören: „Städtische Polizei. Sie sind festgenommen – kämpfen Sie nicht gegen mich.“ Im Internet verbreitete Fotos zeigen, wie McKesson mit hinter dem Rücken gefesselten Händen abgeführt wird. Ein Polizeisprecher sagte der Lokalzeitung „The Advocate“, der Aktivist sei festgenommen worden, weil er die Straße blockiert habe. „Wir begrüßen die Proteste“, sagte der Sprecher dem Blatt. „Wir würden keine Leute festnehmen, die ruhig abseits der Fahrbahn demonstrieren.“ Laut Medienberichten wurden bei den Protesten in Baton Rouge insgesamt 30 Menschen festgenommen.

          Auslöser der landesweiten Proteste war der Tod zweier Afroamerikaner in den Staaten Minnesota und Louisiana durch Polizeischüsse. In der Nacht zum Freitag eskalierte die Lage. Der 25 Jahre alte Afroamerikaner Micah Johnson erschoss während einer Demonstration gegen Polizeigewalt aus dem Hinterhalt fünf Polizisten und verletzte fünf weitere Beamte und zwei Zivilisten.

          Motiv soll Hass auf Weiße gewesen sein. In diese Richtung deuten Äußerungen des Mannes bei Verhandlungen mit Polizisten vor seinem Tod und Facebook-Einträge, in denen Johnson Sympathien für schwarze Extremistengruppen bekundete.

          Eine „schmerzhafte Woche“

          Unterdessen entbrannte über Amerika hinaus eine Diskussion darüber, dass die Polizei Johnson gezielt aus der Ferne in einer Parkgarage durch Sprengstoff getötet hat. Die Bombe wurde nach einem stundenlangen Feuergefecht und erfolglosen Verhandlungen von einem Roboter deponiert. Die Technik, mit einem funkgesteuerten Gerät Sprengstoff heranzurollen, um einen Verbrecher zu töten, statt ihn zu überwältigen, ist moralisch umstritten.

          Obama wird Anfang der Woche in Dallas erwartet. Er verkürzte seinen Spanienbesuch nach dem Nato-Gipfel und wollte am Sonntagabend nach Washington zurückkehren. Das Land sei nicht so gespalten, wie manche es behaupteten, sagte Obama nach Abschluss des Nato-Gipfels in Warschau. Den Polizistenmörder von Dallas nannte er „verrückt“.

          Der amerikanische Präsident versuchte, die aufgewühlte Nation zu beruhigen. Er sprach von einer „schmerzhaften“ Woche, betonte aber zugleich, dass „die Taten von Einzelnen nicht für uns alle stehen dürfen“.

          Am Samstag gingen in mehreren Städten wieder Tausende Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße. Für Sonntag waren weitere Demonstrationen geplant.

          Übungen im Garten

          Wie groß die Furcht vor einer neuen Eskalation der Gewalt in den Vereinigten Staaten ist, zeigte sich am späten Samstagnachmittag in Dallas. Laut Medienberichten ging eine anonyme Drohung gegen die Polizei der Stadt ein, möglicherweise von einer bewaffneten Gruppe in Houston (ebenfalls Texas). Danach suchte die Polizei in einer Parkgarage hinter ihrem Hauptquartier nach einer verdächtigen Person, hob den Alarm aber schließlich wieder auf.

          Der Polizistenmörder von Dallas soll sein Verbrechen sorgfältig vorbereitet haben. Nach Medienberichten übte er den Angriff im Garten seines Wohnhauses. Das gehe aus einem Tagebuch hervor, das in seiner Wohnung gefunden wurde.

          Die Polizei fand nach eigenen Angaben zudem in seiner Wohnung jede Menge Waffen und paramilitärisches Material – auch zum Bombenbau – sowie Schutzwesten, Munition und ein Handbuch für den bewaffneten Kampf. Außerdem seien afro-nationalistische Schriften aufgetaucht.

          Der 25 Jahre alte Johnson war ein Heeresveteran und wurde Ende 2013 in Afghanistan eingesetzt, allerdings nicht in Kämpfen. Mehreren Medienberichten zufolge wurde er nach dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Soldatin zurück nach Hause geschickt.

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