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Putsch-Vorwurf in Venezuela : Bürgermeister von Caracas festgenommen

  • Aktualisiert am

Mitzy Capriles de Ledezma protestiert am Donnerstagabend in Caracas gegen die Festnahme ihres Mannes. Bild: AP

Antonio Ledezma, der Bürgermeister der Hauptstadt Caracas, ist einer der schärfsten Kritiker der sozialistischen Regierung in Venezuela. Nun hat Präsident Nicolás Maduro ihm Umsturzpläne vorgeworfen und ihn festnehmen lassen.

          Der Bürgermeister der venezolanischen Hauptstadt Caracas, Antonio Ledezma, ist festgenommen worden. Laut der Ehefrau des Bürgermeisters erfolgte die Festnahme durch Geheimagenten, die mit Panzern vor dem Büro des Bürgermeisters anrückten.

          Präsident Nicolás Maduro warf Ledezma einen Putschversuch vor. Ledezma habe vorgehabt, die Regierung zu stürzen, sagte Maduro am Donnerstagabend. „Herr Ledezma, der heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen wurde, muss von der venezolanischen Justiz angeklagt werden, um für alle Verbrechen gegen den Frieden, die Sicherheit und die Verfassung des Landes geradezustehen“, sagte Maduro in einer Radio- und Fernsehansprache.

          Bürgermeister Antonio Ledezma (im April 2014)

          Unmittelbar vor der Festnahme hatte Ledezma am Donnerstagnachmittag selbst im Kurzbotschaftendienst Twitter mitgeteilt, dass Polizisten auf dem Weg zu ihm seien, um ihn festzunehmen. Danach berichtete seine Ehefrau Mitzy Capriles auf Ledezmas Twitter-Seite, dass Beamte den 59-Jährigen mitgenommen hätten. „Sie haben Antonio Ledezma geschlagen“, fügte sie im Sender Radio Union hinzu. „Sie haben alles, was sie auf ihrem Weg fanden, zerstört, sie haben ihm keine Zeit gegeben zu sprechen, sie haben ihm keine Zeit gegeben irgendjemanden zu informieren.“

          Laut Capriles wurde die Festnahme von „Dutzenden“ Agenten des Geheimdienstes (Sebin) vorgenommen, die auf „zehn Panzern“ vor seinem Büro angerückt seien. Die Agenten schossen in die Luft, um eine Menge, die in der Nähe protestierte, auseinanderzutreiben. Auch Ramón Muchacho, Bürgermeister des wohlhabenden Hauptstadtbezirks Chacao, berichtete auf Twitter von der Festnahme. Er erklärte seine „Solidarität“ mit Ledezma „angesichts dieser unerwarteten Festnahme“.

          Vor dem Sitz des Geheimdienstes versammelten sich am Donnerstagabend Unterstützer des Bürgermeisters, darunter der Oppositionsführer und Gouverneur des Bundesstaates Miranda, Henrique Capriles Radonski. Ihnen standen Polizisten mit Schutzausrüstung gegenüber.

          Demonstranten vor der Zentrale des Geheimdienstes in Caracas

          Ledezma ist einer der führenden Oppositionellen in Venezuela. Maduro nennt Ledezma „den Vampir“ und wirft ihm vor, maßgeblich hinter den regierungskritischen Protesten vom vergangenen Jahr zu stecken. Damals hatte es in dem lateinamerikanischen Land wochenlange Proteste von Oppositionellen gegeben, bei denen es immer wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam. Insgesamt wurden 43 Menschen getötet.

          Vor rund einer Woche gab es zum Jahrestag des Beginns der Proteste abermals Ausschreitungen. Maduro sagte darauf, es habe einen Putschversuch gegen die Regierung gegeben. Mehrere Mitglieder der Luftwaffe seien festgenommen worden. An diesem Mittwoch versammelten sich in Caracas 300 Menschen, um die Freilassung des seit einem Jahr inhaftierten Oppositionsführers Leonardo López zu fordern. Die Behörden hatten ihn am 18. Februar 2014 festgenommen, sie werfen ihm die Anstachelung zu den Massenprotesten vor.

          Maduro, der nach dem Tod des langjährigen Staatschefs Hugo Chávez im Frühjahr 2013 ins Amt kam, sieht sich angesichts der anhaltender Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land zunehmender Kritik ausgesetzt. Ledezma wurde 2009 zum Bürgermeister von Caracas gewählt und 2013 wiedergewählt. Die Regierung Maduro hat die Kompetenzen des Hauptstadtbürgermeisters beschnitten.

          Angesichts einer schweren Wirtschaftskrise steht die venezolanische Regierung unter Druck. Das Erdölland leidet seit langem unter einer hohen Inflationsrate, Devisenmangel und Lücken bei der Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfs. Insbesondere Lebensmittel und Hygieneprodukte sind knapp. In vielen Landesteilen bilden sich Schlangen vor Supermärkten. Der stark gefallene Preis für Erdöl hat die Wirtschaftskrise noch verschärft. Über 90 Prozent der Deviseneinnahmen Venezuelas stammen aus dem Ölexport.

          Vor dem staatlichen Bicentenario-Supermarkt in Caracas: Hunderte stehen für Hühnchen, Putzmittel und andere Waren des täglichen Gebrauchs an. Bilderstrecke

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