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Venezuela : Betteltour nach Peking

  • -Aktualisiert am

Maduro mit Vertretern der chinesischen Wirtschaft in Peking (auf einem Foto des venezolanischen Präsidialamtes) Bild: dpa

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bangt um sein politisches Überleben. Der niedrige Ölpreis bringt das Land in Zahlungsschwierigkeiten. Große Hoffnungen richten sich auf China.

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          Angesichts des rapide sinkenden Ölpreises schmelzen die Devisenreserven Venezuelas mit rasender Geschwindigkeit dahin. Deshalb hat sich Präsident Nicolás Maduro nun auf eine einwöchige Besuchstour gemacht, um neue Kredite zu beschaffen und zu versuchen, die wichtigsten Erdöl exportierenden Länder zu einer Drosselung der Ölförderung zu bewegen. Am Montag traf Maduro in Moskau ein, von dort flog er weiter nach Peking, wo am 8. und 9. Januar das Treffen Chinas mit Staaten Lateinamerikas und der Karibik stattfindet. Anschließend reist Maduro nach Saudi-Arabien, nach Iran und schließlich nach Algerien.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Es ist wenig wahrscheinlich, dass Maduro beim Thema Fördermenge einen Sinneswandel in Moskau, Riad oder Teheran erzielen kann. Saudi-Arabien verfolgt mit anhaltend hohen Ausfuhren das langfristige Ziel, seinen Marktanteil an den weltweiten Erdölausfuhren zu halten statt durch eine Reduzierung von Förderung und Export kurzfristig den Preisverfall aufzuhalten.

          Die größten Hoffnungen Venezuelas liegen daher auf „unserer Schwester China“, wie Maduro vor seinem Abflug nach Peking sagte. Doch die Neigung Pekings, Venezuela neue Kredite zu gewähren, scheint begrenzt. China hat Venezuela in den vergangenen fünf Jahren schon Kredite im Umfang von mehr als 40 Milliarden Dollar gewährt. Venezuela begleicht seine Schulden bei China mit Erdöllieferungen: Pro Tag fließen 250.000 bis 450.000 Barrel Öl als Schuldendienst nach China. Mit weiteren 100.000 Barrel pro Tag, die kostenlos geliefert werden, stützt Caracas das kommunistische Regime auf Kuba.

          800.000 Barrel Öl werden täglich in Venezuela verbraucht; Benzin etwa wird zu einem Preis von umgerechnet kaum 1,7 Eurocent je Liter an die venezolanischen Autofahrer faktisch verschenkt. Durch den Benzinschmuggel nach Kolumbien und Brasilien, an dem Angehörige des Regimes kräftig mitverdienen, gehen dem Staatshaushalt jährlich mehrere Milliarden Dollar verloren. Von der geschätzten Produktion von etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag kann Venezuela allenfalls mit der Hälfte Devisen erwirtschaften. Und die reichen bei weitem nicht aus, um die Kosten für die Importe zu decken, auch wenn die Einfuhren in den vergangenen Jahren stetig gesunken sind, was wiederum zu schweren Versorgungsengpässen führt.

          Venezuela braucht deshalb dringend frisches Geld. Sollte Peking doch noch einmal einspringen, um Caracas vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit zu bewahren, dürfte dies nur im Gegenzug zu einem Vorzugspreis für das gelieferte Öl geschehen. Venezuela müsste doppelt so viel Öl für jeden Dollar Kredit von China liefern als noch vor einem Jahr – ein Teufelskreis, aus dem Caracas nur ein rascher deutlicher Anstieg des Ölpreises retten kann.

          Die Verfall des Ölpreises trifft Venezuela besonders hart, weil das Land 96 Prozent der Ausfuhrerlöse und 60 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölexport bezieht. Den Großteil seiner Nahrungsmittel und Medikamente muss Venezuela dagegen einführen und mit den ohnedies knappen Devisen bezahlen. Bei der Erstellung des Budgets für 2015 hat die Regierung in Caracas mit einem Preis von 60 Dollar pro Barrel kalkuliert. Fachleute halten es für denkbar, dass der Ölpreis auf 40 Dollar für das Barrel fällt und dort für Wochen verharrt.

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